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HbA1c-Test erleichtert Erstdiagnose Typ-2-Diabetes

Neue und vereinfachte Kriterien könnten Früherkennung verbessern

Die Diagnose eines Typ-2-Diabetes mellitus wird für Patienten und Ärzte einfacher. Bisher erfolgte die Bestimmung des Blutzuckers am Morgen und auf nüchternen Magen. Ein Blutzuckerbelastungstest mit mehreren Blutentnahmen folgte anschließend, wenn die erste Untersuchung die Diagnose nicht eindeutig bestätigte oder ausschloss. Nach den neuen Empfehlungen der Deutscher Diabetes-Gesellschaft (DDG), diabetesDE und des Kompetenznetzes Diabetes mellitus reicht künftig in vielen Fällen die einmalige Bestimmung des sogenannten HbA1c-Werts.

Der HbA1c-Wert misst den Anteil des roten Blutfarbstoffs Hämoglobin, an den sich Zuckermoleküle oder Glukose angelagert haben, am Gesamthämoglobin. Die Höhe dieses Anteils hängt vom Blutzuckerspiegel ab. Anders als dieser unterliegt der HbA1c-Wert keinen tageszeitlichen Schwankungen, sondern gibt den mittleren Plasmaglukosespiegel der vergangenen acht bis zwölf Wochen wieder.

Die Bestimmung des HbA1c-Werts ist kein neuer Test. Er wird seit drei Jahrzehnten zur Kontrolle der Blutzuckereinstellung von Typ-1- und Typ-2-Diabetikern verwendet. Neue Studien zeigen, dass er unter bestimmten Voraussetzungen auch zur Erstdiagnose bei Verdacht auf Typ-2-Diabetes eingesetzt werden kann. Der Vorteil ist, dass nur eine einzige Blutentnahme erforderlich ist. Sie kann unabhängig von der Tageszeit erfolgen, auch wenn der Patient vorher etwas gegessen hat.

Der HbA1c-Test könnte insbesondere bei älteren Menschen sinnvoll sein und dazu beitragen, die Erkrankung frühzeitiger zu erkennen, erläutern die Autoren der gemeinsamen Stellungnahme der DDG, diabetesDE und des Kompetenznetzes Diabetes mellitus. Bisher sind viele Betroffene schon jahrelang an Typ-2-Diabetes erkrankt, bevor die Diagnose gestellt wird. Unbehandelt kann die Stoffwechselerkrankung die Lebensqualität vermindern und die Lebenszeit verkürzen.

Ist der HbA1c-Wert 6,5 Prozent oder höher, liegt ein Typ-2-Diabetes vor. Liegt der Wert unter 5,7 Prozent, ist ein Diabetes mellitus ausgeschlossen. Bei Menschen mit einem Wert zwischen 5,7 und 6,4 Prozent sollte weiterhin der Nüchternblutzucker und - je nach Ergebnis – eventuell auch der Blutzuckerbelastungstest durchgeführt werden.

Der neue Test hat auch Einschränkungen. So können Eisenmangel, Nierenerkrankungen, Lebererkrankungen oder eine Schwangerschaft den HbA1c-Wert so beeinflussen, dass dieser zur Diabetes-Diagnose nicht sicher genug ist. Eine wesentliche Voraussetzung ist weiterhin ein standardisiertes und zertifiziertes Messverfahren für den HbA1c-Wert, das internationale Fachgesellschaften in den letzten Jahren erarbeitet haben. In Deutschland ist es bereits häufig verbreitet, wird jedoch noch nicht überall angewendet.

Die Stellungnahme der Deutschen Diabetes Gesellschaft, diabetesDE und des Kompetenznetzes Diabetes mellitus zur Verwendung des HbA1c-Wertes als Biomarker zur Diabetesdiagnose im Internet: http://profi.diabetesde.org/stellungnahmen/hba1cwertesals_biomarker/

Anmerkung der DiabSite-Redaktion

Alternativ zur Messung des HbA1c-Wertes wird in dieser Nachricht eine Blutzuckermessung vor dem Essen empfohlen. Diese hat den Vorteil, dass Unwägbarkeiten entfallen, wie sie bei einer Messung nach dem Essen durch die aufgenommene Nahrung entstehen. Allerdings könnte sich der Blutzuckerspiegel über mehrere Stunden wieder normalisiert haben, auch wenn der Wert zwei Stunden nach dem Essen noch über 140 mg/dl (7,8 mmol/l) lag, was auf einen Prädiabetes hindeutet.

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zuletzt bearbeitet: 16.09.2010 nach oben

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