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Mit dem Skalpell gegen Übergewicht

Pressemitteilung: Universitätsklinikum Jena

Neue Sprechstunde am Universitätsklinikum Jena bietet chirurgische Hilfe bei überflüssigen Pfunden

Immer mehr Menschen kämpfen mit Übergewicht. Oft jahrelang und vergeblich - meist folgt auf Diäten ein Jojo-Effekt. Die überflüssigen Pfunde sind nicht nur psychologisch ein Problem, sie verursachen auch gesundheitliche Beschwerden und gelten als Auslöser von Herz-Kreislaufproblemen, Diabetes und Gelenkerkrankungen. Die Besserung dieser lebensbedrohlichen Erkrankungen setzt oft einen Gewichtsverlust voraus - für die Betroffenen ein Teufelskreis, den sie nur schwer durchbrechen können.

Vor allem Menschen mit besonders großem Übergewicht und Begleiterkrankungen setzen ihre Hoffnungen daher in die Hilfe der Chirurgie. Diesen Patienten bietet jetzt das Universitätsklinikum Jena (UKJ) in einer neuen speziellen Sprechstunde zu Adipositas-Chirurgie Hilfe an. Dabei rücken die Ärzte dem Gewichtsproblem nicht mit Fettabsaugungen zu Leibe, sondern mit operativen Verkleinerungen des Magens oder Verkürzungen der Darmpassage.

"Studien haben gezeigt, dass diese Verfahren oft die einzige langfristige Hilfe bei starkem Übergewicht bieten", erklärt dazu Prof. Dr. Utz Settmacher, Direktor der Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Gefäßchirurgie am UKJ. Die Patienten verlieren nach den Operationen bis zu 70 Prozent ihres Übergewichts. Das hat ganz direkte Folgen auf viele Begleiterkrankungen. "Es hat sich beispielsweise gezeigt, dass sich bei Diabetes-Patienten nach einer Operation die Zuckerwerte deutlich bessern. Bei einigen verschwindet der Diabetes sogar völlig", so Prof. Settmacher weiter. Die UKJ-Chirurgen arbeiten daher in ihrer chirurgischen Adipositas-Sprechstunde eng mit den Internisten der endokrinologischen Stoffwechselambulanz zusammen. Hier wird die generelle Eignung der Patienten überprüft, denn längst nicht jeder, der mit lästigen Fettpolstern kämpft, kommt für die Abspeckvariante per Skalpell in Frage.

Neben Untersuchungen, um körperliche Ursachen des Übergewichts sicher auszuschließen, gehören dazu bis zu sechs Monate lange Vorbereitungen. "So stellen wir sicher, dass der Eingriff tatsächlich das individuell geeignete Mittel für die angestrebte Gewichtsreduktion ist", erklärt dazu Prof. Dr. Ulrich Alfons Müller, Leiter des UKJ-Funktionsbereichs Endokrinologie und Stoffwechselerkrankungen der Klinik für Innere Medizin III. Auch nach der Operation werden hier die Patienten weiter betreut. "Bei dem oft dramatischen Gewichtsverlust von 30 bis 40 Kilogramm in kurzer Zeit müssen wir genau darauf achten, wie der Körper reagiert und ob Probleme auftreten", beschreibt Prof. Müller die Nachsorge.

Zum interdisziplinären Team der Sprechstunde gehören Psychologen ebenso wie Ernährungswissenschaftler, Diätassistenten, Physiotherapeuten und plastische Chirurgen. Die UKJ-Mediziner setzen auf eine umfassende Betreuung durch ein Expertenteam, um so den langfristigen Erfolg der Eingriffe sicherzustellen. Denn dafür ist es wichtig, dass die Patienten nach der Operation ihren bisherigen Lebensstil verändern. "Wir können die Nahrungsaufnahme chirurgisch drosseln, aber für den Langzeiterfolg müssen die Patienten auch bereit sein, etwas zu tun", sagt Prof. Müller.

Für die operative Adipositas-Bekämpfung stehen verschiedene Verfahren zur Verfügung, die häufigsten sind das verstellbare Magenband, der Magenbypass oder die Bildung eines sogenannten Schlauchmagens. "Das angewendete Verfahren wird möglichst individuell auf den Patienten abgestimmt.", erklärt der Chirurg Oberarzt Dr. Akram Gharbi. Beim Schlauchmagen wird der Magen operativ verkleinert und verliert dabei etwa 80 Prozent seines Volumens. Im Gegensatz zum Magenband ist diese Methode nicht reversibel, der Magen bleibt dauerhaft verkleinert. "Bei allen Verfahren können heute die Risiken sehr klein gehalten werden", so Dr. Gharbi. Über den Einsatz der jeweiligen Methode, zu denen weitere verschiedene Verfahren gehören, wird jeweils individuell nach Wertung aller interdisziplinären Befunde, ausführlicher Beratung und Zustimmung des Patienten entschieden.

"Adipositas-Operationen setzen wir erst ein, wenn Patienten mit einem starken Übergewicht, also einem Body Mass Index von über 35, unter beeinträchtigenden Begleiterkrankungen leiden", betont PD Dr. Hermann Kißler. Leiter der Sprechstunde. Das sind neben Diabetes auch hoher Blutdruck und Schlafapnoe. "Die Chirurgie ist hierbei allerdings immer die letzte Option, wir operieren erst, wenn alle herkömmlichen Behandlungsmethoden gescheitert sind", so Kißler.

Diese Pressemitteilung wurde über den - idw - versandt.

zuletzt bearbeitet: 28.08.2010 nach oben

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