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Diabetiker bezwingt Cho Oyu, den sechsthöchsten Berg der Erde (8.201 m)

Pressemitteilung: Bayer Vital GmbH

Geri Winkler und die Göttin des Türkis

Diabetiker Geri Winkler auf dem Gipfel der Cho Oyu Von Eisgiganten und Siebentausendern überragt verbrachte der Typ-1-Diabetiker und Weltenbummler Geri Winkler die letzten Wochen im September 2009. Zusammen mit einem 16-köpfigen Team hatte er sich aufgemacht, um den Gipfel des Cho Oyu in Tibet im alpinen Stil, das heißt ohne Hilfsmittel wie Fixseile und Leitern, zu erreichen. Jetzt ist er wieder zurück in Wien, doch seine Gedanken sind immer noch bei der "Göttin des Türkis", wie der sechsthöchste Berg der Erde aufgrund seines Leuchtens im späten Nachmittagslicht auch genannt wird.

Mit der Besteigung im alpinen Stil wollte sich der Österreicher den Traum vieler Bergsteiger erfüllen, einmal einen Achttausender ohne all die Technik zu bezwingen, wie sie zum Beispiel bei der Besteigung des Mount Everest nahezu unverzichtbar ist. Er wollte die Natur dort oben auf dem Dach der Welt so ursprünglich wie nur irgend möglich erleben. Bei seinen bisherigen Abenteuern hatte ihn sein Diabetes nicht aufhalten können.

Die Stoffwechselstörung wurde bei ihm 1984 diagnostiziert; seine Bauchspeicheldrüse produziert das lebensnotwendige Hormon Insulin nicht mehr. "Dank guter Vorbereitung, einer angepassten Therapie und einem verlässlichen Blutzuckermessgerät kann ich mir meine Träume trotz der chronischen Erkrankung erfüllen", sagt Geri Winkler. So geht es ihm bei seinen Projekten nicht um Höchstleistungen, sondern darum, sein Leben intensiv zu leben, ohne sich einschränken zu lassen.

Alles war perfekt geplant. Dem Aufstieg auf den Gipfel des Cho Oyu, nur wenige Kilometer vom Mount Everest entfernt, waren mehrere Aufstiege in immer größere Höhen vorausgegangen. Schrittweise passte sich das internationale Team aus acht Kletterern, zwei Bergführern und sechs Sherpa an die sauerstoffarme Umgebung an. Noch eine weitere Vorbereitung war nötig: "Einer unserer Sherpa war Mönch und feierte mit uns die Puja-Zeremonie, um den Berg, der für die Einheimischen eine Gottheit ist, um Gnade zu bitten. Vor dem Start errichteten wir einen Altar, legten Eispickel und Steigeisen darunter und fügten Speisen und Getränke als Opfergabe bei."

"Zu Beginn der Expedition schäumte ich über vor Energie, fühlte mich fit und konnte es kaum erwarten, endlich loszugehen", erinnert sich der 53-jährige Österreicher. Bereits der beschwerliche Aufstieg über Moränenschutt und den sogenannten Killerhang aus losem Geröll zum Lager I in 6.400 Meter Höhe wurde mit großartigen Bildern belohnt: "Umgeben von senkrechten Eiswänden arbeiteten wir uns Meter für Meter höher und konnten bald die gesamte Route zum Gipfel einsehen."

Zwei Tage später bekam Winkler Probleme mit Magen und Speiseröhre, außerdem litt er unter Dehydrierung. "Von da an musste ich meiner Fitness hinterherlaufen und hoffen, dass die Ruhetage ausreichen, um mich für den nächsten Aufstieg in Schwung zu bringen", erinnert sich der Abenteurer. Das große Ziel, den Berg gänzlich ohne Zuhilfenahme von künstlichem Sauerstoff zu bewältigen, hatte er für die letzten 650 Höhenmeter aufgegeben.

