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Chronomedizin - Ursachen für Diabetes und Adipositas entdecken

Pressemitteilung: VolkswagenStiftung

5,74 Millionen Euro für neue Professuren in Lübeck, Leipzig, Tübingen und Marburg

Wie tickt die innere Uhr? Warum entsteht Vorhofflimmern? Wie schützen dendritische Zellen den Körper? Was verbindet Stress und chronische Erschöpfung? Die VolkswagenStiftung fördert mit vier "Lichtenberg-Professuren" Forschungsprojekte in der Biochemie, Medizin und Psychologie.

Chronomediziner wissen: Langstreckenflüge lassen die innere Uhr verrückt spielen: Tagsüber lähmt uns bleierne Müdigkeit. Nachts gelingt das Einschlafen nicht. Erst nach einigen Tagen 'ticken' wir wieder richtig, wenn die zirkadiane Uhr resynchronisiert wurde. Andauernde Störungen der inneren Uhr, verursacht beispielsweise durch häufige Geschäftsreisen oder Schichtarbeit, haben Auswirkungen auf den Stoffwechsel. Adipositas-assoziierte Erkrankungen wie Typ-2-Diabetes oder das Metabolische Syndrom können die Folge sein.

Bisher weiß die Medizin noch wenig über die molekularen Grundlagen des Wechselspiels zwischen der inneren Uhr und dem Stoffwechsel. Das möchte Dr. Henrik Oster mit seiner Lichtenberg-Professur ändern, die an der Medizinischen Fakultät der Universität Lübeck angesiedelt sein wird: "Chronobiologische Ansätze sind bisher kaum bis in die Wissenschaft oder die klinische Praxis vorgedrungen. Diese Professur soll die Wichtigkeit des Timings in der Biologie betonen, mit Fokus auf die Anwendung dieses Wissens in der Klinik." Fernziel ist es, chronobiologische Ansätze für die Behandlung der Adipositas und ihrer Folgeerkrankungen zu entwickeln, eine der größten gesundheitspolitischen Herausforderungen unserer Gesellschaft.

Die Chronomedizin ist eines von vier Forschungsvorhaben, das die VolkswagenStiftung im Rahmen ihrer Förderinitiative "Lichtenberg-Professuren" unterstützt. Die neu geschaffenen Stiftungsprofessuren an den Universitäten Lübeck, Leipzig, Tübingen und Marburg werden insgesamt mit 5,74 Millionen Euro für die nächsten fünf Jahre ausgestattet.

Hier lesen Sie die Kurzbeschreibungen der anderen Lichtenberg-Professuren:

Die Genetik von Vorhofflimmern

Vorhofflimmern ist die häufigste Herzrhythmusstörung im klinischen Alltag und spielt im Gesundheitssystem aller Industrienationen eine wichtige Rolle, da es mit Komplikationen, herabgesetzter Lebensqualität, vermehrter Sterblichkeit und hohen Kosten assoziiert ist. Dr. Daniela Hußer-Bollmann wird am Herzzentrum der Universität Leipzig die genetischen Grundlagen von Vorhofflimmern erforschen. Dieses Wissen soll neue Behandlungswege erschließen.

Der Einfluss von dendritischen Zellen auf die Arterienverkalkung

Viele Menschen leiden im Alter an Arteriosklerose, einer Verkalkung der Arterien, die häufig mit Entzündungen einhergeht. Aufgabe unseres Immunsystems ist es, den Heilungsprozess voranzutreiben. Dendritische Zellen spielen hierbei als Wächter des Immunsystems eine wichtige Rolle. Sie spüren Fremdkörper, die Verursacher der Entzündung, auf und rüsten die T-Zellen in den Lymphknoten für den Kampf gegen die Eindringlinge. Welchen Einfluss dendritische Zellen jedoch im Einzelnen auf die Entstehung von Arteriosklerose haben, ist bisher nicht erforscht. Hier setzt das Forschungsprojekt von Dr. Harald Langer an der Universität Tübingen an, dessen Interdisziplinarität durch die Verknüpfung der Kardiologie mit immunologischen Aspekten zum Ausdruck kommt.

Stress und chronische Erschöpfung

Welcher Zusammenhang besteht zwischen Stress und schwerer chronischer Erschöpfung? Dieser Frage wird Dr. Urs Nater am Fachbereich Psychologie der Philipps-Universität Marburg nachgehen. Das Forschungsprogramm befindet sich an der Schnittstelle zwischen Klinischer und Biologischer Psychologie und wird über die Fachgrenzen hinweg Modelle und Methoden aus Psychologie, Medizin und Biologie verbinden. Dieser Ansatz soll zu einem tiefer gehenden Verständnis des Beschwerdebildes und damit zu verbesserten Diagnose- und Behandlungsmöglichkeiten führen.

Hintergrund Förderinitiative Lichtenberg-Professuren

Das Angebot richtet sich in erster Linie an herausragende Nachwuchswissenschaftler/-innen mit zwei- bis dreijähriger Forschungserfahrung nach der Promotion, die mit ihrer Arbeit in einem innovativen Feld auf sich aufmerksam gemacht haben und nun mit einer Lichtenberg-Professur ihr Gebiet weiter voranbringen möchten. Es steht auch exzellenten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern offen, deren Promotion bereits mehrere Jahre zurückliegt. Details zu diesem Angebot und Informationen zur Antragstellung sind nachzulesen unter http://www.volkswagenstiftung.de/lichtenberg-professuren.

Mit den Lichtenberg-Professuren fördert die VolkswagenStiftung seit 2003 herausragende Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in innovativen Lehr- und Forschungsfeldern. Für fünf bis - im Falle einer positiven Zwischenevaluation - maximal acht Jahre stellt die Stiftung Mittel zur Verfügung. Voraussetzung ist, dass die aufnehmende Hochschule die Übernahme erfolgreich evaluierter Professuren garantiert.

zuletzt bearbeitet: 10.08.2010 nach oben

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