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Nationale Diabetes-Strategie gefordert

Pressemitteilung: Novo Nordisk Pharma GmbH

IGES-Gutachten konstatiert weiterhin Defizite bei Diabetes-Prävention und -Versorgung sowie das Fehlen einer fundierten Datenlage

Bei der Versorgung von Menschen mit Diabetes sind in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten Fortschritte gemacht worden. Es gibt aber weiterhin erhebliche Defizite und noch längst sind nicht alle der bereits 1989 in der St. Vincent-Deklaration formulierten Ziele erreicht worden. Zu diesem Ergebnis kommt ein unabhängiges wissenschaftliches Gutachten (Evidence-based Health Policy Review) des Berliner IGES Instituts zur Entwicklung der Diabetesversorgung im 21. Jahrhundert.

Das im Auftrag von Novo Nordisk erstellte Gutachten, dessen Ergebnisse jetzt im Rahmen einer Pressekonferenz in Berlin vorgestellt wurden, konstatiert insbesondere Defizite bei Diabetes-Prävention und -Versorgung sowie das Fehlen einer ausreichenden Datenlage als Basis gesundheitspolitischer Entscheidungen zur Verbesserung der Diabetes-Versorgung in Deutschland. Notwendig hierzu wäre eine systematische Analyse und umfassende Bewertung mittels Versorgungsforschungsstudien und Health Technology Assessment (HTA). Auch die Entwicklung einer Lebensstilbezogenen Primärpräventionsstrategie für Typ-2-Diabetes wird angemahnt bei der Erstellung und Umsetzung eines Handlungsplans im Sinne einer nationalen Diabetes-Strategie.

Häufigere Nierenkontrolle und sinkende Sterblichkeit durch Herz-Kreislauf-Erkrankungen

Fortschritte hat es entsprechend des IGES-Gutachtens bei Kontrolluntersuchungen der Nierenfunktion gegeben, die insgesamt häufiger durchgeführt werden als in früheren Jahren. Die Neuerblindungsrate hat stark abgenommen.

Das Gutachten merkt ferner positiv Hinweise auf eine rückläufige Tendenz bei der Häufigkeit und Mortalität von Schlaganfällen und bei der Sterblichkeit infolge eines Herzinfarktes insgesamt und somit auch bei Menschen mit Diabetes an. Allerdings hat es bei der Häufigkeit stationärer Behandlungsfälle wegen eines Myokardinfarktes in den vergangenen Jahren fast keine Veränderung gegeben und die bevölkerungsweite Zahl an Hypertonikern scheint sogar zuzunehmen. Außerdem ist, laut Gutachten, insgesamt eine Zunahme der Zahl durch eine chronische Niereninsuffizienz Verstorbener zu konstatieren, die auch bei Menschen mit Diabetes zu beobachten sein dürfte.

Ziele der St. Vincent-Deklaration immer noch nicht erreicht

Wesentliche patientenrelevante Ziele der St. Vincent-Deklaration[*] wurden jedoch, so das ernüchternde Resultat des Gutachtens, nicht erreicht: "Mehr als 20 Jahre nach St. Vincent scheint man weit entfernt von dem Ziel, die Zahl der Patienten mit terminaler Niereninsuffizienz um ein Drittel oder mehr zu reduzieren", so Hans-Holger Bleß, Bereichsleiter Versorgungsforschung beim IGES Institut. "Auch die Rate an Amputationen konnte nach derzeitiger Datenlage nicht halbiert werden." Einzig für das Ziel einer Senkung der Neuerblindungsrate um 30 % gibt es zumindest Hinweise für eine Zielerreichung.

Vorteile bei Teilnahme am Disease Management Programm

Hervorgehoben wird, dass die Etablierung der Disease Management Programme (DMP) zu Typ-1 und Typ-2-Diabetes in einigen Bereichen Vorteile gezeigt hat. Als Beispiele hierfür führt das Gutachten an, dass bei DMP-Teilnahme der Risikofaktor Rauchen reduziert werden kann, dass mehr Betroffene an Patientenschulungen teilnehmen, dass DMP-Teilnehmer häufiger leitliniengerecht mit Antidiabetika behandelt werden, ihr Blutzucker wie auch ihr Fettstoffwechsel häufiger ärztlich kontrolliert werden. Außerdem führen die Patienten öfter Selbstkontrollen des Blutdrucks durch, erhalten häufiger Antihypertensiva und erreichen eher die Blutdruck-Zielwerte. Auch erfolgen bei den DMP-Teilnehmern regelmäßiger Augenuntersuchungen und es gibt Hinweise auf eine allgemein geringere Mortalität gegenüber nichteingeschriebenen Patienten. Menschen mit Diabetes im DMP gelingt es, ihr Gewicht und ihren HbA1c-Wert trotz fortschreitender Erkrankung zu halten.

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Datenlage zu patientenrelevanten Endpunkt-Zielen unzureichend

Auffällig aber ist, so wird betont, dass die Evaluation der DMP zwar einerseits eine positive Entwicklung bei konkreten Prozessen, Maßnahmen und Surrogat- Parametern beschreibt, andererseits aber bei den übergeordneten patientenrelevanten Endpunkten nach wie vor keinen Erfolg aufzeigt. Insbesondere die Frage, ob Folgekomplikationen des Diabetes wie Neuropathie, Amputation, Erblindung, terminale Niereninsuffizienz und kardiovaskuläre Ereignisse durch die DMP-Teilnahme verhindert werden, lässt sich auch zehn Jahre nach Einführung des Programms nicht beantworten. Die DMP-Evaluationen, bei denen eine Vergleichsgruppe gebildet wurde, kommen zu widersprüchlichen Ergebnissen.

Noch erheblicher Handlungsbedarf

Das Gutachten leitet vor dem Hintergrund der ermittelten Ist-Situation einen deutlichen Handlungsbedarf ab. Bisher fehlt eine nationale, Lebensstilbezogene und wirksame Präventionsstrategie, um die weitere Prävalenzzunahme zu verhindern. Maßnahmen zur Versorgung bereits Erkrankter müssen hinsichtlich ihres Wirkpotenzials und des Kosten-Nutzen-Verhältnisses umfassend geprüft und bei Bedarf angepasst werden. "Wir brauchen insbesondere die Verständigung auf ein umfassendes, erreichbares und überprüfbares nationales Zielsystem mit konkreten Umsetzungsmaßnahmen und integriertem Evaluationskonzept", so Bleß.

Dem pflichtet in Berlin Dr. Eva-Maria Fach, 1. Vorsitzende des Bundesverbandes der niedergelassenen Diabetologen (BVND e.V.) bei: "Wir brauchen einen Nationalen Diabetes-Plan, um langfristig eine Verbesserung der Diabetes-Versorgung hierzulande sicherzustellen."

* Im Jahr 1989 trafen sich im italienischen St. Vincent Diabetes-Experten, Vertreter von Patientenorganisationen und von Gesundheitsministerien der europäischen Länder. Unter der Schirmherrschaft von Weltgesundheitsorganisation (WHO) und der International Diabetes Federation (IDF) verabschiedeten sie Ziele zur Prävention von Diabetes und zur Vermeidung von Folgeerkrankungen, die innerhalb von fünf Jahren, also bis 1994, in allen europäischen Ländern umgesetzt werden sollten.

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zuletzt bearbeitet: 07.03.2012 nach oben

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