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Diabetes: Prävention und Aufklärung

Pressemitteilung: Elisabeth-Krankenhaus

Was jeder selbst für seine Gesundheit tun kann

Der Welt-Diabetes-Tag wurde 1991 von der Weltgesundheitsorganisation und der International Diabetes Federation ins Leben gerufen, um auf die wachsende Verbreitung der Zuckerkrankheit aufmerksam zu machen. Als Tag wählte man den 14. November – den Geburtstag von Frederick Banting, einem der Entdecker des Insulins. Seit nunmehr zwei Jahren ist der jährliche Aktionstag auch ein offizielles Datum der Vereinten Nationen. Diabetes mellitus ist damit nach AIDS die zweite Krankheit, die einen offiziellen UN-Tag erhalten hat. In jedem Jahr stand der Tag bisher unter einem anderen Motto. So richtete man den Fokus in der Vergangenheit beispielsweise auf die Gefahren, die den Füßen, den Augen oder den Herzen der Diabetiker drohen. Die kommenden Jahre haben nun ein gemeinsames Motto: 'Prevention and Education' lautet es von 2009 bis 2013.

Natürlich kann man sich fragen, was bringen solche Gesundheitstage überhaupt? Sind sie nicht nur ein weiterer Eintrag im Kalender? Haben solche Tage für das tägliche Leben tatsächlich eine Bedeutung? "Gerade Aufklärung und Vorbeugung – wie es das aktuelle Motto fordert – ist bei einer Krankheit wie dem Diabetes außerordentlich wichtig", unterstreicht Dr. Birgit Tillenburg, Leiterin des Diabetes-Zentrums am Elisabeth-Krankenhaus Essen, einem der ersten Häuser in der Bundesrepublik, das von der Deutschen Diabetes-Gesellschaft als 'Klinisches Diabeteszentrum' zertifiziert wurde. "Ein großer Teil der Diabeteserkrankungen könnte durch eine entsprechende Lebensweise verhindert oder aber zumindest der Zeitpunkt des Ausbruchs hinausgezögert werden. Auch viele Patienten, die bereits erkrankt sind, haben es weitgehend in der Hand, ob und wann die gefürchteten Folgeschäden der Erkrankung auftreten. Aktionstage sind ein guter Anlass, die Menschen darüber zu informieren, was sie selbst für ihre Gesundheit tun können."

Wohlstandskrankheit

Diabetes mellitus ist eine Störung des Stoffwechselsystems und nimmt vor allem in den Industrienationen seit Jahren kontinuierlich zu. Im Blut der Betroffenen zirkuliert zuviel Glucose – also Zucker. Die Ursache dafür ist eine fehlerhafte oder fehlende Wirkung des Insulins – ein Hormon, das in bestimmten Zellen der Bauchspeicheldrüse gebildet wird. Insulin bewirkt, dass der Energiespender Zucker aus dem Blut in die Körperzellen gelangt.

Es gibt verschiedene Arten der Zuckerkrankheit. Der Diabetes Typ 1 tritt zumeist bei jüngeren Menschen zum ersten Mal auf. Er entsteht aufgrund einer Autoimmunerkrankung, bei der das körpereigene Abwehrsystem die insulinproduzierenden Zellen zerstört. Fast 95 Prozent der Diabetiker leiden jedoch unter Diabetes Typ 2 – häufig auch Altersdiabetes genannt. Im Gegensatz zum Typ-1-Diabetes wird bei dieser Form zwar noch Insulin gebildet, die Körperzellen reagieren aber nicht mehr richtig darauf.

Die häufigste Ursache hierfür ist Überernährung: Durch übermäßige Kalorienzufuhr muss im Körper vermehrt Insulin gebildet werden. Außerdem nimmt die Empfindlichkeit der Körperzellen gegenüber dem Hormon ab. Um dies auszugleichen und den Blutzuckerspiegel zu senken, bildet die Bauchspeicheldrüse immer mehr Insulin. Irgendwann sind die zuständigen Zellen überfordert und die Produktion bricht zusammen.

"Zwar spielen Erbfaktoren und zunehmendes Alter bei der Entwicklung eines Typ-2-Diabetes eine Rolle, ob bzw. wann die Krankheit ausbricht, ist jedoch häufig von den Lebensumständen abhängig", so Dr. Tillenburg. "Wenn man bedenkt, dass derzeit über die Hälfte der Deutschen zu dick ist, kann man sich ausmalen, dass die Anzahl der Diabetiker in den nächsten Jahren weiter signifikant ansteigen wird. Auf Grund von Bewegungsmangel und Übergewicht erkrankten in den letzten Jahren sogar immer mehr Kinder am Altersdiabetes. Das ist erschreckend, denn noch vor wenigen Jahren gab es die Krankheit bei so jungen Menschen praktisch nicht."

