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Phytosterol: (K)eine Herzensangelegenheit?

Nutzen "natürlicher Cholesterinsenker" nicht belegt

Mit Phytosterolen angereicherte Margarinen oder Milchprodukte helfen nachgewiesener Weise einen erhöhten Cholesterinspiegel zu senken. Ob diese Produkte vorbeugend auf die Entstehung von Herzinfarkt und Schlaganfall wirken oder diesen Prozess nicht sogar begünstigen, ist nach der derzeitigen Studienlage noch unklar.

Einen erhöhten Cholesterinspiegel zu senken kann Werbeaussagen zufolge so einfach sein: täglich zu einem phytosterolangereicherten Trinkjoghurt greifen oder sich "cholesterinsenkende" Margarine aufs Brot schmieren. Studien belegten zwar, dass eine tägliche Aufnahme von bis zu zwei Gramm der Pflanzensterole tatsächliche einen erhöhten Cholesterinwert verringern. Ob diese tatsächlich helfen, Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Herzinfarkt oder Schlaganfall zu vermeiden, sei nicht bewiesen, meint der Kardiologe Doktor Oliver Weingärtner auf der diesjährigen Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie - Herz- und Kreislaufforschung (DGK).

Pflanzliche Sterole, die sogenannten Phytosterole, sind chemisch mit dem Cholesterin tierischer Lebensmitteln verwandt und konkurrieren mit diesem im menschlichen Darm um die Aufnahme. Bei einer phytosterolreichen Ernährung gelangt folglich weniger Cholesterin in den Körper, wodurch Studien zufolge ein erhöhter Cholesterinspiegel sinkt. Dieser Zusammenhang war Grund genug, die pflanzlichen Sterole in Lebensmitteln künstlich anzureichern und als "natürliche Cholesterinsenker" anzupreisen. Neben dem fehlenden Beweis für deren Nutzen für die Herzgesundheit, ist laut Weingärtner bislang auch unklar, ob solche Produkte nicht sogar negative Effekte im menschlichen Organismus hervorrufen.

Bereits 2009 stellte der Kardiologe in einem Übersichtsartikel heraus, dass verschiedene Studien einen Zusammenhang zwischen hohen Phytosterolspiegeln im Blut und einem erhöhten Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen aufzeigen. In Mäusen ließen sich nach der Fütterung mit Pflanzensterolen Gehirnschäden und arteriosklerotische Gefäßveränderungen nachweisen. Entsprechende Ablagerungen fanden sich auch im Herzgewebe bei Patienten mit Herzproblemen, die nach eigenen Angaben über einen Zeitraum von mindestens 2 Jahren phytosterolangereicherte Margarine aßen.[*] Derartige Gefäßveränderungen begünstigen auf Dauer das Austreten von Herzinfarkten und Schlaganfällen. Fördern phytosterolangereicherte Produkte die Erkrankungen, denen sie angeblich als Präventivmaßnahme entgegen wirken sollen?

Wer auf die angereicherten Lebensmittel dennoch nicht verzichten möchte, sollte nach Möglichkeit nur ein Produkt verwenden, um eine unnötig hohe Aufnahme zu vermeiden. Wichtiger als der Verzehr teurer Spezialerzeugnisse, ist für Menschen mit erhöhtem Cholesterinspiegel viel ballaststoffreiches Obst und Gemüse sowie Fisch und Pflanzenöle, die reich an Omega-3-Fettsäuren sind, in ihr Tagesmenü zu integrieren. Genauere Ernährungsempfehlungen bietet die Broschüre "Was tun bei hohen Cholesterinwerten?", die ab sofort für 4,40 Euro zuzüglich Versandkosten im Medienshop unter www.fet-ev.eu und unter info@fet-ev.eu erhältlich ist.

Quelle: Weingärtner O et al.: Controversial role of plant sterol esters in the management of hypercholesterolaemia. Eur Heart J; 30(4):404-9: 2009

zuletzt bearbeitet: 07.05.2011 nach oben

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