Das unabhängige Diabetes-Portal DiabSite

Home > Aktuelles > Diabetes-Nachrichten > Archive > 2011 > 110919d

Fokus Diabetes: Der nächste Schritt zur Optimierung der Diabetesversorgung

Individualisierte Diabetestherapie erfordert strukturierten und integrierten Ansatz

Ergebnisse der DECIDE-Studie
Zum Vergrößern bitte auf das Bild klicken.
Diabetes ist auf dem Vormarsch: Weltweit sind mehr als 285 Millionen Menschen von der chronischen Stoffwechselstörung betroffen - über sechs Prozent der erwachsenen Bevölkerung. Experten gehen davon aus, dass diese Zahlen in naher Zukunft weiter steigen werden. Eine gewaltige Herausforderung, sowohl für die Gesundheitssysteme als auch die Betroffenen und ihre medizinischen Betreuer.

International anerkannte Experten aus Wissenschaft, Politik, Krankenversicherungen und Patientenverbänden diskutierten auf dem von Roche Diabetes Care geförderten wissenschaftlichen Mediensymposium "Focus Diabetes: Patients. Perspectives. Progress." anlässlich der 47. Jahrestagung der European Association for the Study of Diabetes (EASD) in Lissabon über neue Konzepte für den "nächsten Schritt zur Optimierung der Diabetesversorgung - Anforderungen und Lösungen für ein effektives Fallmanagement".

Diabetes ist – wie viele andere chronische Erkrankungen auch - komplex und schwer zu behandeln, da das Leiden sehr häufig mit Spätfolgen verbunden ist und die betroffenen Patienten oft an mehreren Krankheiten leiden. Eine instabile Blutzuckereinstellung und insbesondere postprandiale Hyperglykämien gelten dabei als entscheidende Risikofaktoren für die Entwicklung von kurz- und langfristigen Komplikationen, wie etwa schweren hyperglykämischen Ereignissen, kardiovaskulären Erkrankungen wie z. B. Herzinfarkte oder Schlaganfälle, Neuropathien, Retinopathien oder Nierenerkrankungen. Nach Schätzungen der Internationalen Diabetes-Föderation (IDF) sterben rund 50 bis 80 Prozent aller Menschen mit Diabetes an kardiovaskulären Erkrankungen.[1]

Studienergebnisse bestätigen positiven Effekt des strukturierten Diabetes Managements

Neueste wissenschaftliche Erkenntnisse belegen, dass es wichtig ist, nicht nur den durchschnittlichen Blutzuckerspiegel, den der HbA1c-Wert angibt, sondern auch die individuellen Blutzuckerverläufe von Menschen mit Diabetes zu beachten, um die Blutzuckereinstellung insgesamt zu verbessern und Spätkomplikationen vorbeugen zu können. Die STeP (Structured Testing Protocol)-Studie hat deutlich gezeigt, dass ein strukturiertes Diabetes Management mit 7-Punkte-Tagesprofilen, Analyse der individuellen Verläufe und entsprechenden Therapieanpassungen zu weniger glykämischen Schwankungen sowie einem wesentlich niedrigeren HbA1c-Wert beitragen kann.[2]

"Es kann zudem eine überaus positive Wirkung auf andere wichtige kardiovaskuläre Biomarker haben", so Dr. Dr. Ildikó Amann-Zalán, Leiterin Medical Affairs EMEA/Lateinamerika bei Roche Diabetes Care. Subanalysen der STeP-Studie konnten zeigen, dass in der Gruppe mit strukturierter Blutzucker-Selbstkontrolle im Vergleich zur aktiven Kontrollgruppe (ACG) der hs-CRP-Wert[3] mit der Zeit signifikant abnahm. Zudem blieben die NT-proBNP-Werte[4] bei diesen Patienten stabil, während sie bei den Studienteilnehmern in der ACG-Gruppe stiegen.[5] "Alles in allem deuten diese Resultate auf eine vielversprechende potenzielle Reduktion des kardiovaskulären Risikos hin, wenn ein umfassendes Konzept des Diabetes Managements mit integrierter strukturierter Blutzucker-Selbstkontrolle angewandt wird", so Dr. Dr. Amann-Zalán.

