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Personalisiertes Diabetes-Management unterstützt bessere Therapieergebnisse

Fokus Diabetes: Prozess- und Technologie-Innovation in strukturierte Behandlung umsetzen

Diabetes ist eine anfänglich oft leise verlaufende chronische Erkrankung. Wird sie jedoch nicht angemessen behandelt, verschlimmert sie sich im Laufe der Zeit. Aufgrund der sekundären Komplikationen kann Diabetes als gefährlich eingestuft werden. Die kontinuierliche Aufmerksamkeit von Ärzten und Patienten ist hier ebenso gefragt wie eine regelmäßige Therapieanpassung, um Folgeerscheinungen hinauszuzögern oder gar verhindern zu können.

Anlässlich des zweiten internationalen wissenschaftlichen Mediensymposiums "Focus Diabetes: Patients. Perspectives. Progress.", das im Rahmen der in Berlin stattfindenden 48. Jahrestagung der European Association for the Study of Diabetes (EASD) von Roche Diabetes Care ausgerichtet wurde, äußerten sich renommierte Meinungsbildner über die aktuellsten Ansätze zur Personalisierung des Diabetes Managements und Optimierung der Blutzuckerkontrolle mit Hilfe der neuesten technischen Hilfsmittel.

Die Experten stimmten darin überein, dass die vorgestellten Konzepte therapeutische Entscheidungen wesentlich vereinfachen können und sich leicht in die Alltagsroutine integrieren lassen. Untermauert wird diese Aussage durch aktuelle Studienresultate, aus denen hervorgeht, dass das strukturierte Management von Blutzuckerprofilen in Verbindung mit Datenvisualisierung die Zusammenarbeit zwischen Arzt und Patient fördern kann, was sich einer höheren Motivation zur Befolgung der Therapieempfehlungen durch die Patienten sowie verbesserten Behandlungsresultaten niederschlägt.[1]

Wie viele andere chronische Erkrankungen ist auch Diabetes komplex und schwierig zu behandeln, da er oft mit sekundären Komplikationen und Multimorbidität einhergeht. Instabile Blutzuckerkontrolle und insbesondere post-prandiale Hyperglykämien gelten als entscheidende Risikofaktoren, die zu kurz- und langfristigen Komplikationen wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen (Myokardinfarkt, Schlaganfall), aber auch zu Neuropathien, Retinopathien und Nierenerkrankungen führen können.

"Wir sind davon überzeugt, dass ein personalisiertes Diabetes Management, das eine strukturierte Blutzucker-Selbstkontrolle sowie die ganzheitliche Behandlung individueller Glukoseprofile integriert, darüber hinaus aber auch Datenmanagement und die Zusammenarbeit zwischen Arzt und Patient umfasst, dazu beitragen kann, die Therapie zu optimieren und die Versorgungsstandards im Bereich Diabetes zu verbessern", sagt Luc Vierstraete, Globaler Leiter von Roche Diabetes Care zu Beginn der Veranstaltung. Neueste wissenschaftliche Erkenntnisse deuten darauf hin, dass eine strukturierte Vorgehensweise im Diabetes Management sowohl Ärzte und Diabetesberaterinnen als auch für Menschen mit Diabetes unterstützt und dazu beiträgt, das Behandlungsresultat zu verbessern.[2] "Jetzt gilt es, solche vielversprechenden Ansätze in der Praxis umzusetzen."

Trotz der Fortschritte, die in den vergangenen Jahren in der Diabetestherapie erzielt wurden, erreichen noch immer viele Menschen mit Diabetes die Zielwerte für ihren Blutzuckerspiegel nicht und halten die ihnen empfohlene Behandlung nicht oder nur teilweise ein. Zudem zeigt die aktuelle Forschung, dass eine Insulintherapie vielfach zu spät eingeleitet wird, obschon die erforderlichen Mittel für eine adäquate Diabetesbehandlung verfügbar sind. Ein anschauliches Beispiel hierzu liefert Dr. David Norman O'Neal, leitender Endokrinologe am St. Vincent's Hospital und außerordentlicher Professor an der Universität Melbourne, Australien, einer der Studienleiter der Stepping Up Studie.[3] Aufgrund seiner Praxiserfahrung befürwortet er einen strukturierten Ansatz des Diabetes Managements insbesondere im Zusammenhang mit der Blutzuckerkontrolle aber auch dem Beginn oder der Anpassung einer Insulintherapie.

Eine Arbeitsgruppe europäischer Meinungsbildner publizierte kürzlich ein Positionspapier[4], in dem sie einen stärker personalisierten Ansatz im Diabetes Management in sechs Schritten vorschlägt. "Da es die eine Therapieform nicht gibt, die sich für alle Menschen mit Diabetes eignet, müssen wir individuelle Ziele formulieren, die den klinischen Hintergrund und die persönliche Krankengeschichte berücksichtigt", erklärt Professor Antonio Ceriello, Institut d'Investigacions Biomèdiques August Pi[1] Sunyer (IDIBAPS) in Barcelona, Spanien.

