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Die Lebensqualität steigern und Folgeerkrankungen vorbeugen

Abstract zum Vortrag von Dr. med. Alexander Risse im Rahmen der Pressekonferenz zur 45. Jahrestagung der Deutschen Diabetes-Gesellschaft (DDG) am 14. Mai 2010 in Stuttgart.

Die Therapietreue der Patienten fördern

Aktuelle Ergebnisse und Konzepte

Dr. med. Alexander Risse "Therapietreue" als moderne semantische Variante impliziert üblicherweise "compliance". Das Wort Compliance (englisch "Befolgung") bezeichnet die Einhaltung von Verhaltensmaßregeln, Gesetzen und Richtlinien durch Patienten, (...), ein Maß für die Dehnbarkeit von Körperstrukturen.

In der Organmedizin steht die naturwissenschaftlich begründete Reparatur der Körpermaschine des Patienten ganz im Vordergrund des Interesses. Diabetologie versteht sich vornehmlich als Teil dieser naturwissenschaftlich begründeten Medizin. Claire Bradley, eine englische Psychologin, hat nach der Beobachtung von Diabetologen-Kongressen einen Humunculus gezeichnet, der die Bewertung durch Ärzte schlagartig visualisiert:

In diesem Homunculus kommt die sogenannte "Lebensqualität" des Patienten nicht vor. Entsprechend spärlich sind die Forschungsaktivitäten und -ergebnisse auf diesem Gebiet. "Therapietreue" wird vom Patienten erwartet, damit die Handlungsanweisungen des Arztes ihre Effizienz realisieren können. Entsprechend wird folgerichtig von "Therapiezielen" ,die der Arzt definiert, gesprochen. Therapeuten, die in diesem Paradigma arbeiten, reden charakteristischerweise von "meinen" Patienten, die Denkstilgruppe von "unseren Patienten".

Alternative Versuche, das Arzt-Patienten-Verhältnis zu definieren, finden sich in manchen Publikationen ("informed consent" etc.), führen aber in der Praxis ein Schattendasein.

Lebensqualität und Therapietreue scheitern häufig an banalen Problemen: Ein Beispiel sei genannt: Viele ältere Patienten leiden an einem hirnorganischen Psychosyndrom. Hierdurch wird der mittlerweile übliche häufige Präparatewechsel aus ökonomischen Zwängen zur Ursache dauernder Verwirrung.

Ein zweites Beispiel: Patienten mit Fuß-Läsionen leiden grundsätzlich an einer Nervenstörung. Diese bedingt in anthropologischere Perspektive "Leibesinselschwund". Durch Änderung der anthropologischen Matrix wird der Versuch, eine sichere Druckentlastung des Fußes sicherzustellen, zur Aporie. Aporien induzieren beim Versuch ihrer Lösung Aggression oder Resignation. Wird die eine oder die andere Variante an den Patienten ausagiert, leidet die Lebensqualität, Therapietreue wandelt sich in "Als-ob-Medizin".

Lösungsmöglichkeiten

  1. Wie bei allen chronischen Erkrankungen und ihrer Therapie steht die "Auftragsklärung" am Anfang (und wird realiter kategorisch verpasst)
    a. i. e.: S.DeShazer: Patientenstatus: Kunde, Klagender, Besucher
  2. Das Hirnorganische Psychosyndrom müsste durch psychopathologische Kompetenz diagnostiziert werden können. a. Dann böte das geriatrisch Fachgebiet ggf. Tools der Therapie.
  3. "Leibesinselschwund" müsste nach der neurologischen Diagnostik auch anthropologisch richtig bewertet werden können.
    a. Dann könnte das Problem der Druckentlastung rational und affektfrei angegangen werden.
  4. Im klassischen Setting bleiben eigentlich nur zwei Möglichkeiten:
    a. Anreizsysteme
    b. Zwangssysteme
  5. BEIDE erfordern die Kontrolle der Einhaltung … die Konsequenzen können bequem bei Juli Zeh in ihrem Roman "Corpus delicti" nachgelesen werden&nbsp:...

(Es gilt das gesprochene Wort!)

Bildunterschrift: Dr. med. Alexander Risse, Leitender Arzt Diabeteszentrum Medizinische Klinik Nord, Dortmund.
Bildquelle: Deutsche Diabetes-Gesellschaft (DDG)

zuletzt bearbeitet: 15.05.2010 nach oben

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