Das unabhängige Diabetes-Portal DiabSite

Home > Aktuelles > Diabetes-Nachrichten > Archive > 2010 > 100515d

Neue Frühdiagnostik- und Therapiemöglichkeiten bei Diabetes Typ 1

Abstract zum Vortrag von Professor Dr. med. Anette-Gabriele Ziegler im Rahmen der Pressekonferenz zur 45. Jahrestagung der Deutschen Diabetes-Gesellschaft (DDG) am 14. Mai 2010 in Stuttgart.

Die Bedeutung neuer Immunmarker und der Übertragung von Nabelschnurblut

Professor Dr. med. Anette-Gabriele Ziegler Typ-1-Diabetes ist mittlerweile die häufigste Stoffwechselerkrankung im Kindes- und Jugendalter. Zurzeit sind in Deutschland cirka 25.000 Kinder unter 19 Jahren von Typ-1-Diabetes betroffen, die Tendenz ist zunehmend. Die Neuerkrankungsrate bei Kindern in Deutschland steigt jährlich um cirka vier Prozent an. Aus diesem Grund ist es unumgänglich, die Ursachen von Typ-1-Diabetes, die bisher unbekannt sind, weiter zu erforschen und das erlangte Wissen zu bündeln. Zu diesem Zwecke ist im Jahr 2008 das durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderte Kompetenznetz Diabetes mellitus ins Leben gerufen worden, von dem ich Sprecherin bin.

Ein Projekt dieses deutschlandweiten Zusammenschlusses ist die TEENDIAB-Studie. Diese Beobachtungsstudie möchte klären, warum gerade Kinder in der Pubertät an Typ-1-Diabetes erkranken. Besonders häufig sind nämlich Jugendliche zwischen zehn und achtzehn Jahren von der Erkrankung betroffen. Teilnehmen können Kinder im Alter von acht Jahren bis zur Vollendung des zwölften Lebensjahrs, wenn sie einen erstgradigen Verwandten mit Typ-1-Diabetes haben. Bereits jetzt kommen den TEENDIAB-Kindern Innovationen aus der Forschung zugute: Bei ihnen wird regelmäßig eine Untersuchung auf Inselautoantikörper zur Risikoeinschätzung und Früherkennung eines Typ-1-Diabetes durchgeführt. Dadurch können die Ärzte Komplikationen wie Stoffwechselentgleisungen bei den betroffenen Kindern vermeiden, wenn ein Typ-1-Diabetes auftritt.

Erst kürzlich beschrieben die Forscher des Instituts für Diabetesforschung am Helmholtz Zentrum München, dessen Leiterin ich bin, erstmals den Wert eines neuen Immunmarkers, des Autoantikörpers gegen den Zinktransporter 8, für die Frühdiagnostik. Dieser hilft, das Risiko einer Erkrankung noch besser einzuschätzen. Auch diese Kontrolluntersuchung kommt den Kindern der TEENDIAB-Studie zugute. Da diese Kinder alle ein erhöhtes familiäres Risiko aufweisen, ist bei ihnen eine besondere Beobachtung ratsam.

Ein weiteres Projekt unter meiner Leitung ist die Pre-POINT-Studie, die eine Impfung gegen Typ-1-Diabetes mit Insulin untersucht. Die regelmäßige, orale Verabreichung des Insulins soll in diesem Fall nicht den Blutzucker senken, sondern das Immunsystem derart beeinflussen, dass ein Typ-1-Diabetes verhindert oder verzögert werden kann. Dafür nimmt das Institut für Diabetesforschung am Helmholtz Zentrum München Kinder mit einem sehr hohen Risiko im Alter von 18 Monaten und sieben Jahren in die Studie auf. Ein erster Hinweis auf ein hohes Erkrankungsrisiko ist, wenn entweder ein Geschwisterkind oder mehrere erstgradige Verwandte (Vater, Mutter oder Geschwister) an Typ-1-Diabetes leiden. Im nächsten Schritt bestimmen die Forscher bei solchen Kindern das individuelle Diabetesrisiko und prüfen die Möglichkeit der Teilnahme an der Interventionsstudie.

Mittlerweile gibt es aber auch eine Therapie für Kinder, die bereits einen Typ-1-Diabetes entwickelt haben. Sie erhalten im Rahmen einer Studie unter meiner Leitung ihr eigenes Nabelschnurblut. Kinder ab einem Jahr können teilnehmen. Ziel dieser Übertragung ist es, die Blutzuckerkontrolle der Kinder zu verbessern. Erste Ergebnisse dieser Therapie aus den USA zeigen, dass die Kinder weniger Insulin spritzen müssen als die Kontrollgruppe und dass sich der Langzeitblutzuckerwert HbA1c deutlich senkt. Dadurch liegt der Schluss nahe, dass eine Übertragung des eigenen Nabelschnurbluts bei Kindern mit Typ-1-Diabetes die Zerstörung der Insulin produzierenden Zellen stoppt.

Weitere Informationen zum Kompetenznetz Diabetes mellitus oder zu den Studien erhalten Sie auf www.kompetenznetz-diabetes-mellitus.net oder beim
Institut für Diabetesforschung am Helmholtz Zentrum München
Kölner Platz 1
80804 München
kostenlose Hotline: 0800-8284868
E-Mail: prevent.diabetes@lrz.uni-muenchen.de.

(Es gilt das gesprochene Wort!)

Bildunterschrift: Professor Dr. med. Anette-Gabriele Ziegler, Beisitzerin der Deutschen Diabetes-Gesellschaft (DDG), Leiterin des Instituts für Diabetesforschung am Helmholtz Zentrum München, Sprecherin des Kompetenznetzes Diabetes mellitus, München.
Bildquelle: Deutsche Diabetes-Gesellschaft (DDG)

zuletzt bearbeitet: 15.05.2010 nach oben

Unterstützer der DiabSite:

Lasar Liepins

Lasar Liepins

Weitere Angebote:

Diabetes- und weitere Infos in Fremdsprachen

Angesichts der vielen Flüchtlinge zeigt DiabSite, wo es Diabetes- und weitere Gesundheitsinfos auf Arabisch, Persisch, Russisch etc. gibt.