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Pflegepersonalmangel eindrucksvoll empirisch belegt

DPR fordert zum konzertierten Handeln auf

Der Deutsche Pflegerat e.V. (DPR) nimmt die Befunde des Pflegethermometers 2009 mit Sorge zur Kenntnis. "Wir warnen seit langem vor den skizzierten Entwicklungen", zeigt sich Andreas Westerfellhaus, Präsident des DPR, in erster Reaktion empört über die Studienergebnisse des renommierten Kölner Deutschen Instituts für angewandte Pflegeforschung.

"Seit Jahr und Tag bieten wir den Verantwortlichen in Politik und auf Trägerebene den Dialog zur nachhaltigen Sicherung der pflegerischen Versorgung in allen Sektoren des Gesundheitswesens an – angesichts der heute vorgelegten Empirie muss Schluss sein mit dem Taktieren, Lavieren und Kaschieren des eklatanten Pflegekollaps in der Republik", so Westerfellhaus weiter.

Im Krankenhausbereich tragen die Träger und in der ambulanten Pflege und stationären Altenhilfe die Kostenträger die Hauptverantwortung für die schlechte Pflegepersonalausstattung und ihre Folgen für die Versorgung. Der DPR fordert Bundes- und Landesregierungen erneut auf, statt tatenlos die drängenden Probleme auszusitzen oder schönzureden, die richtigen Weichenstellungen vorzunehmen.

Und die bestehen u. a darin, in einer konzertierten Aktion mit Beteiligung des DPR die Pflege als Berufswahl nachhaltig attraktiv zu gestalten und in die Verbesserung der Arbeitsbedingungen, Personalausstattung, Ausbildung, Aufgabenzuweisung, Karrierechancen und auch die Vergütung der Pflegefachkräfte an der richtigen Stelle zu investieren.

Die bisher größte Befragung von Pflegekräften in Deutschlands Krankenhäusern mit über 10.000 Teilnehmern belegt die durch den DPR monierten fortlaufenden Mängel im Gesundheitssystem für das Pflegepersonal eindrucksvoll. Der massive Abbau von 50.000 Vollzeitstellen im Pflegebereich in den vergangenen 10 Jahren zeigt deutliche Auswirkungen auf den Arbeitsalltag. Nie waren weniger Pflegefachkräfte für eine so hohe Zahl von Patienten verantwortlich.

Zudem nimmt das Ausbildungs- und Nachwuchsproblem stetig zu, das durch die gleichzeitige, rasante Alterung der Belegschaften noch verstärkt wird. Denn bedingt durch Arbeitsdichte, Überforderung und Ausbeutung sowie fehlende Angebote für ältere Mitarbeiter ist nicht davon auszugehen, dass eine Beschäftigung, ob in Voll- oder Teilzeit, bis ins Rentenalter möglich sein wird. Ein Ersatz von frühzeitig ausscheidendem Personal wird nicht durch die Krankenhäuser allein zu bewältigen sein. Zumal nicht nur der Arbeitsmarkt keine Kräfte zur Verfügung stellt, sondern auch in anderen Sektoren wie der ambulanten Pflege und der stationären Altenhilfe der Bedarf ständig zunehmen wird.

Zudem wirkt sich die Lage auf die Qualität der Patientenversorgung und –sicherheit aus. Laut der Studie stellen die festgestellten Mängel mittlerweile den Regelfall dar. Die gemeinsam von Vertretern der Gesundheitsberufe, ihren Verbänden und der Patientenorganisationen im Aktionsbündnis Patientensicherheit e.V. getragenen aufwändigen Kampagnen müssen wirkungslos verpuffen, wenn in der Realität die Rahmenbedingungen für die pflegerische Versorgung gegen alle Regeln der professionellen Sorge und Betreuung gestaltet werden.

zuletzt bearbeitet: 19.05.2010 nach oben

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