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"Für mich stehen die Patienten im Mittelpunkt"

Andrea Siebenhofer-Kroitzsch ist neue Professorin für chronische Krankheiten und Versorgungsforschung an der Goethe-Universität

Bereits als Medizinstudentin in Graz war Andrea Siebenhofer-Kroitzsch an einer Studie zur ambulanten Schulung von Patienten mit Typ-2-Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit) beteiligt. Aus dieser Erfahrung entwickelte sich später ihre Vorliebe für die klinische Forschung mit dem Schwerpunkt chronische Krankheiten, insbesondere Diabetes und Bluthochdruck - Erkrankungen, von denen immer mehr Menschen betroffen sind.

"Schon damals war ich fasziniert davon, welche Qualitätsverbesserung sich bei der Versorgung dieser Patienten erreichen lässt, wenn man sie durch strukturierte Schulungen lehrt, selbst den Blutdruck oder Zuckerwert zu messen und ihre Medikamente entsprechend zu dosieren", erzählt sie. Als leitende Oberärztin in der Ambulanz für Hämostaseologie (Lehre von der Blutgerinnung) betreute sie Patienten mit Bluterkrankrankheit (Hämophilie) und baute ein Schulungszentrum für Patienten auf, die Blutgerinnungshemmer (Antikoagulantien) einnehmen müssen.

Ihrer Überzeugung folgend, dass sich neue Therapie-Ansätze in der Praxis bewähren müssen, gründete Siebenhofer-Kroitzsch 2005 ein Review Center für Evidenzbasierte Medizin (EbM) an der Medizinischen Universität Graz. Als einzige österreichische Wissenschaftler arbeiteten sie und ihre Mitarbeiter als externe Gutachter für das deutsche Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen IQWiG in Köln.

Schwerpunkt waren auch hier Diabetes mellitus und Bluthochdruck. "Aus unseren Berichten für das IQWiG und den daraus folgenden öffentlichen Diskussionen haben wir in den letzten Jahren gelernt, dass wissenschaftlich aufgearbeitete Themen - gerade zu sehr kostspieligen Interventionen - auch zur Versachlichung der häufig emotional überladenen Kontroversen in verschiedenen Gesundheitsbereichen beitragen", resümiert sie ihre Arbeit.

Seit Oktober 2009 hat Siebenhofer-Kroitzsch nun die neu eingerichtete Professur für Chronische Krankheit und Versorgungsforschung am Institut für Allgemeinmedizin der Goethe-Universität inne. "Das Frankfurter Institut unter der Leitung von Prof. Ferdinand Gerlach bietet eine spannende und anregende Umgebung für mein Forschungsgebiet", urteilt sie.

Auch in Frankfurt möchte sie strukturierte Schulungen für chronisch kranke Patienten etablieren, Disease Management-Programme weiterentwickeln und evidenzbasierte Patienteninformationen erarbeiten. Dabei geht es unter anderem darum, übergreifende Behandlungsprinzipien für die Versorgung von Patienten mit chronischen Erkrankungen sowie Mehrfacherkrankten zu erproben. Ein Schwerpunkt sind auch spezielle Aspekte der Frauengesundheit in der primärärztlichen Versorgung.

Universitäts-Vizepräsident Prof. Manfred Schubert-Zsilavecz würdigte, dass die Hochschule eine hervorragend qualifizierte Forscherin aus seinem Heimatland Österreich für die Professur gewinnen konnte: "Das übergeordnete Ziel des Arbeitsbereichs von Andrea Siebenhofer-Kroitzsch ist ein Umdenken bei der Betreuung chronisch Kranker hin zu einer pro-aktiv vorausschauenden optimierten Versorgung. Dazu gehört auch die Implementierung von evidenzbasierten Patienteninformationen als Basis für eine partizipative Entscheidungsfindung". Auch der Fachbereich Medizin zeigt sich über die kompetente Verstärkung erfreut: "Unsere Gesellschaft steht vor großen Herausforderungen im Gesundheitssystem. Der demographische Wandel und die veränderten Lebensgewohnheiten sorgen für einen dramatischen Anstieg der chronischen Krankheiten.

Wir benötigen eine starke Gesundheitsforschung, und Frau Prof. Siebenhofer-Kroitzsch ist genau die richtige Person, um diesen Schwerpunkt zu stärken. Hier wollen wir in Frankfurt Impulsgeber werden", betonte Prof. Josef Pfeilschifter, Dekan des Fachbereichs Medizin.

zuletzt bearbeitet: 04.03.2010 nach oben

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