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Brandheiße Tipps vom Feuerwehrmann mit Diabetes

Pressemitteilung: Bayer Vital GmbH

Diabetiker Hans Kunefke: Vom Blindflieger zum Ratgeber und Experten

Diabetiker Hans Kunefke Über 30 Jahre vernachlässigte er die Diabetestherapie, das kostete ihn fast seine Gesundheit. Heute hilft er auf der Internetseite Insulinclub.de anderen Menschen mit Diabetes, ihre Erkrankung zu verstehen.

Anruf in der Einsatzzentrale der freiwilligen Feuerwehr Remchingen: "Wir brauchen Verstärkung!" Hans Kunefke hat die Situation im Griff. Souverän koordiniert er den weiteren Einsatz und schon bald haben die Kollegen den Dachstuhlbrand im Nachbarort gelöscht. Der 57-Jährige ist ein Gruppenführer wie er im Buche steht - aktiv, konzentriert und stets einsatzbereit! Mit einem Unterschied: Hans Kunefke ist Diabetiker und hat sein Contour® Link, ein Blutzuckermessgerät, das seine Werte drahtlos an die Insulinpumpe überträgt, immer dabei. Sein Motto "Safety First" gilt nicht nur im Einsatz, sondern auch beim Management seiner Erkrankung.

Bis zu acht Mal täglich misst der Typ-1-Diabetiker seinen Blutzucker, um optimal eingestellt zu sein. "Die Kontrollen geben mir Sicherheit. Denn nur wenn ich meine Werte regelmäßig messe, kann die Pumpe den jeweiligen Dosiervorschlag für die korrekte Menge Insulin abgeben." Hans Kunefke ist ein vorbildlicher Patient, der seit 2006 als Mitbetreiber der Internet-Ratgeberseite Insulinclub.de auch anderen Typ-1-Diabetikern ein gutes Beispiel geben will. Doch das war nicht immer so.

Die Diagnose

Als Hans Kunefke im Sommer 1967 plötzlich rapide an Gewicht verlor und unstillbaren Durst verspürte, war die Ursache schnell gefunden. Der vierwöchige Krankenhausaufenthalt brachte die Diagnose Typ-1-Diabetes und bedeutete für den damals 14-Jährigen fortan Verzicht. Tragbare Blutzuckermessgeräte gab es damals nicht, deshalb musste er zwei bis drei Mal wöchentlich in das Kreiskrankenhaus von Freudenstadt fahren, um in einem komplizierten Laborverfahren seinen Blutzuckerspiegel bestimmen zu lassen. Seine Therapie bestand zu dieser Zeit aus jeweils einer festgelegten Einheit tierischem Insulin morgens und abends bei Einhaltung einer strikten Diät.

Süßes war tabu und Hans Kunefke begann seine Erkrankung zu verfluchen. Mit dem Umzug der Familie Kunefke ins 100 Kilometer entfernte Eisingen endeten auch noch die spärlichen Blutzuckerkontrollen im Krankenhaus. Der nun konsultierte Landarzt hatte noch nie einen Typ-1-Diabetiker betreut und verordnete eine riskante Behandlung: Hans Kunefke spritzte weiterhin morgens und abends die festgelegte Einheit Mischinsulin und ging nur fünf Mal im Jahr zur Blutzuckermessung.

Der Schock

Über dreißig Jahre lang therapierte sich Hans Kunefke nun wie im Blindflug selbst, ohne sich ernsthaft mit seiner Erkrankung zu befassen: "Ich kam nie auf die Idee, mir ein Messgerät zu besorgen, mir hat keiner was gesagt und irgendwie schien es ja auch zu funktionieren." Ohne akute Beschwerden arbeitete er 40 Stunden und länger pro Woche in seinem Beruf in der Qualitätssicherung für Kompensatoren, machte lange Wanderungen mit seiner Familie und betreute sogar einen 36-stündigen Hochwasser-Einsatz mit den Kollegen der Feuerwehr.

Im Jahr 2003 dann der Schock. Nach einem arbeitsreichen Tag fiel Hans Kunefke ins diabetische Koma. Die Krankenhaus-Diagnose war niederschmetternd: 80 Prozent seiner Hauptarterien waren verstopft, im Blutkreislauf hatten sich bereits Nebengefäße gebildet, ein unbemerkter Schlaganfall war die Folge. "Das Signal war überdeutlich, wenn ich noch lange leben wollte, musste ich grundlegend etwas ändern", so der Hobby-Feuerwehrmann.

Der Neuanfang

Wachgerüttelt durch die Diagnose ließ sich Hans Kunefke erstmals zu einem spezialisierten Diabetologen überweisen. Der stellte die Therapie auf Humaninsulin um, riet dem Diabetiker eine Insulinpumpe zu benutzen. Hans Kunefke begann sich mit seiner Erkrankung auseinander zu setzen. 2007 war er einer der ersten Anwender des Contour® Link, das die Werte per Funk an seine Paradigm® Pumpe übermittelt.

Die regelmäßigen Messungen gaben ihm eine direkte Resonanz auf sein Ess- und Bewegungsverhalten und er entwickelte Spaß daran, seinen Körper besser zu verstehen. Motiviert durch diesen Erfolg, begann er im Internet zu recherchieren. Insbesondere der Austausch mit anderen Betroffenen half ihm bei der Akzeptanz seiner Erkrankung.

Die Website Insulinclub.de gewann seine besondere Aufmerksamkeit. "Der Insulinclub ist ein herausragendes Angebot für Typ-1-Diabetiker mit einer aktiven Community und kompetenten Antwortstellern". Schon bald brachte sich Hans Kunefke aktiv in die Ratgeberseite ein, zunächst als User und dann als Moderator. Im Jahr 2008 stieg er als Teilhaber ein und ist seitdem verantwortlich für die Beantwortung von Userfragen. Rund drei bis vier Stunden täglich verbringt er nach Feierabend auf der mittlerweile bundesweit größten Internetplattform für Typ-1-Diabetiker.

Auch telefonisch teilt er seine Erfahrung mit Ratsuchenden. "Dass ich mal ein solcher Experte für Diabetesfragen werde, hätte wohl niemand gedacht. Ich bin sehr froh, dass es so gekommen ist." Und dann ertönt der Meldeempfänger. Ein Schwelbrand in einem geparkten Wagen verlangt nach der Feuerwehr, Hans Kunefke fährt den Computer runter, packt sein Contour Link Blutzuckermessgerät ein und macht sich auf den Weg in die Zentrale. Ein echter Tausendsassa.

Unter www.insulinclub.de können sich Interessierte mit Hans Kunefke austauschen.

Bildunterschrift: Feuerwehrmann und Diabetiker Hans Kunefke
Bildquelle: Bayer HealthCare AG

zuletzt bearbeitet: 07.09.2010 nach oben

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