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Metabolisches Gedächtnis - Implikationen für die Prävention?

Pressemitteilung: LifeScan Deutschland

Vortrag von Prof. Dr. med. Peter E.H. Schwarz, Dresden, beim LifeScan-Symposium im Rahmen der 44. DDG-Jahrestagung

Prof. Dr. med. Peter E.H. Schwarz Die konkrete und praktische Umsetzung einer wirksamen Prävention des Diabetes mellitus Typ 2 stellt für das Gesundheitswesen der Bundesrepublik Deutschland eine zentrale Herausforderung dar. Wir haben in Deutschland mittlerweile fast acht Millionen Diabetiker und rechnen im Jahr 2010 mit weiteren zusätzlichen 1,5 Millionen diagnostizierten Diabetikern. Bei 40 % der 55- bis 74-jährigen wurde eine diabetische Stoffwechsellage festgestellt. 17 % der untersuchten Personen hatten bereits einen Diabetes, 23 % eine gestörte Glukosetoleranz und/oder gestörte Nüchternglukose (IGT/IFG). Über 75 % der Patienten mit Diabetes mellitus sterben an ischämischen Gefäßkrankheiten.

Schon bei der Diagnosestellung eines Typ-2-Diabetes weisen etwa ein Drittel aller Patienten Folgeerkrankungen auf, bei jedem Vierten finden sich mikrovaskuläre und bei jedem Sechsten kardiovaskuläre Komplikationen. Ein wesentlicher Grund dafür ist, dass der Typ-2-Diabetes in bis zu 50 % der Fälle über lange Jahre unentdeckt bleibt.

Die Prävention des Diabetes mellitus mit einer Lebensstilintervention oder frühzeitiger Medikamentenanwendung bei Personen mit einem erhöhten Diabetes-Risiko (gestörte Glukosetoleranz) ist möglich - die Evidenz für die Effektivität und Effizienz der Diabetesprävention ist sehr hoch. So wurde in Interventionsstudien wiederholt gezeigt, dass durch Lebensstilintervention in einem Frühstadium der Erkrankung für fast 60 % der Betroffenen der Ausbruch des Diabetes, sowie durch frühe medikamentöse Intervention für etwa ein Viertel der Risikopersonen der Diabetes erfolgreich verhindert bzw. hinausgezögert werden konnte. Eine gezielte Intervention zur Lebensstilmodifikation stellt eine Präventionsstrategie mit folgenden Zielvorgaben dar:

Für eine erfolgreiche Diabetes-Prävention ist es erforderlich, dass die Zielvorgaben der Gewichtsreduktion und Steigerung der körperlichen Aktivität gleichermaßen umgesetzt werden. Mit der kontinuierlichen Umsetzung jedes weiteren Zielwertes steigt der Effekt in der Prävention des Diabetes. Wenn vier oder sogar alle fünf Zielvorgaben über die Studiendauer hinweg erreicht werden, ist eine fast 100-prozentige Prävention des Diabetes möglich.

Allerdings besteht bereits auch bei Personen im prädiabetischen Stadium mit einer gestörten Glukosetoleranz und z. B. belastungsabhängigen, intermittierenden postprandialen Hyperglykämien während eines häufig 9 bis 15 Jahre symptomfreien Intervalls, eine erhöhte Wahrscheinlichkeit für die Entstehung kardio- und cerebrovaskulärer Erkrankungen. Extrapoliert man in diesem Kontext neuere Erkenntnisse, dass bereits eine transiente Hyperglykämie eine Aktivierung epigenetischer Veränderungen in der Zelle mit erhöhter Genexpression induzieren kann, was auch während nachfolgender Normoglykämie langanhaltend persistiert, könnten die kurzfristigen Glukose-Erhöhungen beim Prädiabetes zukünftig auch klinische Implikationen für dieses Krankheitsbild haben. Wenn stark schwankende Glukosespiegel zu einem Stoffwechselgedächtnis mit andauernder Aktivierung von oxidativen Stress führen, liegt hier ein pathophysiologischer Mechanismus für diabetische Spätschäden im prädiabetischen Stadium vor.

Neben der frühen und konsequenten Schulung von diätetischen Ansätzen (z. B. niedriger glykämischer Index der Nahrung) und ggf. auch denkbaren pharmakologischen Interventionen zur Senkung von postprandialen Hyperglykämien, sollten zukünftig ebenfalls Daten berücksichtigt werden, dass z. B. körperliche Aktivität nicht nur die postprandialen Glukosewerte senkt, sondern auch postprandialen oxidativen Stress indirekt durch Stimulation der Aktivität von endogenen antioxidativen Enzymen reduziert.

Eine effiziente und effektive Prävention des Diabetes mellitus Typ 2 unter Beachtung der oben genannten Aspekte ist machbar. Die konkrete und praktische Umsetzung stellt für das Gesundheitswesen der Bundesrepublik Deutschland aber eine zentrale Herausforderung dar.

Quellen

  • El-Osta A. et a. Exp Med. 2008; 205 (10): 2409-17.
  • Rad C.R. et al. Diabetologia (2008) 51: (Suppl 1), abstract 57: S. 29.
  • Monnier L. JAMA. 2006;295:1681-1687.
  • Rad C.R. et al. Diabetologia (2008) 51: (Suppl 1), abstract 57: S. 29.
  • Tucker P.S. et al. Curr Diabetes Rev. 2008 (4): 309-19.

Bildunterschrift: Prof. Dr. med. Peter E.H. Schwarz
Bildquelle: LifeScan Deutschland

zuletzt bearbeitet: 26.05.2009 nach oben

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