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Warnung vor neuen Diabetes-Medikamenten zurückgezogen

Pressemitteilung: Diabetes-Portal DiabSite

Diabetiker sollten ihre Arzneimittel auf keinen Fall eigenständig absetzen

Am vergangenen Freitag warnte die Deutsche Diabetes-Gesellschaft (DDG) vor der Therapie mit sogenannten "inkretin-basierten Wirkstoffen wie DDP4-Hemmer (zum Beispiel Sitagliptin) oder GLP-1-Analoga (zum Beispiel Exenatide)" (DiabSite berichtete). Da diese zu Bauchspeicheldrüsenentzündungen und sogar Bauchspeicheldrüsen- bzw. Schilddrüsenkrebs führen könnten, riet die Fachgesellschaft in einer Stellungnahme zum besonders Vorsichtigen Umgang mit diesen Medikamenten. Heute hat die DDG diese Empfehlung zurückgezogen, da die Studienlage unklar sei.

Seit einigen Jahren setzen Ärzte zur Behandlung des Typ-2-Diabetes auch Medikamente ein, die im Darm wirken. Die sogenannten GLP-1-Analoga werden unter die Haut gespritzt. Andere Medikamente hemmen den Abbau von GLP-1 und können als Tabletten eingenommen werden. Diese Medikamente führen weder zu den gefürchteten Unterzuckerungen, noch zu einer Gewichtszunahme.

Amerikanische Wissenschafter hatten aktuelle Zahlen aus der Datenbank der Amerikanischen Arzneimittelbehörde FDA für ihre Untersuchung genutzt und das zu spritzende GLP-1-Analogon Exenatide mit anderen, nicht inkretin-basierten Diabetes-Medikamenten verglichen. Das Ergebnis war ein sechsfach erhöhtes Risiko für Bauchspeicheldrüsenentzündungen und eine gesteigerte Anfälligkeit für Bauchspeicheldrüsen- und Schilddrüsenkrebs.

Eine neue, von der Industrie durchgeführte, Untersuchung widerspricht den bisherigen Studienergebnissen. Zudem sind Studien auf der Basis von Nebenwirkungsregistern oft nicht eindeutig und sie können vielfältig interpretiert werden wie DDG und Industrie betonen.

Die Deutsche Diabetes-Gesellschaft hat ihre Stellungnahme zu dieser Therapie aktualisiert und sieht bis zur endgültigen Klärung des Themas "keine Notwendigkeit" mehr, "das bisherige Verordnungsverhalten bei inkretin-basierten Wirkstoffen wie DDP4-Hemmern (zum Beispiel Sitagliptin) und GLP-1-Analoga (zum Beispiel Exenatide) zu ändern".

Menschen mit Diabetes Typ 2 sollten ihre Therapie auf keinen Fall eigenmächtig absetzen, sondern mit ihrem Arzt sprechen und die aktuellen Presseinformationen verfolgen.

Quellen

Auch die Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie hatte eine Nachricht zum Thema veröffentlicht, die allerdings nicht mehr erreichbar ist.

Autor: hu; zuletzt bearbeitet: 08.03.2011 nach oben

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