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Universitätsklinikum Heidelberg eröffnet interdisziplinäres Adipositaszentrum

Innovative medizinische Konzepte gegen starkes Übergewicht

Auftaktveranstaltung für Interessierte und Hausärzte am 3. März 2010 in der Medizinischen Universitätsklinik Heidelberg

Starkes Übergewicht ist Risikofaktor Nummer 1 für viele chronische Erkrankungen und muss behandelt werden. Dafür ist eine gut abgestimmte Behandlung durch Ärzte verschiedener Fachrichtungen erforderlich. Das Universitätsklinikum Heidelberg hat ein interdisziplinäres Adipositaszentrum gegründet, das am 3. März 2010 mit einer Veranstaltung für niedergelassene Ärzte und alle Interessenten in der Medizinischen Universitätsklinik eröffnet wird.

In dem neuen Zentrum werden medizinische und psychische Ursachen der Fettleibigkeit individuell abgeklärt und Abnehmprogramme, verbunden mit sportlichen Aktivitäten und psychosomatischer Betreuung, angeboten. Für Patienten mit resistentem, ausgeprägtem Übergewicht stehen verschiedene Magenoperationen zur Verfügung, die das Sättigungsgefühl beeinflussen und voraussichtlich auch eine begleitende Zuckerkrankheit (Diabetes) beheben können.

Medizinische Ursachen des Übergewichts werden abgeklärt und behandelt

Übergewicht ist in Deutschland nahezu Normalität: 75 Prozent der Männer und 59 Prozent der Frauen sind betroffen, rund 20 Prozent sind schwer fettleibig. Die Mediziner halten kontrolliertes Abspecken ab einem Body-Mass-Index (Gewicht geteilt durch das Quadrat der Körpergröße) von 30 für erforderlich. "Denn derart massives Übergewicht geht einher mit Diabetes, Bluthochdruck und Gelenkproblemen", erklärt Professor Dr. Peter Nawroth, Ärztlicher Direktor der Abteilung Stoffwechsel und Endokrinologie der Medizinischen Universitätsklinik Heidelberg.

Im Heidelberger Adipositaszentrum werden zunächst behandelbare Ursachen ausgeschlossen: Liegen Hormonstörungen, z. B. der Schilddrüse, zugrunde? Gibt es psychische Ursachen? Der Hormonhaushalt ist nur bei rund zwei Prozent der Betroffenen entgleist. Psychische Probleme etwa durch Depression oder Essstörungen schlagen sich dagegen häufiger in überzähligen Pfunden nieder. Das Heidelberger Zentrum bietet diesen Patienten medizinische Behandlung und Psychotherapie an; abgespeckt wird mit einer kalorienarmen Ersatznahrung in speziellen Kursen, die von einer Bewegungstherapie, insbesondere Schwimmen oder Nordic Walking, begleitet wird.

Bei resistenter Fettleibigkeit hilft nur noch eine Magenoperation

Ein guter Teil der stark adipösen Bevölkerung schafft es nicht, auf diesem Wege die überzähligen Pfunde langfristig los zu werden. "Für diese Patienten ist eine Magenoperation eine Option", erklärt Privatdozent Dr. Beat Müller, Chirurgische Universitätsklinik Heidelberg (Geschäftsführender Direktor: Professor Dr. Markus W. Büchler).

Im Heidelberger Zentrum werden verschiedene Verfahren angeboten, mit denen sich eine Gewichtsreduktion um bis zu 70 Prozent unter vertretbarem Risiko erreichen lässt: Entweder wird der Magenzugang durch ein Band abgeschnürt oder durch einen Bypass umgangen. Aussichtsreicher erscheint jedoch die "Magen-Sleeve-Resektion", eine starke Verkleinerung des Magens. An der Heidelberger Klinik wird derzeit eine Studie durchgeführt, die Vorteile und Risiken dieses Verfahrens abklärt.

Weitere Informationen über das Adipositaszentrum des Universitätsklinikums Heidelberg im Internet: www.klinikum.uni-heidelberg.de/Startseite-Adipositas-Zentrum-Rhein-Neckar.

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zuletzt bearbeitet: 25.02.2010 nach oben

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