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Zufallsbefund

In Deutschland leben über sechs Millionen Diabetiker. Laut Schätzungen wissen mindestens ein Drittel nicht, dass sie erkrankt sind. Das liegt vor allem daran, dass der Typ-2-Diabetes nicht weh tut und sich nur durch unspezifische Frühsymptome wie Mattheit, Infektanfälligkeit, Sehstörungen, Durstgefühl und vermehrtem Harndrang bemerkbar macht. Da diese ersten Warnzeichen oft nicht ernst genommen werden, vergehen häufig mehrere Jahre, bis die Diagnose gestellt wird.

Wird eine Erkrankung aber nicht rechtzeitig erkannt oder nicht fachmännisch behandelt, können die Folgen dramatisch sein. Die Blutgefäße und viele Organe werden durch den Zucker angegriffen. Unter anderem können Nierenprobleme, Augenerkrankungen, Schlaganfall und Herzinfarkt auftreten. Gefühlsstörungen in den Füßen können in Kombination mit Durchblutungsstörungen zu nicht heilenden Wunden führen, die sogar Amputationen nach sich ziehen können.

Die Überzuckerung, die auf Insulinmangel folgt, kann zum diabetischen Koma bis hin zum Tod führen. Vorbeugend sollte deshalb jeder – und besonders die Personen, in deren Familien bereits Diabeteserkrankungen aufgetreten sind – auf sein Gewicht, seine Ernährung und ausreichende Bewegung achten. Zahlreiche Studien bei Patienten mit gestörter Glukosetoleranz, der Vorstufe eines Diabetes Typ 2, haben gezeigt, dass das Risiko zu erkranken um bis zu 58 Prozent reduziert werden kann, wenn die Menschen ihre Ernährungsgewohnheiten umstellen und ihre körperlichen Aktivitäten steigern.

"Dieser positive Effekt stellt sich oft schon bei einer Gewichtsreduktion von nur zwei bis fünf Kilogramm ein", so Dr. Tillenburg. "Personen, die Diabetiker in der engeren Familie haben und/oder Übergewicht sind, können ihre Blutzuckerwerte testen lassen. Eine Kontrolle kann einfach und schnell beim Hausarzt oder in der Apotheke durchgeführt werden – außer einem kleinen Pieks merkt man nichts davon."

Sinnvolle Ziele setzen

Liegt eine Diabeteskrankheit vor, sollten die Betroffenen alles tun, um ihren Blutzucker im Normbereich zu halten. Die Ernährung muss so umgestellt werden, dass die Kalorienzufuhr auf die Bedürfnisse des Erkrankten zugeschnitten ist – was nicht bedeutet, dass man grundsätzlich auf jeden Genuss verzichten muss. Die medikamentöse Therapie mit Tabletten oder Insulininjektionen spielt in vielen Fällen ebenfalls eine entscheidende Rolle. "Rauchen ist für Diabetiker besonders gefährlich", mahnt Dr. Tillenburg.

"Die Wahrscheinlichkeit vieler Folgeerkrankungen steigt außerdem, wenn zusätzlich zum Diabetes Bluthochdruck auftritt. Die konsequente Behandlung des Hochdrucks ist daher unabdingbar." Eine Gewichtsreduktion und ausreichende körperliche Aktivitäten führen sowohl zu einer Verbesserung der Blutzucker- als auch der Blutdruckwerte. Um fit zu bleiben, bedarf es keines Hochleistungssports – es reicht aus, mindestens zwei Mal pro Woche eine halbe Stunde lang ins Schwitzen zu kommen. Ausdauersportarten wie z.B. Radfahren oder Joggen bieten sich dafür an.

"Aus der Praxis wissen wir allerdings, dass es bei vielen Patienten nicht ausreicht, zu sagen: 'Bewegen Sie sich mehr und essen Sie das Richtige!' Manche Betroffene benötigen auch psychische Unterstützung. In Essen wurde deshalb das sogenannte Coping Behandlungsprogramm entwickelt. Diabetiker lernen anhand ihrer individuellen Situation, Schwierigkeiten im Krankheitserleben und in der Umsetzung der Behandlung zu analysieren und sich sinnvolle Ziele zu setzen. Nur so kann bei vielen erreicht werden, dass sie auch dauerhaft gut mit ihrer Erkrankung leben können. Das ist entscheidend: Denn Diabetes ist nach wie vor nicht heilbar."

zuletzt bearbeitet: 20.10.2009 nach oben

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