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Der Volkskrankheit Nr. 1 auf der Spur

RWTH-Wissenschaftlerin gelingt wichtiger Schritt im Kampf gegen die Atherosklerose

Weltweit forschen Wissenschaftler an Ursachen, Diagnoseverfahren und Therapiemöglichkeiten der Todesursache Nr. 1 in der westlichen Welt. Ein großer Schritt im Kampf gegen Herz- und Gefäßerkrankungen ist nun einer jungen Wissenschaftlerin der RWTH Aachen gelungen.

Professor Dr. Esther Lutgens forscht seit etwa einem Jahr am Institut für Molekulare Herz-Kreislaufforschung (IMCAR) unter Leitung des renommierten Kardiologen Univ.-Prof. Dr. Christian Weber. Im November 2008 verlieh ihr die Alexander von Humboldt-Stiftung den Sofja-Kovalevskaja-Preis, weil die Niederländerin mit ihren Forschungsarbeiten dazu beitrage, dass sich die Hoffnungen auf eine wirksame Therapie der Atherosklerose künftig erfüllen könnten.

Bei der sprichwörtlichen Volkskrankheit, die durch Risikofaktoren wie Übergewicht, Bluthochdruck, Rauchen oder Diabetes begünstigt wird, lagern sich Gewebeschichten - sogenannte Plaques - an der Innenwand von Blutgefäßen ab und sammeln sich dort. Diese Ablagerungen sind allerdings schon bei Säuglingen zu beobachten. "Besonders gefährlich werden die Plaquestücke, wenn sie plötzlich aufbrechen - das heißt symptomatisch werden - und die Arterie durch Thrombosebildung auf der bestehenden Plaque verschließen", erklärt Professor Weber, der mit seinen Forschungsteams intensiv an Diagnose- und Therapiemöglichkeiten von Herz- und Gefäßerkrankungen - auch im Forschungsverbund mit der Universität Maastricht - arbeitet. Verschließt das Plaquegerinsel Arterien, die unmittelbar zum Herz oder Gehirn führen, drohen Infarkt bzw. Schlaganfall. Dies geschieht besonders häufig bei älteren Patienten.

Esther Lutgens, die an der Maastrichter Universität Medizin studierte, hat im Laufe ihrer Forschungsarbeit ein Molekül des menschlichen Immunsystems gefunden, das möglicherweise Schlüssel für eine erfolgreiche Therapie ist. Hemmt man das Molekül, das den Namen CD40L trägt, so wird nicht nur das Wachstum der Plaque unterdrückt, sondern auch die Entzündung, die dazu führt, dass Plaquestücke herausbrechen und Arterien verschließen. Doch die Hemmung des Moleküls birgt ein großes Problem: Es ist nämlich wichtig für die Immunabwehr des menschlichen Körpers.

Formuliertes Ziel der niederländischen Wissenschaftlerin ist es, einen Weg zu finden, der zwar das Molekül davon abhält, das Wachstum der Plaque und eine Entzündungsbildung zu forcieren, es andererseits aber nicht davon abhält, die Immunabwehr zu unterstützen. Nur das Plaquegewebe soll folglich gegen CD40L unempfindlich gemacht werden, so dass das Molekül in anderen Zellen ungehemmt seine wichtige Funktion entfalten kann. Revolutionär sind daher die Ergebnisse, die die Professorin an der RWTH erzielen konnte und nun in der medizinischen Fachzeitschrift "Journal of Experimental Medicine" erstmals veröffentlicht.

Bei der Untersuchung menschlichen Gefäßmaterials und vor allem unter Zuhilfenahme von genetisch veränderten Mäusen, konnte sie im direkten Vergleich von symptomatischen mit nicht-symptomatischen, stabilen - Plaques feststellen, dass es ein spezifisches Übermittlungssignal gibt, das erst dem Molekül CD40L den Weg bereitet, Wachstum und Aufbrechen der Plaque zu ermöglichen. Dieses Übermittlungssignal ist das Rezeptor-Adapterprotein mit dem Namen TRAF6.

Der Nachweis der Verbindung CD40-TRAF6 im Blutserum anhand eines Tests würde einen großen Schritt in der Diagnostik von Herz- und Gefäßerkrankungen darstellen, seine klinische Erprobung ist dank der Forschungsergebnisse von Esther Lutgens greifbar. Das nächste formulierte Ziel ist nun die Entwicklung eines Medikaments, das die Verbindung CD40-TRAF6 unterdrückt, gleichzeitig aber die wichtige Immunabwehrfunktion des Moleküls CD40 aufrecht erhält. "Wir sind sehr zuversichtlich, dass durch unsere Forschungsergebnisse in einigen Jahren ein Medikament zur Behandlung von Atherosklerose auf den Markt gebracht werden kann", so Esther Lutgens.

zuletzt bearbeitet: 28.01.2010 nach oben

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Dr. phil. Axel Hirsch

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