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Auslöser für Typ-2-Diabetes identifiziert

Eiweiß RANKL begünstigt Entstehung der Insulinresistenz

Prof. Dr. Georg Schett Wie es zur Insulinresistenz kommt, konnte nun ein Wissenschaftlerteam um Prof. Dr. Georg Schett, Direktor der Medizinischen Klinik 3 am Universitätsklinikum der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU), im Rahmen einer Langzeitstudie für die Entstehung von Diabetes mellitus Typ 2 entschlüsseln. Die in "Nature Medicine" veröffentlichten Ergebnisse belegen, dass das Eiweiß RANKL einen wesentlichen Anteil zur Entstehung der Insulinresistenz in der Leber beiträgt. Interessanterweise ist RANKL eigentlich für seine Rolle im Skelettsystem bekannt, wobei es hier im Wesentlichen zum Knochenabbau beiträgt.

Die neuen Erkenntnisse versprechen eine Entwicklung neuer Ansätze zur Vorbeugung und Behandlung der Erkrankung, die sich schnell in die klinische Praxis übertragen lassen.

Diabetes mellitus ist eine Stoffwechselerkrankung, bei der es zu einer Überzuckerung des Blutes kommt. Beim Altersdiabetes (Diabetes Typ 2) besteht im Unterschied zum Insulinmangeldiabetes, der oft schon bei Jugendlichen auftritt, eine Resistenz des Körpers gegenüber dem blutzuckersenkenden Hormon Insulin. Dies wird zwar von der Bauchspeicheldrüse von Patienten mit Typ-2-Diabetes in Übermaßen ausgeschüttet, verliert aber seine blutzuckersenkende Wirkung auf die Organe. Es entsteht die sogenannte Insulinresistenz. Langfristig schädigt der erhöhte Blutzuckergehalt Blutgefäße und Nerven. Folgekrankheiten sind unter anderem Herzinfarkt, Schlaganfall, Nierenschwäche und Netzhautschäden.

Innerhalb der Langzeitstudie wurde die Konzentration des Eiweißes RANKL im Blut von rund 1.000 Patienten gemessen. "Bei dieser Untersuchung zeigte sich, dass Personen mit hohem RANKL-Spiegel, unabhängig von Geschlecht und Alter, ein deutlich erhöhtes Risiko aufwiesen, Diabetes mellitus Typ 2 zu entwickeln", fasst Prof. Schett zusammen.

Bei der sogenannten Bruneck-Studie handelt es sich um eine seit über 20 Jahren durchgeführte Langzeitbeobachtung gesunder Einwohner der Stadt Bruneck in Südtirol, die auf die Erforschung der Ursachen von Herzinfarkt und Schlaganfall, Diabetes, Osteoporose und Erkrankungen des Nervensys­tems abzielt. Initiiert wurde diese Studie von Professor Johann Willeit und Professor Stefan Kiechl von der Medizinischen Universität Innsbruck sowie Professor Siegfried Oberhollenzer vom Krankenhaus Bruneck.

Die Mechanismen und Wege, wie RANKL zum Auftreten von Insulinresistenz und Typ-2-Diabetes führt, konnten durch eine zusätzliche mehrjährige Laborarbeit aufgeklärt werden, an denen Professor Stefan Wirtz von der Medizinischen Klinik 1 (Direktor: Prof. Markus Neurath), Dr. Jürgen Wittmann von der Molekularen Immunologie der Medizinischen Klink 3 (Leiter: Prof. Hans Martin Jäck) der FAU sowie Prof. Herbert Tilg von der Medizinischen Universität Innsbruck beteiligt waren. Hierfür wurde die RANKL-Aktivierung in der Leber spezifisch gehemmt und dadurch eine Normalisierung des Blutzuckerspiegels erreicht. "Die Laboruntersuchungen bestätigen, dass das Eiweiß RANKL, welches eigentlich für die Entstehung von Osteoporose verantwortlich ist, auch ein zentraler Schalthebel für die Entstehung von Diabetes ist", sagt Prof. Schett. Damit zeigt sich, dass unser Skelettsystem einen wesentlichen Einfluss auf den Blutzuckerstoffwechsel ausübt und beide Organe eng miteinander kommunizieren.

Seit kurzem ist bekannt, dass das weitläufig eingesetzte Diabetesmittel Metformin die Aktivität von RANKL beeinflusst. Jetzt gilt es, spezifische Medikamente gegen RANKL zur Behandlung der Zuckerkrankheit zu entwickeln und zu testen. Die Hemmung von RANKL wird heute bereits erfolgreich zur Therapie von Osteoporose eingesetzt, was einen wesentlichen Startvorteil in der Entwicklung einer neuen Behandlung von Typ-2-Diabetes bietet. "Dieser Umstand könnte ermöglichen, dass die Hemmung von RANKL zur Vorbeugung oder Therapie des Diabetes mellitus Typ 2 schon in wenigen Jahren Realität sein könnte", zeigen sich die Forscher zuversichtlich.

Bildunterschrift: Prof. Dr. Georg Schett
Bildquelle: Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU)

Diese Pressemitteilung wurde über den - idw - versandt.

zuletzt bearbeitet: 12.02.2013 nach oben

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