Der Zyklus bestehend aus sechs Schritten[4] umfasst die strukturierte Blutzucker-Selbstkontrolle, die als Leitfaden für die zu verordnende Therapie dient. Diese wird mit dem Selbstmanagement durch den Patienten sowie einer Feedbackschleife kombiniert und hilft so den Menschen mit Diabetes, ihre Motivation zu bewahren. Außerdem werden die Patienten aufgrund eines neuen Algorithmus und unter Berücksichtigung ihres Alters, der Krankheitsdauer, von Begleiterkrankungen sowie ihres Blutzuckerprofils im Tagesverlauf einem phänotypischen Cluster zugeordnet. Gemäß Professor Ceriello liegt der praktische Nutzen des schrittweisen Vorgehens in der Verbindung effizienzsteigernder Aspekte mit der Möglichkeit, sowohl die Qualität der Diabetestherapie als auch den Zugang zu einer optimalen Behandlung zu verbessern.

Technologie in Form innovativer medizinischer Geräte spielt eine vorrangige Rolle bei der Umsetzung solcher neuen Ansätze im Praxisalltag. Der in Münster, Deutschland, tätige Diabetologe Dr. Ralph Ziegler, der zu den Studienleitern der ABACUS-Studie[5] gehört, erklärt: "Insbesondere bei der Insulintherapie von Menschen mit Diabetes können Funktionen wie automatische Bolusrechner das personalisierte Diabetes-Management signifikant erleichtern, die Blutzuckerkontrolle verbessern und die tägliche Behandlung vereinfachen. Die Ergebnisse einer kürzlich durchgeführten Untersuchung[6] bestätigen, dass der Bolusrechner beim Accu-Chek® Aviva Expert System die Angst vor Hypoglykämien deutlich mildern, das Vertrauen in die Dosisberechnung festigen, das Erreichen der Blutzuckerzielwerte erleichtern und längerfristig auch die Therapieeinhaltung sowie das Befinden insgesamt verbessern kann."

Zusammenfassend zeigen diese Forschungsresultate überzeugend auf, dass personalisiertes Diabetes Management dazu beitragen kann, die Wirksamkeit und Effizienz der Behandlung sowie die Therapietreue und das Therapieergebnis zu verbessern. "Solche Algorithmen, verbunden mit einem strukturierten Diabetes Management-Ansatz werden die Entscheidungsfindung für Ärzte, Diabetesberaterinnen und Patienten erleichtern. Dazu sind die bereits vorliegenden wissenschaftlichen Fakten bezüglich des Sechs-Schritte-Zyklus durchaus vielversprechend im Hinblick auf die Schaffung eines medizinischen und auch wirtschaftlichen Mehrwerts für die Gesundheitssysteme", schließt Professor Ceriello.

Über "Focus Diabetes: Patients. Perspectives. Progress."

Zur Förderung eines optimalen Diabetes Managements und der zugehörigen Pflegestrukturen hat Roche Diabetes Care unter dem Titel "Focus Diabetes: Patients. Perspectives. Progress." eine Reihe jährlich stattfindender hochrangiger medizinisch-wissenschaftlicher Symposien ins Leben gerufen.

Die Veranstaltungsreihe, an der international anerkannte Experten teilnehmen, dient als Forum zur eingehenden Diskussion wissenschaftlicher Erkenntnisse sowie der neuesten Entwicklungen in der Diabetestherapie. Neben aktuellen Resultaten klinischer Studien umfasst der Themenkreis auch die Herausforderungen, denen Patienten, Gesundheitsfachkräfte, Krankenversicherungen und Kostenträger im Zusammenhang mit einem effizienten Diabetesmanagement begegnen. Neben exklusiven Einblicken und einem professionellen Rahmen für Diskussionen bietet das Symposium den Teilnehmenden auch die Gelegenheit, direkt den Kontakt zu den Experten zu suchen.

Quellen

  1. Weissmann, J, et al., Improving Process Quality and Medical Outcome of Diabetes Treatment with Information Management: the Physician's Perspective. Results from the Multicenter Observational VISION Study & Brotons, C. et al, Benefits of a Blood Glucose Data Reader Device in the Management of Type 2 Diabetes Mellitus: Primary Care Nurses Perspective, Poster presentations at Advanced Technologies &  Treatments for Diabetes (ATTD) 5th International Conference, February 8-11, 2012.

  2. Polonsky WH. et al. Structured SMBG significantly reduces HbA1c levels in poorly-controlled, non-insulin treated type 2 Diabetes: Results from the STeP Study.Diabetes Care February 2011 34:262-267; doi:10.2337/dc10-1732.

  3. Stepping Up study: Structured Glucose Monitoring & Insulin Titration, study design presented by Dr. David O'Neal, Roche Diabetes Care symposium, 48th EASD, Berlin 2012.

  4. Ceriello, A. et al. Diabetes as a case study of chronic disease management with a personalized approach: The role of a structured feedback loop. Diabetes Res Clin Pract(2012), http://dx.doi.org/10.1016/j.diabres.2012.07.005.

  5. Ziegler, R.; Cavan, D. Presentation of ABACUS baseline results, Roche Diabetes Care symposium, 48th EASD, Berlin 2012.

  6. Barnard KD, Parkin CG, Young A, Ashraf M: Use of an automated bolus calculator reduces fear of hypoglycemia and improves confidene in dosage accuracy in patients with type 1 diabetes mellitus treated with multiple daily insulin injections. J Diab Sci Tech 2012, 6(1):144-149.

zuletzt bearbeitet: 09.10.2012 nach oben

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