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Adipositas-Chirurgie im Kindes- und Jugendalter

Abstract zum Vortrag von Professor Dr. med. Holger Till im Rahmen der Vorab-Pressekonferenz zur 46. Jahrestagung der Deutschen Diabetes-Gesellschaft (DDG) am 25. Mai 2011 in Leipzig.

Chirurgische Optionen müssen auch bei jungen Typ-2-Diabetikern diskutiert werden

Professor Dr. med. Holger Till Die erfolgreiche Behandlung von Kindern und Jugendlichen mit morbider Adipositas stellt eine der größten medizinischen Herausforderungen unserer Zeit dar, weil die Zahl der Kinder mit einem manifesten Typ-2-Diabetes mellitus (!) in den letzten 20 Jahren um das Zehnfache zugenommen hat (Gelbrich/Kiess. Horm Res 2008). Etwa 25 Prozent aller übergewichtigen Kinder zeigen heute eine bereits gestörte Glucosetoleranz und circa vier Prozent aller adipösen Kinder und Jugendlichen leiden an einem manifesten Diabetes mellitus Typ 2 (Sinha R et al., N Eng J Med 2002).

Da konservative Therapien (zum Beispiel professionelle Lebensstil-Interventionen) meist nicht zu einem langfristigen Erfolg führen (Field AE. Pediatrics 2003), müssen chirurgische Optionen auch bei Jugendlichen diskutiert werden. Jedenfalls konnte die Adipositas-Chirurgie bei Erwachsenen eine deutliche Reduktion der Ko-Morbiditäten und Verringerung der Sterblichkeit über mehr als zehn Jahre erreichen (Sjoestroem. NEJM 2007).

Allerdings liegen bisher nur wenige Daten zur Adipositas-Chirurgie im Kindes- und Jugendalter vor und die optimale Operationsmethode ist keinesfalls identifiziert. Bisher zeigen sowohl die amerikanischen Erfahrungen mit einem Roux-Y-Magenbypass (RYGB) als auch die eigenen Ergebnisse mit einer laparoskopischen Schlauchmagenresektion (Till H. Obes Facts 2009), dass nicht nur das Körpergewicht nachhaltig sinkt, sondern auch die Ko-Morbiditäten wie etwa die gestörte Glucosetoleranz oder der manifeste DMT2 deutlich gebessert werden.

Somit sollte die Indikation zur bariatrischen Chirurgie im Jugendalter zwar sehr strengen Indikationen folgen und nur von einem interdisziplinären Team betrieben werden, sie darf aber adipösen Jugendlichen mit manifestem Diabetes mellitus Typ 2 andererseits auch nicht vorenthalten werden.

Bildunterschrift: Professor Dr. med. Holger Till, Direktor der Klinik und Poliklinik für Kinderchirurgie, Universitätsklinikum Leipzig.
Bildquelle: Deutsche Diabetes-Gesellschaft

zuletzt bearbeitet: 25.05.2011 nach oben

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