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Typ-2-Diabetes: Schlechte Daten für direkte Reninblockade

Vom 25. bis 29. August 2012 findet in München der Europäische Kardiologenkongress (ESC) statt

Menschen mit Typ-2-Diabetes benötigen eine optimale Kontrolle ihres Blutdrucks. Diese wird unter anderem durch Eingriffe in das Renin-Angiotensin-Aldosteron-System (RAS), einen komplexen hormonellen Regelmechanismus, erreicht. Ein zusätzlicher Vorteil der RAS-Hemmung liegt darin, dass sie sich günstig auf die Funktion der bei Diabetes-Patienten grundsätzlich gefährdeten Nieren auswirkt. Nun zeigt allerdings eine auf dem ESC-Kongress in München, bei dem Herzspezialisten aus aller Welt zusammenkommen, präsentierte Studie, dass ein Mehr an RAS-Blockade nicht unbedingt Vorteile für die Patienten hat.

Dies legen zumindest erste Daten der im Dezember 2011 abgebrochenen ALTITUDE-Studie nahe. Im Rahmen von ALTIDUDE wurde untersucht, ob Patienten mit Typ-2-Diabetes davon profitieren, dass sie zusätzlich zu einem in das RAS eingreifenden Medikament (ACE-Hemmer oder Sartan) den direkten Renin-Hemmer Aliskiren einnehmen. Aliskiren ist der erste zugelassene Vertreter einer neuen Substanzgruppe, die das Enzym Renin, das am Anfang der Kaskade des RAS steht, direkt blockiert.

Durch die hochselektive Blockierung von Renin wird nicht nur dessen enzymatische Aktivierung von Angiotensin II (AT II) gehemmt, sondern werden wahrscheinlich auch AT II unabhängige Effekte von Renin gehemmt. Hierzu gehören proliferatorische und profibrotische Wirkungen. Es wird vermutet, dass die Erhöhung der Reninaktivität unter ACE-Hemmern und AT-II-Blockern über den Mechanismus einer vermehrten (Pro)Renin-Rezeptorbindung einen Teil der potenziellen Benefite verhindert. Daher wurde von der Kombination dieser Substanzen mit Aliskiren eine bessere organprotektive Wirkung auf Herz und Nieren erwartet.

Diese Erwartungen konnten jedoch in ALTITUDE nicht erfüllt werden, wie der präsentierende Autor der Studie, Prof. Dr. Hans-Henrik Parving (Universitätsspital Kopenhagen) auf einer Pressekonferenz am Europäischen Kardiologenkongress ESC ausführte. Im Gegenteil: Aufgrund der Nebenwirkungen der Therapie entschlossen sich die Forscher zu einem Abbruch der Studie. Daher standen nur Daten zu einer Beobachtungszeit von 32 Monaten (median) zur Verfügung. Diese zeigen keine signifikanten Vorteile für die Kombination der Standardtherapie mit Aliskiren.

Der primäre kombinierte Endpunkt der Studie (kardiovaskulärer Tod, Reanimation, Myokardinfarkt, Schlaganfall, ungeplante Hospitalisierung wegen Herzinsuffizienz, Nierenversagen oder Verdoppelung des Ausgangs-Kreatinins) ereignete sich bei 767 (17,9 %) Patienten in der Aliskiren-und 721 (16,8 %) in der Placebo-Gruppe. Zu Schlaganfällen kam es bei 146 (3,4 %) Patienten unter Aliskiren sowie 118 (2,7 %) unter Placebo. Hinsichtlich des Nierenversagens wurden keine Unterschiede gefunden. Aliskiren zeigte sich lediglich im Hinblick auf ungeplante Hospitalisierungen sowie eine Reduktion der Albuminurie als wirksamer. Aliskiren führte bei mehr Patienten zu einem klinisch relevanten Abfall des Kalium-Spiegels im Blut und zu niedrigem Blutdruck. Ein Patient aus der Aliskiren-Gruppe starb in Folge des Kalium-Anstiegs.

"Angesichts dieser Daten kann die Zugabe von Aliskiren zur Standardtherapie bei Patienten mit Diabetes mellitus Typ 2 nicht empfohlen werden", zieht Prof. Parving Bilanz.

Weitere Informationen: http://www.escardio.org

Diese Pressemitteilung wurde über den - idw - versandt.

zuletzt bearbeitet: 27.08.2012 nach oben

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