Strukturiertes Diabetes Management unterstützt Arzt und Patienten

Diese klinischen Studien konnten außerdem zeigen, dass strukturiertes Diabetes Management mit visueller Aufbereitung der Daten und prägnanter Dokumentation der individuellen Blutzuckerprofile mit Hilfe des Accu-Chek 360° View Tools die betreuenden Ärzte darin unterstützen kann, ihre Patienten zu motivieren. Strukturiertes Diabetes Management kann so zu einer besseren Einhaltung der empfohlenen Therapie beitragen - eine der großen Herausforderungen für Hausärzte und Diabetologen in der täglichen Praxis. Mit der DECIDE-Studie, die sich an die STeP-Studie anschloss, konnte zudem gezeigt werden, dass die betreuenden Ärzte und medizinischen Fachkräfte aufgrund der strukturierten Blutzucker-Selbstkontrolle, ergänzt durch Schulung und ein softwarebasiertes, automatisiertes Entscheidungshilfe-System in der Lage waren, primäre Blutzuckerveränderungen noch effektiver zu erkennen und die notwendigen Anpassungen der Therapie vorzunehmen.[6]

Experten fordern Weiterentwicklung der Konzepte

"Bei Roche Diabetes Care setzen wir auf ein integriertes Konzept für das strukturierte Diabetes Management. Dabei entwickeln wir Lösungen, die leicht in die tägliche Routine integrierbar sind und die Patienten sowie ihre betreuenden Fachkräfte dabei unterstützen, optimale Therapieergebnisse zu erreichen", so Luc Vierstraete, Global Head Roche Diabetes Care. "Es gibt heute bereits zahlreiche effektive Hilfsmittel für das Diabetes Management. Viele davon werden jedoch noch nicht optimal in der täglichen Praxis eingesetzt. Oft konzentriert man sich fast ausschließlich auf den HbA1c-Wert, wo doch die wichtigen individuellen Blutzuckerverläufe genauso berücksichtigt werden sollten - was jedoch nicht immer der Fall ist."

Die Experten waren sich in den Diskussionen einig, dass sich dies ändern muss, damit die Diabetesversorgung weiter optimiert werden kann. Sie gelangten zu dem Schluss, dass gemeinsame Anstrengungen aller Beteiligten - Patientenorganisationen, Wissenschaftler, Politiker und Kostenträger - erforderlich sind, um die Eigenverantwortung der Patienten weiter zu stärken, die Konzepte des strukturierten Diabetes Managements weiterzuentwickeln und die vielversprechenden Ergebnisse der klinischen Studien in die Therapieleitlinien und die tägliche Praxis der Diabetesbehandlung einfließen zu lassen.

Quellen

  1. WHO-IDF Diabetes Action Now Booklet. 2004.

  2. Polonsky WH, Fisher L, Shikman CH, Hinnen DA, Parkin GC, Jelsovsky Z et al. Structured SMBG significantly reduces HbA1c levels in poorly-controlled, non-insulin treated type 2 Diabetes: Results from the STeP Study. Diabetes Care. 2011;34:262-267.

  3. CRP ist ein Protein, das bei Entzündungsvorgängen in hoher Konzentration im Blut nachweisbar ist. Geringfügig erhöhte Werte des Proteins gehen mit einem erhöhten kardiovaskulären Erkrankungsrisiko einher.

  4. NT-proBNP wird als Spaltprodukt eines Peptidhormons aus Herzmuskelzellen freigesetzt. Auch hier wurde ein enger Zusammenhang zwischen erhöhten NT-proBNP-Werten und dem Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen gezeigt.

  5. Schnell, Oliver. A collaborative intervention using structured self-monitoring of blood glucose shows a correlation between blood glucose control and markers of cardiovascular disease (CRP, NT-proBNP): results of the STeP study. Abstract presented at the Roche Diabetes Care Symposium "Optimizing Management in Metabolic Disease. InFocus: New Approaches for Treatment Support and Cardiovascular Risk Management in Diabetes" at the 47th Annual Meeting of the European Association for the study of diabetes (EASD) in Lisbon, September 12, 2011.

  6. Rodbard HW, Schnell O, Unger J, Edelman S, Rees C, Parkin C et al. Decision Support Tools dramatically improve clinicians' ability to interpret structured SMBG Data (DECIDE study). Abstract presented at American Diabetes Association (ADA) 71st Annual Scientific Sessions in San Diego, June 26, 2011.

Bildunterschrift: Ergebnisse der DECIDE-Studie
Bildquelle: Roche Diagnostics Deutschland GmbH

zuletzt bearbeitet: 19.09.2011 nach oben

Unterstützer der DiabSite:

Lasar Liepins

Lasar Liepins

Weitere Angebote:

Diabetes- und weitere Infos in Fremdsprachen

Angesichts der vielen Flüchtlinge zeigt DiabSite, wo es Diabetes- und weitere Gesundheitsinfos auf Arabisch, Persisch, Russisch etc. gibt.