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DDB und diabetesDE

Anmerkungen von Prof. Dr. med. Hermann von Lilienfeld-Toal, Stellv. Bundesvorsitzender des DDB

diabetesDE tritt mit dem Anspruch an, die gesamte Diabetologie zu umfassen: Der Vorsitzende von diabetesDE Prof. Thomas Danne sagt dazu in Diabetologie, Ausgabe 4/09, Seite 105-107: "diabetesDE hat nun das Ziel, die Anliegen von Patienten mit Diabetes, Ärzten, Diabetesberatern und Wissenschaftlern zu koordinieren und mit einer Stimme zu vertreten". In dem Editorial unter dem Titel "diabetesDE - die Vision einer gemeinsamen Diabetologie in Deutschland" wird deutlich, dass die Gründer von diabetesDE hierunter in erster Linie wissenschaftliche Studien, Maßnahmen zur Prävention und eine starke Stimme in einer wissenschaftspolitischen Diskussion über die Verteilung von begrenzten Mitteln für Studien verstehen.

Es fällt auf, dass das Editorial die in Deutschland größte Organisation in der Diabetologie, den über 35.000 Mitglieder zählenden Deutschen Diabetiker Bund, nicht einmal erwähnt. Im Gegensatz hierzu wird, der Anspruch der Organisation behauptet – siehe Zitat oben –, auch Patienten mit Diabetes, Ärzte usw. mit einer Stimme vertreten zu wollen.

Bei der augenblicklichen Lage kann diabetesDE diesem Anspruch nicht gerecht werden und wird es wahrscheinlich auch in Zukunft nicht können. Denn die für die Stimme der Patienten richtige Organisation ist eine Selbsthilfeorganisation. Einer solchen ist in Deutschland eine bestimmte Form und Funktion zugewiesen, die von diabetesDE nicht erfüllt werden. Die rechtliche Situation in Deutschland ist offensichtlich anders als in anderen Ländern.

Betroffene können, wenn sie an der Weiterentwicklung der wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit dem Diabetes interessiert sind, natürlich in eine Organisation eintreten, die von wissenschaftlich arbeitenden Ärzten sinnvollerweise dominiert wird. Aber das von diabetesDE vorgestellte Rundumversorgungsangebot für jeden Diabetiker versagt in Fragen der Vertretung von Patienten, wie sie in unserem Sozialsystem vorgesehen ist. Das können nur anerkannte Selbsthilfeorganisationen leisten.

Unsere Frage ist natürlich: Warum gehen diabetesDE und Deutscher Diabetiker Bund nicht zusammen? Warum fehlt auch nur der kleinste Hinweis in den seitenlangen Ausführungen von diabetesDE auf den Deutschen Diabetiker Bund? Lassen wir einmal das überall existierende Phänomen des "Menschelns" oder, wie es auch ausgedrückt wird, der "Chemie", die immer stimmen soll, beiseite. Wir müssen feststellen, dass der DDB in 2008 einen Satzungsentwurf für die zu gründende Organisation diabetesDE vorgelegt hatte, in dem eine Beteiligung der Selbsthilfeorganisation und damit ein Mitspracherecht für die Patienten hätten umgesetzt werden können. Die jetzt im Alleingang aktiven Verbänden Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) und Verband er Diabetesberatungs- und schulungsberufe (VDBD) wollten darüber nicht beraten. Damit wurde die Chance vertan, den Deutschen Diabetiker Bund als mitgliederstärkste Teilorganisation, die die Interessen der Patienten nachhaltig vertritt, ins Boot zu holen und damit dem Ziel "dem Diabetes eine Stimme zu geben" näher zu kommen. Warum haben es die Verantwortlichen bei DDG und VDBD abgelehnt, die jetzt zu Tage tretende Schwäche von diabetesDE im Vorfeld zu beheben? So bietet diabetesDE den Beteiligten am Diabetes weniger, als die Zahl der Beteiligten in der von DDG und VDBD gesprengten Vorläuferorganisation Deutsche Diabetes Union (DDU).

Eigentlich schade, denn natürlich wäre eine Organisation, in der alle an einem Strang ziehen, schön gewesen.

zuletzt bearbeitet: 07.07.2009 nach oben

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