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Inseltransplantation bei Typ-1-Diabetes

Die Transplantationsmedizin ist ein Schwerpunktthema auf dem 128. Chirurgenkongress in München

Weltweit wird an Therapien für die bisher unheilbare Stoffwechselerkrankung Diabetes mellitus Typ 1 geforscht. Ein chirurgischer Ansatz ist es, Insulin produzierende Zellen in die Leber zu implantieren. Diese, in Deutschland sehr selten durchgeführte Inseltransplantation, ist eine Option für Typ-1-Diabetiker, die trotz optimalen Diabetesmanagements unter schweren Komplikationen, insbesondere Unterzuckerungen, leiden. Weitere Forschungsarbeit soll es ermöglichen, zukünftig Stammzellen oder gentechnologisch veränderte Zellen einzusetzen. Aktuelle Erkenntnisse in der Transplantationsmedizin sind Schwerpunktthema des 128. Chirurgenkongresses vom 3. bis 6. Mai 2011 in München.

Die heutige Diabetes-Therapie hat Lebensdauer und Lebensqualität von Typ-1-Diabetikern entscheidend verbessert. Alternative Therapieansätze müssen sich an diesem hohen Standard messen. Allerdings ist es mit der herkömmlichen Diabetes-Behandlung nicht möglich, die Stoffwechselerkrankung zu heilen. Und es gibt Typ-1-Diabetiker, bei denen es trotz aller Anstrengungen nicht gelingt, stark schwankende Blutzuckerwerte zu stabilisieren oder schwere Komplikationen des Diabetes wie Unterzuckerungen zu vermeiden. Dies könnte zukünftig vermehrt mit chirurgischen Therapien möglich sein.

Einer der Ansätze ist, aus der Bauchspeicheldrüse eines Organspenders Insulin produzierende Langerhans Inseln zu gewinnen und diese Zellen isoliert zu transplantieren. Dabei wird das aufbereitete Gewebe wird über einen Katheter in die Pfortader der Leber eingeschwemmt. Die Inseln siedeln sich dann als "Mini-Organ" in der Leber an und produzieren Insulin. "Einer der Vorteile ist, dass die Inseltransplantation als minimal invasives Verfahren wesentlich weniger Operationsrisiken hat, als beispielsweise eine Pankreastransplantation", meint Professor Dr. med. Hans-Detlev Saeger vom Universitätsklinikum Carl Gustav Carus in Dresden. Allerdings ist auch bei dieser Therapieform eine lebenslange Immunsuppression notwendig und die implantierten Zellen produzieren meist nicht ausreichend Insulin, um eine komplette Heilung zu erzielen.

Die Behandlung wird in Dresden deshalb nur bei Diabetikern durchgeführt, die trotz optimalen Diabetesmanagements unter sehr rasch und sehr stark schwankenden Blutzuckerwerten, einer Hypoglykämie-Wahrnehmungsstörung oder sonstigen schweren Komplikationen leiden. Bei ihnen gelingt durch die Inseltransplantation in den meisten Fällen eine erhebliche Stabilisierung des Stoffwechsels und eine enorme Verbesserung der Lebensqualität.

Das Universitätsklinikum Carl Gustav Carus in Dresden hat derzeit in Deutschland das einzige aktive Inseltransplantationsprogramm. Seit dem Jahr 2008 wurden mit dem Verfahren sechs Typ-1-Diabetiker behandelt. Weltweit nimmt allerdings über die letzten Jahre die Zahl der Inseltransplantationen stetig zu: Insgesamt wurden seit 1999 knapp 1.000 durchgeführt, rund 400 davon in den letzten beiden Jahren. Weitere Aktivitäten in der Forschung sollen das Verfahren verbessern und einer größeren Anzahl von Patienten zugänglich machen. Ein limitierender Faktor ist bisher die begrenzte Anzahl von menschlichen Organspenden. Alternative Quellen für die biologische Insulinersatztherapie könnten zukünftig Stammzellen, gentechnologisch modifizierte Zellen oder die Zellen von Tieren sein.

Die Transplantation von Zellen, Geweben und Organen ist ein Schwerpunktthema des 128. Chirurgenkongresses. Aus allen chirurgischen Fachbereichen informieren Experten am 4. Mai 2011 in München über aktuelle Erkenntnisse aus der Forschung und neue Techniken, die chirurgische Verfahren optimieren können. Abschließen wird das wissenschaftliche Programm eine Podiumsdiskussion "Perspektiven: Wo steht die Transplantation in 10 Jahren?"

Diese Pressemitteilung wurde über den - idw - versandt.

zuletzt bearbeitet: 30.04.2011 nach oben

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