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Doppeldiagnose Adipositas und Diabetes:

Welche Therapien helfen Patienten?

Vortrag Professor Dr. med. Andreas Hamann, Tagungspräsident Deutsche Adipositas-Gesellschaft (DAG) und Chefarzt der Diabetes-Klinik Bad Nauheim

Professor Dr. med. Andreas Hamann Unter allen Begleiterkrankungen der Adipositas besteht die engste Verbindung zum Typ-2-Diabetes. Die Lebensstilintervention als Basis der Behandlung des Typ-2-Diabetes beinhaltet mit Schulung, Umstellung der Ernährung sowie Motivation zu vermehrter körperlicher Bewegung die gleichen Prinzipien, wie sie auch essentieller Bestandteil jeglicher Adipositastherapie sind. Eine nur moderate Gewichtsabnahme von zirka fünf Kilogramm kann bei Patienten mit gestörter Glukosetoleranz das Risiko für die Entstehung eines manifesten Diabetes mellitus um zirka 60 Prozent senken. Die gleiche Gewichtsabnahme bewirkt bei neu diagnostiziertem Typ-2-Diabetes eine Abnahme des HbA1c-Wertes um etwa zwei Prozent. Dieses entspricht einem stärkeren Effekt auf den Blutzuckerspiegel, als es im Mittel mit etablierten oralen Antidiabetika zu erwarten ist.

Doch auch die sehr moderaten Ziele der Lebensstilintervention, die in den gemeinsamen Leitlinien der Deutschen Diabetes-Gesellschaft und der Deutschen Adipositas-Gesellschaft genannt sind, werden von den meisten Patienten nicht erreicht. Mehr noch: Ein hoher Anteil an Patienten mit Diabetes nimmt unter der antidiabetischen Therapie sogar noch deutlich weiter an Gewicht zu.

Eine erfolgreiche Adipositastherapie erfordert daher in vielerlei Hinsicht ein Umdenken und die Etablierung neuer Therapiestrategien. Das Körpergewicht muss von Beginn an in die Planung der Therapie von Patienten mit Diabetes einbezogen werden. Erfreulicherweise hat in den letzten Jahren diesbezüglich in der Diabetologie ein Umdenken eingesetzt. Diabetolog/inn/en und Diabetesberater/innen interessieren sich mehr als je zuvor für das Thema Adipositas und bei allen Neuentwicklungen von Antidiabetika stellt der Effekt auf das Körpergewicht einen wichtigen sekundären Parameter dar. Es lag daher nahe, nach der gemeinsamen Erstellung von Leitlinien zur Therapie von Adipositas auch endlich einmal eine gemeinsame Tagung von Deutscher Adipositas-Gesellschaft und Deutscher Diabetes-Gesellschaft abzuhalten.

Erfolgreiche und nachhaltige Behandlung von Adipositas ist auch erfolgreiche Diabetestherapie oder stellt zumindest eine wichtige Präventionsmaßnahme gegenüber der Entstehung eines Typ-2-Diabetes dar. Besonderes Augenmerk gilt bei der gemeinsamen Tagung den Kindern und Jugendlichen, aber auch dem Thema Nachhaltigkeit der Therapie sowie der erfolgreichen Behandlung vermeintlich schwieriger Patienten. Neben der Lebensstilintervention sollen Strategien der pharmakologischen und chirurgischen Therapie interdisziplinär und möglichst frei von Ideologien diskutiert werden.

Viel zu gering ist die Zahl der qualifizierten und interdisziplinär ausgerichteten Behandlungseinrichtungen für adipöse Patienten. Und zu wenige Daten existieren weiterhin über nachhaltig erfolgreiche Therapieansätze. Es muss ein wichtiges Ziel bleiben, in qualifizierten Behandlungseinrichtungen neue Therapiestrategien zu evaluieren, insbesondere im Hinblick auf ihren langfristigen Erfolg.

Die gemeinsame Tagung soll nicht zuletzt die vielen diabetologischen Schwerpunkteinrichtungen motivieren, sich mit ihrer vorhandenen Infrastruktur zukünftig auch verstärkt als Behandlungseinrichtungen für Adipositas zu verstehen, dafür weiterzuqualifizieren und sich einer zukünftigen Zertifizierung zu unterziehen.

Bildunterschrift: Professor Dr. med. Andreas Hamann
Bildquelle: Deutsche Diabetes-Gesellschaft

zuletzt bearbeitet: 05.11.2009 nach oben

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