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Versorgungsrealität von Diabetikern in Deutschland

Milliardenüberschüsse der Kassen an Diabetes-Patienten weitergeben

Leistungskürzungen der Kassen, private Zusatzversicherungen, die extra kosten und die chronisch Kranke zum Teil gar nicht aufnehmen, Individuelle Gesundheitsleistungen (IGeL), die von den Patienten selbst gezahlt werden müssen. So sieht die Versorgungsrealität vieler Diabetiker aus. Von ihrer Rotstift-Politik profitieren jetzt die gesetzlichen Krankenkassen, die Milliardenüberschüsse angehäuft haben. Der Deutsche Diabetiker Bund (DDB) fordert, die Extra-Milliarden an die Patienten weiterzugeben.

"Der Leistungskatalog wurde in den letzten Jahren immer mehr eingeschränkt, vor allem im Diabetesbereich", sagt der DDB-Bundesvorsitzende Dieter Möhler. "Warum gibt es keine Auszahlung an die Patienten?" Die gesetzlichen Kassen haben sich ein stattliches Polster von fast 20 Milliarden Euro zugelegt. Sie verfügen zum einen über Finanzreserven von rund 10 Milliarden Euro. Zum anderen befinden sich etwa 9,5 Milliarden Euro im Gesundheitsfonds. Im vergangenen Jahr erzielten sie einen Überschuss von vier Milliarden Euro.

Nach BMG-Angaben sanken 2011 die Ausgaben für Arzneimittel in der GKV auf knapp 31 Milliarden Euro, was einen Ausgabenrückgang pro Versicherten um vier Prozent bedeutet. Hierfür sind nach Meinung des DDB nicht nur die Einsparungen bei den Medikamenten, sondern auch die Leistungskürzungen beim Patienten direkt verantwortlich. "Wir haben den Eindruck, dass die Versorgung des Patienten mittlerweile den nach wissenschaftlichen Erkenntnissen gebotenen Mindeststandard unterschreitet", so Möhler.

Geld für die Versorgung vorhanden

"Es geht um maßvollen Gesetzesvollzug. Die derzeitige rigide Verweigerungshaltung der Kassen gewährleistet die Lebensqualität chronisch Kranker nicht mehr", mahnt er an. Die Überschüsse könnten an dieser Stelle sinnvoll an die Patienten zurückgeführt werden. "Das Geld für die Versorgung der Patienten ist vorhanden." Viele Anspruchsberechtigte kämen inzwischen nur noch über den Klageweg an die notwendigen Therapien heran.

Möhler: "Die Kassen scheffeln Milliarden ohne Zweckbestimmung, die es aber in der Versorgung dringend geben muss, um chronisch Kranken möglichst weitgehend dem notwendigen Behinderungsausgleich zuzuführen. Der gesetzliche Anspruch auf moderne Hilfsmittel wird schon zu lange erschwert."

In diesem Zusammenhang kritisiert er auch das heutige IGeL-Marketing. "Viele solcher Leistungen sichern die Qualität der gesamten Therapie. Klammert man sie als IGeL aus, provoziert es Schaden beim Patienten, weil durch diese Leistungen die Therapie erst vollständig wird." Als Beispiel nennt er die Nachkontrollen beim Makulaödem, die im Leistungskatalog der Kassen fehlen. Eine solche Nachkontrolle kostet 40 Euro. Viele Patienten könnten sich es nicht leisten, diese Untersuchung aus eigener Tasche zu bezahlen, gibt Möhler zu bedenken.

zuletzt bearbeitet: 18.03.2012 nach oben

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