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Niedriger sozialer Status begünstigt Übergewicht, Diabetes, Kreislauferkrankungen und Krebs

Pressemitteilung: Universitätsklinikum Jena

Versorgung kann soziale Gesundheitsnachteile ausgleichen

Eine aus sozialen Benachteiligungen resultierende schlechtere Gesundheit kann mit gezielten Behandlungsmaßnahmen verbessert werden. Dies belegt eine Studie der Jenaer Universitätsmediziner bei Diabetespatienten, die aktuell in "Diabetic Medicine", der Zeitschrift der britischen Diabetesgesellschaft, veröffentlicht wurde.

Menschen mit einem niedrigeren Sozialstatus sind kränker und sterben früher als die sozial besser gestellten. Dieses Ungleichgewicht belegen viele internationale Studien. Soziale Unterschiede hinsichtlich des Gesundheitszustands sind schon lange bekannt, vor allem bei Übergewicht, Kreislauferkrankungen, Krebs und Diabetes. "Wir wissen, dass der soziale Status Auswirkungen auf die Gesundheit haben, aber wir wissen nicht genau, warum dies so ist und was wir dagegen tun können", erklärt Prof. Ulrich Alfons Müller vom Universitätsklinikum Jena.

Der Diabetesexperte hat mit seinem Team in einer Studie untersucht, welche Auswirkungen der Sozialstatus auf die Gesundheit seiner Diabetespatienten hatte. Das Ergebnis: Während bei Behandlungsbeginn in der Diabetes-Ambulanz des Jenaer Uniklinikums Patienten mit niedrigerem Sozialstatus tatsächlich schlechtere Werte aufwiesen, waren diese Unterschiede nach einer durchschnittlich sechs Jahre dauernden Behandlung verschwunden, wie die UKJ-Wissenschaftler jetzt in der englischen Fachzeitschrift "Diabetic Medicine" berichten.

"Damit haben wir erstmals gezeigt, dass gesundheitliche Nachteile durch Sozialunterschiede nicht schicksalsbedingt sind, sondern durch ein geeignetes Behandlungssystem ausgeglichen werden können", sagt Prof. Müller. "Unser Behandlungssystem am Universitätsklinikum in Jena scheint diese Aufgabe zu leisten."

Für die Jenaer Studie wurden im Jahr 2008 der Sozialstatus und die Behandlungsqualität von 940 Patienten mit Diabetes Typ 1 und Typ 2 erfasst und verglichen. Dabei wurde der soziale Status in einer Befragung anhand der Messwerte "Bildungsabschluss", "Nettohaushaltseinkommen" und "berufliche Stellung" bestimmt. Als Parameter für die Behandlungsqualität und damit den Gesundheitszustand untersuchten die Forscher den Langzeitblutzuckerwert, das sogenannte HbA1c, den Body-Mass-Index sowie den Blutdruck. Alle diese Faktoren gelten bei Diabetikern als Risiko für einen schlechteren Krankheitsverlauf sowie spätere Komplikationen und Folgeerkrankungen. Verglichen wurden die Werte bei Behandlungsbeginn am Universitätsklinikum sowie beim letzten Besuch in der Poliklinik für Endokrinologie und Stoffwechselerkrankungen der Klinik für Innere Medizin III nach durchschnittlich sechs Jahren.

"Bei ihrem ersten Besuch bei uns hatten Patienten mit einem niedrigeren Sozialstatus signifikant höhere und damit schlechtere HbA1c-Werte", erläutert Müller. "Bei ihrem letzten Termin nach jahrelanger Betreuung gab es diese Differenz nicht mehr."

Ein hoher Langzeitblutzuckerwert führt in der Regel zu Folgeerkrankungen wie Augenschäden, Durchblutungsstörungen und Nierenversagen. Damit sinkt auch die Lebenserwartung der Patienten. "Das in unserer Betreuung, zu der strukturierte Behandlungs- und Schulungsprogramme und eine intensive ambulante Langzeitbegleitung gehören, diese Werte sich soweit verbessert haben, war für uns ein äußerst ermutigendes Signal", so Müller.

Originalpublikation:
Bäz L, Müller N, Beluchin E, Lehmann Th, Kloos Ch, Wolf G, Müller UA, (2011): Differences in the quality of diabetes care caused by social ineqaulities disappear after treatment and education in a tertiary care center. Diabetic Medicine 2011, published ahead of print Sep 14. doi: 10.1111/j.1464-5491.2011.03455.x.

Diese Pressemitteilung wurde über den - idw - versandt.

zuletzt bearbeitet: 19.09.2011 nach oben

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