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Hypoglykämien bei Typ-2-Diabetes

Abstract zum Vortrag von Prof. Dr. med. Monika Kellerer im Rahmen der Pressekonferenz zur 4. DDG-Herbsttagung am 04.11.2010 in Berlin.

Gefährliche Folgen von Unterzuckerungen

Prof. Dr. med. habil. Monika Kellerer Hypoglykämien bedeuten für Diabetiker oftmals große Einschränkungen in ihrem Alltag und stellen ein nicht unwesentliches Hindernis für eine optimale Blutzuckereinstellung dar. Kommt es häufiger zu Unterzuckerungen und besteht der Diabetes mellitus schon längere Zeit, kommt erschwerend bei vielen Betroffenen eine Hypoglykämie-Wahrnehmungsstörung hinzu. Diese ist durch einen verminderten Anstieg von Glukagon und neuroendokrinen Botenstoffen im Blut und durch fehlende Schutzmechanismen vor der Unterzuckerung gekennzeichnet. Unabhängig von der Dauer der Diabetes-Erkrankung scheinen sich Hypoglykämie-Wahrnehmungsstörungen auch mit zunehmendem Alter und bei nächtlicher Ruhe häufiger einzustellen.

Der entscheidende Faktor für die negativen Auswirkungen von Hypoglykämien ist die absolute Abhängigkeit des Gehirns von Glukose als Energielieferant. Wie vielfältig und problematisch sich Hypoglykämien auswirken, zeigt sich unter anderem an neurologischen Komplikationen wie Bewusstlosigkeit, Krampfanfällen und damit verbunden an einem erhöhten Risiko für Frakturen und Sturzverletzungen. Dies betrifft gerade auch ältere Menschen mit Typ-2-Diabetes. Neben diesen akuten Hypoglykämie-Komplikationen haben neuere Studien eingeschränkte kognitive Leistungen und eine erhöhte Demenzrate mit Hypoglykämien in Verbindung gebracht. Aber auch hinsichtlich der kardiovaskulären Auswirkungen deuten manche neueren wissenschaftlichen Ergebnisse darauf hin, dass schwere Hypoglykämien zu höhergradigen Herzrhythmusstörungen führen und kardiovaskuläre Mortalität begünstigen können.

Dank einer enormen Erweiterung des Therapiespektrums hat man heute aber auch zahlreiche Optionen zur Verfügung, mit denen sich das Hypoglykämie-Risiko relativ niedrig halten lässt. Sulfonylharnstoffe werden zunehmend von glukoseabhängig wirkenden insulinotropen Substanzen ersetzt. Auch bei der Insulintherapie haben wir heute Substitutionsformen mit niedrigerem Hypoglykämie-Risiko zur Verfügung. Bei sorgfältiger Auswahl der pharmakologischen Therapie zusammen mit einer effizienten Schulung des Patienten kann deshalb das Risiko für Unterzuckerungen reduziert werden.

(Es gilt das gesprochene Wort!)

Bildunterschrift: Professor Dr. med. Monika Kellerer, Schriftführerin DDG, Ärztliche Direktorin des Zentrums für Innere Medizin I, Marienhospital Stuttgart.
Bildquelle: Deutsche Diabetes-Gesellschaft (DDG)

zuletzt bearbeitet: 04.11.2010 nach oben

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