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Wirkstoffe für die Therapie des Typ-2-Diabetes

Neues über Antidiabetika beim EASD-Kongress Berlin 2012

Wissenschaftliche Vorträge vom Europäischen Diabetes-Kongress, vorgestellt von Prof. Helmut Schatz

In einer Hauptsitzung am 3. Oktober 2012 sprach R. DiMarchi, USA, über Glukagon-Inkretin-Hybridmoleküle. Zuerst stellte er eine lange Reihe von synthetisch hergestellten, nicht in der Natur vorkommenden Aminosäuren vor, die man in verschieden Medikamente einbauen könne. Ziel sei eine Wirkungsverbesserung schon bekannter Peptid-Therapeutika. Dann berichtete er über Hybridmoleküle aus Glukagon und Inkretinen, insbesondere Glukagon-like Peptide-1 (GLP-1). Es bleibt abzuwarten, ob diese künstlichen Moleküle klinisch einen Vorteil gegenüber den derzeit verwendeten GLP-1-Analoga bringen werden.

A.J.L. Scheen aus Belgien besprach Substanzen, die in die Glukokortikoidsynthese eingreifen. Über 11ß-Hydroxysteroiddehydrogenase-Hemmer wie z. B. das Präparat INCB 13739 hatte schon früher J. Rosenstock publiziert. Es sollten die Glukokortikoideffekte auf die Leber und das Fettgewebe reduziert werden. Man beobachtete eine nicht sehr ausgeprägte HbA1c-Absenkung. Wie zu erwarten war, gingen aber ACTH und auch DHEAS in die Höhe. Die Cortisolspiegel im Blut und im Speichel blieben jedoch gleich.

Insgesamt hätten die Studien mit einer Steroidsynthesehemmung zu geringe Effekte beí der Stoffwechselverbesserung gezeigt, so dass die Untersuchungen mit INCB 13739 in Phase 2 gestoppt wurden, ebenso wie die der ähnlichen Präparate MK 0916 und MK 0736. Für den EASD-Kongress 2012 sei kein einziger Beitrag über Glukokortikoidsynthesehemmer eingereicht worden. Zur Zeit würde lediglich noch ein Präparat der Firma Lilly weiter geprüft.

Ähnlich wie bei den 11ß-Hydroxysteroiddehydrogenase-Hemmern sei übrigens auch die Situation bei den Glukokinase-Aktivatoren. Jahrzehntelang wurden diese auf den internationalen Diabeteskongressen vorgestellt und in Hauptreferaten etwa von Franz Matschinsky recht optimistisch besprochen. In Berlin war beim EASD-Kongress kein Beitrag zu dieser pharmakologischen Gruppe mehr zu finden.

Über Glukagonrezeptorantagonisten wird ebenfalls schon viele Jahre lang gearbeitet. C.M. Kazda und Mitarbeiter von der Firma Lilly stellten Phase-2-Daten mit der Prüfsubstanz LY 2409021 vor. Nach 12 Wochen kam es dosisabhängig zu einer HbA1c-Senkung zwischen 0.5 und 0.7 % gegenüber Placebo. Allerdings stiegen dosisabhängig die Transaminasen an, was bei der Planung von Phase-3-Studien natürlich berücksichtigt werden müsste.

R.R. Henry und Mitarbeiter berichteten über Dosisfindungsdaten der Phase 2 mit einer subkutan implantierbare Exenatid-Pumpe (ITCA 650). Mit dieser seien konstante Exenatid-Spiegel über 3, 6 und sogar 12 Monate erzielbar. Über 12 Wochen erwies sich eine Dosis von 60 Mikrogramm als am günstigsten, so dass damit Phase-3-Studien anlaufen sollen.

Literatur

  • R. DiMarchi: Glucagon-incretin hybrids: an improvement over GLP-1 receptor agonists? EASD Congress 2012, Berlin, Lecture on October 3, 2012

  • A.J.L. Scheen: Targeting the glucocorticoid pathway. EASD Congress 2012, Berlin, Lecture on October 3, 2012-10-21

  • J. Rosenstock et al.: The 11-ß-hydroxysteroid dehydrogenase type 1 inhibitor INCB 13739 improves hyperglycemia in patients with type 2 diabetes inadequately controlled by metformin monotherapy. Diabetes Care 2010. 33: 1516-1522

  • C.M. Kazda et al.: 12-week treatment with glucagon receptor antagonist LY 2409021 significantly lowers HbA1c and is well tolerated in patient with type-2 diabetes mellitus. Diabetologia 2012, Suppl. 1, S51

  • R.R. Henry et al.: Optimizing phase 3 selection with ITCA 650: correlation between baseline HbA1c and reduction of HbA1c after 24 weeks of treatment. Diabetologia 2012, Suppl. 1, S50

zuletzt bearbeitet: 31.10.2012 nach oben

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