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Diabetes ist auch eine Herzkrankheit

Gefäßerkrankungen bei Diabetikern behandeln

Herzinfarkte und Schlaganfälle sind die häufigsten Todesursachen bei Typ-2-Diabetikern. Etwa drei Viertel der Betroffenen sterben an den Folgen von Durchblutungsstörungen. Den tödlichen Ereignissen gehen langwierige Erkrankungen an Herz und Gefäßen voraus. Diese würden jedoch häufig nicht oder zu spät erkannt und behandelt, so die Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM). Sowohl Ärzte als auch Patienten müssten hier vorbeugen und konsequent behandeln. Dies forderten Experten auf dem 115. Kongress der DGIM, der vom 18. bis 22. April 2009 in Wiesbaden stattfand.

Etwa acht Millionen Menschen in Deutschland leiden an Diabetes mellitus Typ 1 und Typ 2. Die Lebenserwartung für Typ-2-Diabetiker ist im Schnitt um fünf bis zehn Jahre vermindert. Das liegt nicht zuletzt an dem hohen Infarktrisiko bei Diabetes: Nach den Ergebnissen der Augsburger MONICA-Studie erleiden männliche Diabetiker etwa vier Mal häufiger einen Herzinfarkt als ihre Geschlechtsgenossen ohne Diabetes. Bei Diabetikerinnen ist das Infarktrisiko gegenüber Nicht-Diabetikerinnen sogar um das Sechsfache erhöht. "Die Lebenszeitprognose von Diabetespatienten hängt im besonderen Maße von kardiovaskulären Begleiterkrankungen ab", sagt Professor Dr. med. Diethelm Tschöpe, Ärztlicher Direktor am Herz- und Diabeteszentrum NRW der Ruhr-Universität Bochum.

Denn ein Diabetes belastet nachweislich Herz und Kreislauf. Häufig sind bei Diabetikern kleinere und auch größere Gefäße schlecht durchblutet. Umgekehrt ist bei mehr als zwei Drittel der akut Gefäßkranken der Zuckerstoffwechsel gestört: "Der Herzinfarkt stellt bei ihnen quasi das tragische Erstsymptom des Diabetes dar", sagt Professor Tschöpe. Zudem sind Diabetiker besonders anfällig für Herzrhythmusstörungen.

"Um Diabetes und damit verbundene Herzerkrankungen optimal zu behandeln, müssen die einzelnen Fachdisziplinen noch enger zusammenarbeiten", betont auch der Vorsitzende des 115. Internistenkongresses, Professor Dr. med. Rainer Kolloch, Bielefeld. Bei der Diagnose Diabetes sei immer auch der Zustand der Gefäße zu untersuchen. Zudem wäre es sinnvoll, einen Kardiologen in die Behandlung einzubeziehen. Umgekehrt sei bei Patienten mit einer koronaren Herzerkrankung auch der Stoffwechselstatus zu erheben und der Therapieplan wenn nötig mit einem Diabetologen abzustimmen.

Um Diabetes-Patienten auch in Herz- und Gefäßangelegenheiten nach den neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen zu behandeln, steht Medizinern seit 2007 die europäische Leitlinie "Diabetes-Guidelines on diabetes, pre-diabetes and cardiovascular diseases" zur Verfügung. "Eine erfolgreiche Diabetestherapie muss sich heute an ihrer herzschützenden Effizienz messen lassen", sagt Diethelm Tschöpe.

zuletzt bearbeitet: 25.04.2009 nach oben

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