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Neue Leitlinie zum Typ-1-Diabetes mellitus

Individuelle Zielwerte für Langzeitblutzucker mit dem Patienten vereinbaren

Prof. Monika Kellerer Für etwa 300.000 Menschen in Deutschland ist das Spritzen von Insulin überlebensnotwendig: Sie leiden an einem Typ-1-Diabetes mellitus. Langfristig kann eine gute Kontrolle des Blutzuckers die Folgeschäden der Erkrankung etwa an Auge, Nerven oder Nieren vermeiden. Um dieses Ziel zu erreichen, hat die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) eine neue, komplett überarbeitete und den höchsten Standards der Leitlinienerstellung entsprechende Leitlinie zur "Therapie des Typ-1-Diabetes" veröffentlicht.

"Wir sind sicher, dass die DDG-Leitlinien von Ärzten vielfach beachtet werden und auf diese Weise den Patienten zugute kommen", sagt Professor Dr. med. Monika Kellerer vom Marienhospital Stuttgart. Die Leitlinienkoordinatorin der DDG betont, dass die Deutsche Diabetes Gesellschaft mit der aktuellen Leitlinie und der evidenzbasierten Leitlinie zur Diagnostik und Therapie des Typ-1-Diabetes im Kindes- und Jugendalter aus dem Jahr 2009 zwei aktuelle und hochwertige Leitlinien zur Behandlung des Typ-1-Diabetes vorgelegt habe.

"Unsere Leitlinie richtet sich nicht nur an Ärzte und andere Berufsgruppen, die Menschen mit Typ-1-Diabetes betreuen", sagt DDG-Pressesprecher Professor Dr. med. Andreas Fritsche von der Medizinischen Universitätsklinik Tübingen: "Auch alle Menschen mit Typ-1-Diabetes gehören zu den Adressaten." Denn dem informierten, mündigen Patienten sollen letztlich die Leitlinien helfen.

Die intensivierte Insulintherapie habe den Patienten in den letzten Jahren viele Freiheiten zurückgegeben. Sie verpflichte sie aber auch zu regelmäßigen Blutzuckermessungen. Das Ziel ist eine langfristige Stabilisierung des Langzeitblutzuckers, so die DDG-Leitlinie. Angestrebt wird ein HbA1c-Wert von unter 7,5 Prozent. "Der langfristige Nutzen ist wissenschaftlich gut belegt, was sich in einem Empfehlungsgrad A ausdrückt, der höchsten Stufe einer evidenzbasierten Medizin", erläutert Professor Fritsche.

Zur Empfehlung gehöre aber auch, dass Ärzte den HbA1c-Zielwert nicht rigoros vorgeben, sondern individuell mit dem Patienten vereinbaren. "Die Studien haben gezeigt, dass mit zu niedrigen HbA1c-Werten das Risiko von schweren Unterzuckerungen steigt", erklärt Professor Fritsche. Symptome einer Unterzuckerung sind Schweißausbrüche, Schwäche oder Herzklopfen. Hinzu kommen Seh- und Sprachstörungen, Angst und Heißhunger. Dies kann bis zur Bewusstlosigkeit und Krampfanfällen führen. Die Leitlinie der Deutschen Diabetes Gesellschaft zählt die konsequente Vermeidung von Hypoglykämien zu den wichtigsten Zielen der Therapie. Studien belegen, dass die individuelle Einstellung des HbA1c-Werts den Patienten hilft, diese Komplikation frühzeitig wahrzunehmen und durch die rechtzeitige Einnahme von Zucker zu vermeiden.

"Wir berücksichtigen heute mehr denn je die Bedürfnisse unserer Patienten und loten mit ihnen gemeinsam die Möglichkeiten aus, die vorgeschlagene Therapie auch umzusetzen", sagt Professor Fritsche. Die Leitlinie ist dabei eine wichtige Informationsquelle. Vorgestellt werden nicht nur die verschiedenen Insulinarten und ihre Anwendung. Ernährung, psychosoziale Betreuung und die Behandlung in Sondersituationen wie Operationen oder auf Reisen sind Gegenstand auf den 50 Seiten der Publikation.

Literatur: B. O. Böhm, M. Dreyer, A. Fritsche, M. Füchtenbusch, S. Gölz, S. Martin: Therapie des Typ-1-Diabetes. Diabetologie 2012; 7: 33–83.

Bildunterschrift: Prof. Dr. med. Monika Kellerer
Bildquelle: Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG)

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zuletzt bearbeitet: 20.03.2012 nach oben

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