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Komplexe Erkrankungen - Entschlüsseln und therapieren

7. Internationales Symposium "Forum Life Science 2011"

Das Themenspektrum reicht von "Ganzheitliche Betrachtung biologischer Systeme" über "Neue Wirkstoffe zur Behandlung komplexer Erkrankungen" bis hin zu "Stammzellen zur Modellierung und Therapie von Krankheiten".

Komplexe Erkrankungen sind häufig das Ergebnis aus dem Zusammenspiel von Genetik, Lifestyle und Umwelt. Hierzu zählen Erkrankungen, z. B. des Herz-Kreislauf-Systems und des Stoffwechsels, Krebs, Diabetes oder degenerative Erkrankungen des Nervensystems. Allein für Diabetes prognostiziert die Weltgesundheitsbehörde eine weltweite Zunahme auf über 360 Millionen Betroffene im Jahr 2030; dies entspricht mehr als einer Verdoppelung zum Jahr 2000. Der Bedarf für neue Therapien ist immens.

Dies erfordert zielgerichtete Zusammenarbeit zahlreicher Partner über die gesamte Wertschöpfungskette von der wissenschaftlichen Entschlüsselung biologischer Vorgänge über die Entwicklung anwendbarer Technologien und Verfahren bis hin zur Realisierung innovativer Produkte und Therapien.

Bayerns Wirtschaftsminister Martin Zeil: "Bayern ist deutschlandweit führend in den Life Sciences. Das gilt insbesondere für den Einsatz biotechnologischer Verfahren bei der Entwicklung neuartiger, sehr spezifischer Wirkstoffe für Diagnostik und Therapie. Hierfür spricht auch der jüngste Erfolg im BMBF-Spitzencluster-Wettbewerb. Denn Bayern verfügt über zahlreiche Institute und Forschungseinrichtungen, Gründerzentren und Start-ups, mittelständische Firmen sowie globale Unternehmen in diesem Bereich. Die Anwendung der Biowissenschaft in der Wirtschaft ermöglicht also gerade auch im Pharmabereich eine Vielzahl neuartiger Produkte zum Wohle der Menschen."

Beim 7. Internationalen Kongress "Forum Life Science" am 23./24. März 2011 an der Technischen Universität München in Garching werden in der Reihe "Pharma Development" Strategien und Ansätze für die Wirkstoffentwicklung, Personalisierte Medizin und regenerative Therapien erörtert - gewonnen auf der Basis neuester biowissenschaftlicher Erkenntnisse.

Biologische Zusammenhänge ganzheitlich verstehen

Die Entwicklung von Therapien bisher schwer behandelbarer, vor allem komplexer chronischer Erkrankungen, ist eines der vorrangigen Ziele der Pharmaforschung. Dabei rückt die wissenschaftliche Arbeit in den Vordergrund, um weitere Erkenntnisse zu gewinnen, wie Dr. Corinna Barz vom Helmholtz-Zentrum München darstellen wird.

Insbesondere therapeutische Möglichkeiten aus der gesamtheitlichen Betrachtung komplexer Krankheiten sind von großem Interesse. Dies zeigt Prof. Jochen Maas, Geschäftsführer Forschung & Entwicklung bei Sanofi-Aventis, am Beispiel Diabetes. Prof. Christoph Klein, Ärztlicher Direktor am Dr. von Haunerschen Kinderspital an der Ludwig-Maximilians-Universität München, geht auf die umfassende Untersuchung humaner Gendefekte bei seltenen Krankheiten ein. Daraus können künftig Zielstrukturen für neue therapeutische Ansätze identifiziert werden. Systembiologie wird zukünftig noch in vielen Bereichen eine entscheidende Rolle spielen. Prof. Patrick Cramer, Direktor des Genzentrums der LMU, widmet sich diesem Thema in seinem Vortrag.

Neue Möglichkeiten durch Stammzellen nutzen

Stammzellen bieten grundlegend neue Ansätze, künftig pathogene Veränderungen auf molekularer Ebene zu untersuchen - und somit auch innovative Therapien für Krankheiten zu entwickeln, die momentan nur unzureichend oder gar nicht behandelbar sind. Denn aus Stammzellen lassen sich gezielt Zellen generieren, die Eigenschaften bestimmter Krankheiten aufweisen; sie können damit als Modelle für Untersuchungen des Krankheitsverlaufs dienen.

Prof. Nissim Benvenisty, Direktor der Stammzellforschung an der Hebrew Universität in Jerusalem, erzeugte Stammzellen, die Charakteristika des sogenannten Fragilen-X-Syndrom (einer der häufigsten Ursachen erblicher kognitiver Behinderung) aufweisen. Mit Hilfe der generierten Stammzellen konnten die Wissenschaftler erste pathogene Veränderungen aufdecken und den Krankheitsverlauf beobachten. Die wissenschaftlichen Erkenntnisse waren Grundlage für klinische Studien mit neuen Wirkstoffkandidaten zur Behandlung von Patienten mit dem Fragilen-X-Syndrom.

