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Amputation bei Diabetikern verhindern

Daten zeigen Erfolg von ärztlichen Netzwerken

Ärztliche Netzwerke, die Patienten mit dem diabetischen Fußsyndrom (DFS) behandeln, können die Anzahl von Amputationen bei Diabetikern verringern. diabetesDE und die Deutsche Diabetes-Gesellschaft (DDG) sehen die kürzlich veröffentlichten Daten als positive Entwicklung. Diabetes mellitus ist bisher die Hauptursache bei den rund 60.000 Amputationen in Deutschland pro Jahr.

Beim schlecht eingestellten Diabetes kommt es langfristig zur Anlagerung von Zuckermolekülen an sämtliche Strukturen des Körpers. In den Beinen führt dies zu Schädigungen der großen und kleinen Blutgefäße - Makro- und Mikroangiopathie - und der Nerven, der sogenannten Neuropathie. Die Betroffenen erkennen Verletzungen an den Füßen erst spät, die zudem wegen der Durchblutungsstörungen nur langsam heilen. Die Folge sind Amputationen oder Teilamputationen des Fußes, obwohl es seit langem erfolgreiche Diagnose- und Therapiemaßnahmen gibt.

Das bisherige Wissen wird insbesondere dann erfolgreich eingesetzt, wenn ärztliche und nicht-ärztliche Experten sich vernetzen. Beim DFS sind neben Diabetologen auch Gefäßspezialisten, Chirurgen, Dermatologen, Radiologen und Orthopäden gefragt. Hinzu kommen orthopädische Schuhmacher, Fußpfleger und Pflegedienste. Ohne geplante Koordination ist die Zusammenarbeit schwierig.

Das Kölner Fußnetz ist ein Beispiel, wie es funktionieren kann: Unter dem Dach eines 2003 gegründeten Vereins treffen sich mittlerweile 50 Fachärzte regelmäßig zum Erfahrungsaustausch in sogenannten Qualitätszirkeln. Sie haben bereits eigene Leitlinien und Fortbildungskurse für Ärzte geschaffen. Die Ärzte dokumentieren ihre Behandlungsergebnisse und vergleichen sich untereinander. Die Patienten führen eine "Rote Mappe" mit den wesentlichen Daten der Behandlung. Auf einem Verlaufsbogen werden die jeweiligen Maßnahmen dokumentiert. Das Ziel ist eine optimale Versorgung der Patienten.

Auch die Erforschung von Alternativen zur Behandlung bei schweren Fällen gehört dazu. So sollte vor größeren Amputationen beispielsweise immer eine Röntgenaufnahme der Arterien durchgeführt werden, fordert Dr. med. Alexander Risse, einer der Autoren der Veröffentlichung. Die dokumentierten Erfahrungen des Kölner Fußnetzes sind positiv. Zwischen 2005 und 2008 wurden 3.277 Behandlungen durchgeführt.

Bei 2,5 Prozent wurde eine Amputation oberhalb des Knöchels durchgeführt. Bei weiteren 8,8 Prozent erwiesen sich kleinere Amputationen als ausreichend. Dieses Verhältnis von 1:3,5 sei deutlich besser als der Bundesdurchschnitt von 1:1,2. Das Kölner Fußnetz, das von verschiedenen Krankenkassen gefördert wird, hat inzwischen Schule gemacht. Seit 2005 werden auch in Düsseldorf, seit 2006 in Hamburg und seit 2009 in allen verbliebenen Regionen im Bezirk Nordrhein Patienten in diesen Strukturen behandelt.

Weitere Informationen zum Diabetischen Fußsyndrom:

diabetesDE unterstützt die Kampagne "Amputation verhindern" des Netzwerks Diabetischer Fuß Köln. Diese ist zunächst auf ein Jahr begrenzt. Dazu gehören Service-Angebote für Betroffene, Fortbildungsveranstaltungen für Diabetologen und Allgemeinmediziner sowie mehrere Informationsveranstaltungen. Die nächste findet am 3. Juli 2010 im Rahmen des Kölner Diabetiker-Tages statt.

Quelle: A. Risse, D. Hochlenert, Integrierte Versorgung Neue (?) Versorgungsformen am Beispiel des diabetischen Fußsyndroms, Diabetologe 2010; 6: 100-107 DOI 10.1007/s11428-009-0480-3

zuletzt bearbeitet: 30.06.2010 nach oben

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