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Bei vielen Diabetes-Patienten versagen im Laufe ihres Lebens die Nieren

Pressemitteilung: DiaPat GmbH

Mediziner sagt Nierenversagen auf Jahre voraus

Das Damoklesschwert des unheilbaren Nierenversagens könnte für Diabetiker künftig weniger bedrohlich sein. Denn ein Wissenschaftler aus Hannover will mit Urinproben von Diabetes-Patienten das drohende Nierenversagen auf bis zu acht Jahre im Voraus sagen. "Die Diabetiker müssen dann ihre Lebensweise ändern und von Ärzten entsprechend behandelt werden, so können sie die Nierenerkrankung vermeiden oder lange hinauszögern", sagte der Medizin-Professor Harald Mischak im Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa. 30 bis 40 Prozent der etwa 8 Millionen Diabetiker in Deutschland drohte im Laufe ihres Lebens die diabetische Nierenerkrankung, die sie bis zum Tod zur regelmäßigen Blutreinigung an die Dialyse zwingt.

In seinem patentierten, sogenannten Diapat-Verfahren werden den Angaben zufolge Proteine im Urin analysiert. Der Name Diapat ist die Kurzform für "Diagnostic Patterns" (deutsch: diagnostische Muster). Seit 2002 arbeite er in Kooperation mit Kliniken in Dänemark, Großbritannien und Amerika an dem Verfahren, sagte der 48-Jährige. An diesem Freitag stand ein Vortrag des gebürtigen Österreichers beim Diabetes-Kongress in Stuttgart auf dem Programm, bei dem noch bis Samstag 7.000 Forscher, Ärzte und Patientenberater erwartet werden.

In seinen Forschungen habe er Urinproben von 2.000 Diabetikern aus Australien, Europa und Amerika nachträglich untersucht. "In etwa 95 Prozent der Fälle konnten wir genau sagen, ob ein Patient schwer erkrankt, und abschätzen, in wie vielen Jahren." Er habe beispielsweise an einer unlängst analysierten Urinprobe eines Diabetikers von 1998 erkannt, dass der Patient 2002 schwer erkrankt sein musste. So sei es auch gewesen. Besonders Kindern und Jugendlichen, die in Deutschland immer häufiger an Diabetes erkranken, könnte das Leben mit der Urin-Analyse erleichtert werden. "Je früher ich therapiere, desto größer sind die Chancen auf ein normales, beschwerdefreies Leben."

Wenn die Patienten wüssten, dass ihnen bei gleichem Lebenswandel die Nierenerkrankung in fünf oder sechs Jahren droht, könnten sie noch rechtzeitig das Ruder rumreißen, sagt Mischak. Zum Beispiel müsste der Blutdruck gesenkt werden oder hohe Blutzuckerwerte - etwa durch das Essen von Süßigkeiten - strikt vermieden werden. Viel regelmäßiger Sport sei eine weitere Maßnahme, um das drohende Unheil abzuwenden.

Knackpunkt am Diapat-Verfahren könnte der Preis von 440 Euro sein. In Deutschland gebe es noch kein Übereinkommen mit den gesetzlichen Krankenkassen, damit sie das Forschungsprojekt künftig in der Praxis bezahlen. Allerdings liefen Gespräche. Denn auch unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten könnten sich seine Analysen lohnen, sagte der gebürtige Österreicher. Schließlich koste die Versorgung eines Dialyse-Patienten pro Jahr zwischen 50.000 und 60.000 Euro. Die Zahl der Dialyse-Patienten könnte durch die Diapat-Analyse deutlich gesenkt werden, sagt Mischak.

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zuletzt bearbeitet: 16.05.2010 nach oben

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