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Neues Peptidhormon steigert die Neubildung insulinproduzierender Betazellen dreißigfach

Aktuelle Studien vorgestellt und kommentiert von Prof. Helmut Schatz

Vor 4 Tagen berichtete das Harvard Stem Cell Institute in Boston, dass Douglas A. Melton mit seinem Mitarbeiter Peng Yi ein neues Peptidhormon gefunden hatten. Das Gen dafür ist auf Chromosom 19 lokalisiert und kommt auch beim Menschen vor. Es wird in der Leber und in geringerem Ausmass in weissem Fettgewebe exprimiert. Die Forscher nannten das Hormon Betatrophin. Es wird ins Blut abgegeben und steigerte bei einem diabetischen Mäusemodell die Neubildung von Betazellen innerhalb 1 Woche um das dreissigfache. Die neugebildeten Zellen reagierten auf erhöhten Blutzucker mit der Sekretion bioaktiven Insulins. Die Publikation in der Zeitschrift Cell ist online zugänglich und soll gedruckt am 9. Mai 2013 erscheinen.

Prof. Melton meint, dass man Betatrophin bei Typ-2-Diabetespatienten etwa einmal pro Woche oder pro Monat, vielleicht auch nur einmal jährlich injizieren müsse, um eine ausreichende Insulinproduktion aufrechtzuerhalten. Er diskutiert auch, dass es bei Menschen mit Typ-1-Diabetes insbesondere kurz nach der Manifestation, in der "oney moon phase", vorteilhaft eingesetzt werden könnte. Das Hamburger Biotech - Unternehmen Evotec besitzt bereits eine Lizenz zur Weiterentwicklung, die Firma Janssen, eine Tochter von Johnsson & Johnsson ist ebenfalls schon mit einer "CureBeta"-Initiative involviert.

Kommentar des Referenten

Der Entdeckung des neuen, vielversprechenden Hormons ging eine lange Phase der Grundlagenforschung voraus, was wieder einmal zeigt, dass diese oft für praktisch-klinische Resultate von entscheidender Bedeutung ist. Die Untersuchungen wurde zu 80 % von den National Institutes of Health finanziert. Ein Ausgangspunkt der Forscher war die Beobachtung, dass in der Schwangerschaft die Insulinproduktion bei der Mutter entsprechend den erhöhten Bedürfnissen von Mutter und Kind ganz enorm gesteigert wird. Daher wurden schwangere Mäuse untersucht und es wurde gefunden, dass bei den Muttertieren nicht nur eine Insulinmehrsekretion erfolgt, sondern die Betazellen stark vermehrt werden, bedingt durch das neuentdeckte Hormon Betatrophin.

Prof. Melton hofft, dass in etwa vier Jahren die ersten Studien beim Menschen beginnen können. Naturgemäss wird zu prüfen sein, ob durch Betatrophin Betazellneoplasien induziert werden könnten, von einer Nesidioblastose über ein Insulinom bis zum Inselzellkarzinom. Unter Inkretin-Mimetika wurden im Pankreas ja auch Alphazellhyperplasien mit Mikroadenomen und ein neuroendokriner Tumor gefunden.

Literatur

zuletzt bearbeitet: 27.04.2013 nach oben

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