"Aufgrund der Höhe laufen alle Bewegungen unendlich langsam ab. Manchmal dauerte es zwei Stunden, bis wir unseren Tee getrunken, etwas gegessen und uns im Schlafsack angezogen hatten", erklärt Geri Winkler. Zusätzlich machte die eisige Kälte zu schaffen: "Um die Steigeisen anzulegen, brauchten wir nur wenige Sekunden und dennoch erstarrten unsere Finger fast zu Eis." Diese Strapazen wurden durch das einmalige Erlebnis wett gemacht wurden: "Das ist eine völlig andere Welt dort oben. Senkrechte Steilwände und das Spiel aus Eiszacken, Wolken und der untergehenden Sonne sind atemberaubend. Wir hatten nur noch Augen für die Berge."

Das Erreichen des Gipfels kam daher unvermittelt. "In den weiten Schneeflächen setzen wir nur noch stumpf einen Schritt vor den anderen, als ob dies ewig so weitergehen müsste", erinnert sich Winkler. Dann erklomm die Gruppe eine Kuppe, dahinter eine kleine Fläche mit tibetischen Gebetsfahnen im Schnee – das Ziel war erreicht! "Wir fallen uns in die Arme und blicken wie gebannt auf die Wolkendecke unter uns. Ein Bergmassiv ragt markant aus diesem weißen Meer heraus, zum Greifen nahe - der Mount Everest und der Lotse, kaum höher als unser Standort. Das Schönste ist, dass wir es alle geschafft haben und das Gefühl, auf einem der höchsten Berge der Erde zu stehen, gemeinsam genießen konnten", sagt Geri Winkler.

Auch einen Monat später, zurück in Wien, bleibt der Österreicher dabei: "Die Expedition zum Cho Oyu war eines der größten Bergerlebnisse meines Lebens." Er hadert nicht länger damit, dass er auf künstlichen Sauerstoff zurück gegriffen hat, und ist froh, dass er auf die Warnsignale seines Körpers reagiert hat und kein zusätzliches Risiko eingegangen ist.

Es bleibt für ihn allerdings die Fragestellung, ob die Dehydrierung ein Hauptproblem für Bergsteiger mit Diabetes ist. Es gebe zu wenig Untersuchungen und Unterstützung für sportlich aktive Diabetiker und "der Hinweis, dass Sport für Diabetiker gesund ist, wird meist kombiniert mit vielen Ge- und Verboten, so dass vielen die Lust auf Sport und Abenteuer vergeht."

Geri Winkler wird weiterhin seinen Lebenstraum leben, denn er weiß: Mit guter Vorbereitung, einer angepassten Therapie und verlässlicher Medizintechnik ist auch für Menschen mit Diabetes – fast – alles möglich.

Über Geri Winkler

Geri Winkler wurde 1956 in Wien geboren und ist seit 24 Jahren Typ-1-Diabetiker. Seine Leidenschaft gilt dem Erleben fremder Länder, Kulturen und Gemeinschaften. Am liebsten erschließt er sich diese Welten zu Fuß oder mit dem Fahrrad. Am 20. Mai 2006 erreichte er den 8.850 Meter hohen Gipfel des Mount Everest. Es war der längste Aufstieg aller Zeiten, denn Geri Winkler begann seine Besteigung am tiefstgelegenen Punkt dieser Erde, am Ufer des Toten Meeres in Jordanien – 411 Meter unter dem Meeresspiegel. Solo, mit dem Fahrrad und letztlich zu Fuß erreichte er in fünf Monaten die Basis des höchsten Berges der Erde, dessen Gipfel er dann gemeinsam mit einer amerikanischen Expedition bestieg. Bei all seinen Expeditionen vertraut er auf sein Blutzuckermessgerät von Bayer.

Bildunterschrift: Geri Winkler auf dem Cho Oyu
Bildquelle: Bayer Vital GmbH

zuletzt bearbeitet: 29.10.2009 nach oben

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