Der zweite Schwerpunkt für Stammzellen liegt in der Zelltherapie, also in der Transplantation der Zellen. Das Potenzial aus Sicht der Pharmaindustrie erörtert Prof. Ralf Huss, Vice President Pharma Research & Early Development bei Roche in Penzberg. Der Einsatz therapeutischer Stammzellen wird von zwei Seiten beleuchtet werden: zum einen aus Sicht der GMP-konformen Produktion und Herstellungserlaubnis für Zelltherapeutika (Dr. Christine Günther, Geschäftsführerin der Apceth GmbH & Co. KG), zum anderen aus Sicht der Wissenschaft am Beispiel der Erzeugung Insulin-produzierender Zellen (Dr. Insa Schröder von der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg).

Perspektiven für die ursächliche Behandlung neurodegenerativer Krankheiten

Eine der größten Herausforderung ist, komplexe Erkrankungen nicht nur symptomatisch, sondern ursächlich zu behandeln. Insbesondere mit einer alternden Bevölkerung werden neurodegenerative Krankheiten wie Alzheimer oder Morbus Parkinson zunehmen. Eine der fesselndsten neurowissenschaftlichen Fragestellungen ist es, im Patienten befindliche, ruhende Stammzellen zur Proliferation und Differenzierung in gewünschte Zelltypen anzuregen. Im Falle von Morbus Parkinson könnten beispielsweise Stammzellen des Zentralen Nervensystems Neuronen ersetzen, die infolge der Krankheit vermindert sind.

Prof. Jürgen Winkler vom Universitätsklinikum Erlangen und Sprecher des Forschungsverbandes ForNeuroCell beschäftigt sich mit dieser Fragestellung. Von besonderem Interesse ist die Untersuchung der Stammzellnischen, also der Mikroumgebung; sie kann stimulatorische, aber auch inhibitorische Auswirkungen auf die Proliferation und Differenzierung endogener Stammzellen haben.

Die Themenreihe "Pharma Development" präsentiert anhand von Beispielen weitere neue Ansätze zur Adressierung von Targets sowie für personalisierte Medizin. In diesem Zusammenhang werden auch die geplanten Projekte des im BMBF-Wettbewerb erfolgreichen Bayerischen Spitzenclusters "m4 - Eine neue Dimension der Medikamentenentwicklung" vorgestellt.

Der Kongress

Über 60 Referenten aus 12 Ländern konnten gewonnen werden. Erwartet werden rund 1.000 Teilnehmer aus 20 Ländern aus Europa, Nord- und Südamerika, Afrika und Asien.

Über 100 Aussteller haben sich angemeldet; die Ausstellung ist damit ausgebucht. Zusätzlich werden in mehr als 50 Posterbeiträgen neueste wissenschaftliche Ergebnisse präsentiert.

Auch in den Reihen "Food & Nutrition" und "Industrial Biotechnology" werden für den Pharmasektor relevante Themen behandelt. Inhalte sind beispielsweise die Wechselwirkung von Ernährung und Gesundheit, Health Claims von Produkten oder Prozesse zur Aufreinigung von Biopharmazeutika.

Der alle zwei Jahre stattfindende, internationale Kongress vermittelt Information über neueste Entwicklungen aus Wirtschaft und Wissenschaft und ermöglicht den aktiven Austausch von Erfahrungen. Daraus lassen sich gezielt neue interdisziplinäre Kooperationen anbahnen - für die nächste Generation innovativer Produkte in den Life Sciences. Zielgruppen sind Experten und Anwender der Biotech-, Chemie-, Pharma-, und Lebensmittelindustrie sowie der Agrarwirtschaft, der Analytik, des Anlagenbaus und der Verfahrenstechnik.

Der Kongress wird von der Bayern Innovativ GmbH, Gesellschaft für Innovation und Wissenstransfer des Freistaates, konzipiert und organisiert und durch das Bayerische Staatsministerium für Wirtschaft, Infrastruktur, Verkehr und Technologie gefördert. Er unterstützt in besonderer Weise die Cluster-Offensive mit den bayernweiten Clustern Biotechnologie, Ernährung, Chemie und Medizintechnik.

Weitere Informationen: http://www.bayern-innovativ.de/fls2011 - vollständiges Programm und weitere Informationen zum Kongress.

Diese Pressemitteilung wurde über den - idw - versandt.

zuletzt bearbeitet: 11.03.2011 nach oben

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