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Erfolgreiche Maßnahmen zur Vermeidung von Adipositas

Abstract zum Vortrag von Dr. oec. troph. Stefanie Gerlach im Rahmen der Pressekonferenz zur 4. DDG-Herbsttagung am 4. November 2010 in Berlin.

Welche Ernährung und Kennzeichnung von Lebensmitteln ist notwendig?

Dr. oec. troph. Stefanie Gerlach Der Streit um eine geeignete Nährwertkennzeichnung auf Lebensmittelverpackungen ("Ampel-" oder "GDA"-Kennzeichnung) hat im Frühjahr und Sommer 2010 im Vorfeld der Abstimmung im EU-Parlament die Medien beherrscht. Wie auch andere Fachgesellschaften, Verbraucher- und Gesundheitsverbände halten wir die Mitte Juni 2010 vom EU-Parlament beschlossene GDA-Regelung für unbrauchbar, weil sie dem normalen Verbraucher und Bürger keine verständliche Information liefert.

Derzeit hat circa jeder dritte Deutsche ein zu hohes Körpergewicht und gefährdet seine Gesundheit. Adipositas verursacht eine Einschränkung der Lebensqualität, ist häufig mit Begleit- und Folgeerkrankungen (wie z. B. Diabetes) und einer drohenden Verkürzung der Lebenszeit verbunden, vor allem bei massivem Übergewicht. Die Adipositas stellt auch ein besonderes gesellschaftliches Problem dar und belastet die Volkswirtschaften in Deutschland und anderen europäischen Ländern erheblich. Die DAG bedauert, dass das Europäische Parlament dem Druck der Lobbyisten der Nahrungsmittelindustrie nachgegeben hat. Aus Sicht der DAG ist damit die Chance vertan, ein naheliegendes Präventionspotenzial im Hinblick auf die Förderung einer gesundheitsbewussteren Lebensmittelauswahl zunehmend gesundheitsinteressierter Bürger in Europa zu nutzen.

Um den zunehmenden ernährungsmitbedingten Erkrankungen bei steigendem Kostendruck im Gesundheitswesen zu begegnen, will die Politik die Eigenverantwortung der Bürger für ihre Gesundheit stärken. Daher sollte sie ihnen auch Hilfen an die Hand geben, die es ihnen ermöglichen, in einer Übergewicht fördernden Umwelt gesundheitsbewusstere Kaufentscheidungen zu treffen. Es macht deshalb keinen Sinn, den Verbrauchern die visuellen Informationen vorzuenthalten, die sie nachgewiesen als zusätzliche Entscheidungshilfe wahrnehmen. Wir fordern daher weiterhin die Transparenz der Information für den einfachen Bürger, der mit der jetzt beschlossenen europäischen Regelung in abstrakten Zahlen überfordert ist.

Die unter Federführung des DAG-Präsidenten Professor Hans Hauner erstellte und von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) gerade zur Diskussion im Internet frei gegebene Leitlinie zur "Rolle der Kohlenhydrate in der Primärprävention von chronischen mitbedingten Erkrankungen" zeigt sehr deutlich, dass ein hohes Präventionspotenzial in einer geeigneten Lebensmittelauswahl steckt und unterstreicht, wie unverändert wichtig es nach wie vor ist, für eine verständliche Nährwertkennzeichnung einzutreten:

Erwachsene und Kinder profitieren gleichermaßen, wenn sie weniger zuckergesüßte Erfrischungsgetränke zu sich nehmen, denn für diese Getränke konnte ein deutlicher Zusammenhang mit einer Adipositas- und Diabetes-Typ-2-fördernden Wirkung nachgewiesen werden. Eine hohe Zufuhr von Ballaststoffen, vor allem aus Vollgetreideprodukten, schützt dagegen vor beiden Erkrankungen.

Bei der nun europaweit gültigen GDA-Kennzeichnung wird für Energie, Fett, gesättigte Fettsäuren, Zucker und Salz der Anteil einer beliebig festlegbaren Portion am Tagesbedarf einer Durchschnittsperson dargestellt. Nach wissenschaftlichen Untersuchungen der Uni Münster können in einer solchen Darstellung zum Beispiel weniger als die Hälfte der Verbraucher erkennen, in welchem von zwei vergleichbaren Lebensmitteln weniger Zucker enthalten war. Mit der Ampelkennzeichnung, die die Gehalte farblich als "hoch", "mittel" und "gering" kennzeichnet, können dies hingegen 95 Prozent der Befragten zutreffend einschätzen. Außerdem geben drei Viertel der Befragten an, dass sie die Ampel bei Kaufentscheidungen für hilfreicher und verständlicher halten und diese im Vergleich zur GDA-Kennzeichnung bevorzugen würden.

Es hat über 20 Jahre gedauert, bis ein Verbot von unnützen Diabetikerlebensmitteln 2010 politisch durchsetzbar wurde. Wir sollten daher auch in der Frage einer verständlichen Nährwertkennzeichnung einen langen Atem haben.

Forschungsbedarf besteht derzeit noch hinsichtlich der Frage, ob eine gut verständliche Nährwertkennzeichnung auch tatsächlich zu einem messbaren und langfristig veränderten Konsumverhalten in der breiten Bevölkerung führt. Es steht auch nicht zu erwarten – kann aber auch nicht wirklich der Anspruch sein – dass eine Einzelmaßnahme das hoch komplexe Adipositas-Problem lösen könnte. Eine verständliche Nährwertkennzeichnung kann aber eins von vielen, hoffentlich folgenden Elementen sein, das der Bevölkerung gesundheitsbewusstere Entscheidungen ermöglicht.

(Es gilt das gesprochene Wort!)

Bildunterschrift: Dr. oec. troph. Stefanie Gerlach, Leiterin Ressort Gesundheitspolitik diabetesDE, Mediensprecherin DAG.
Bildquelle: Deutsche Diabetes-Gesellschaft (DDG)

zuletzt bearbeitet: 04.11.2010 nach oben

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