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Für eine bessere Versorgung von Arteriosklerose-Patienten:

Deutsche Gesellschaft für Angiologie veröffentlicht neue S3-Leitlinie zu PAVK

Unter der Federführung der Deutschen Gesellschaft für Angiologie (DGA) haben mehr als 20 Fachgesellschaften gemeinsam eine interdisziplinäre S3-Leitlinie zur Diagnostik und Therapie der peripheren arteriellen Verschlusskrankheit (PAVK) erarbeitet. Seit heute ist sie auf der Website der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Fachgesellschaften (AWMF) veröffentlicht. Damit löst sie die S2-Leitlinie ab, die die DGA im Jahr 2001 herausgegeben hatte.

Die neue S3-Leitlinie behandelt die chronische PAVK und den akuten Gefäßverschluss. Sie berücksichtigt dabei gezielt Daten zur Häufigkeit der Erkrankung und Versorgung von PAVK-Patienten in Deutschland. Erstmalig erhalten Ärzte wissenschaftlich fundierte Empfehlungen zur Diagnostik und Therapie von PAVK-Patienten in der Bundesrepublik.

Die Brisanz der Krankheit PAVK, verharmlosend auch "Schaufensterkrankheit" genannt, wird bis heute selbst in der medizinischen Öffentlichkeit zu wenig wahrgenommen. Hier sorgt die neue Leitlinie für Abhilfe. Im Kapitel zur Epidemiologie informiert sie kurz und prägnant: Die PAVK ist von allen Herz-Kreislauferkrankungen die mit dem höchsten Sterberisiko in Deutschland. Es ist höher als bei Patienten mit Gefäßverengungen oder -verschlüssen in Herz- und Hirnarterien. Grund dafür ist, dass die Durchblutungsstörung der Bein- und Beckenarterien von Ärzten und Patienten nach wie vor unterschätzt und folglich unterbehandelt wird. PAVK-Patienten erhalten weniger Thrombozytenfunktionshemmer als Patienten mit koronarer Herzkrankheit, ebenso bekommen sie gegen die Risikofaktoren wie zu hoher Blutdruck und zu hoher Cholesterinspiegel seltener die entsprechenden Medikamente verschrieben als Herzpatienten (REACH-Register, getABI).

Dabei ist die PAVK ein dringender Hinweis auf weitere manifeste atherosklerotische Veränderungen in anderen Gefäßregionen des Körpers. 60 Prozent aller PAVK-Patienten haben Gefäßverengungen auch in anderen Gefäßgebieten. Damit steigt das Risiko für weitere kardiovaskuläre Ereignisse wie Herzinfarkt und Schlaganfall. Auch diese Gefahr ist bei PAVK-Patienten höher als bei anderen Risikopatienten für Herz-Kreislauferkrankungen (REACH-Register: 18,1 Prozent PAVK gegenüber 15 Prozent Herz-/Schlaganfallpatienten). Das soll sich mit den neuen Leitlinien ändern. Ebenso soll mit den neuen Behandlungsempfehlungen erreicht werden, die Amputationsrate zu senken. Sie liegt momentan noch bei mehr als 60.000 Amputationen pro Jahr. Davon wäre mindestens die Hälfte vermeidbar, wenn die PAVK rechtzeitig nach den jetzt in der neuen Leitlinie festgelegten Standards behandelt würde.

Anliegen der DGA und aller beteiligten Fachgesellschaften und Autoren der neuen S3-Leitlinie ist es, dass die PAVK in Deutschland endlich angemessen diagnostiziert und therapiert wird. Rechtzeitige Diagnose und Behandlung verhütet Herzinfarkt und Schlaganfall und hilft, Amputationen zu vermeiden. Deshalb fordert die DGA, dass bei Patienten über 65 Jahren die Dopplerdruckmessung mit Kalkulation des Knöchel-Arm-Indexes zum Standardprogramm der hausärztlichen Untersuchung gehört. Mit dieser einfachen und schmerzfreien Messung kann eine Durchblutungsstörung fast immer zuverlässig erkannt werden. Bisher kann der Hausarzt diese Untersuchung jedoch nicht abrechnen. Dies ist gesundheitspolitisch unverständlich und gegenüber den Patienten nicht zu verantworten: "Viel zu viele PAVK-Kranke werden zu spät behandelt. Der Hausarzt, der die Patienten zuerst sieht, könnte leicht die preiswerte und treffsichere Dopplerdruckmessung durchführen - dann hätten wir erheblich weniger schwer kranke PAVK-Patienten", meint der DGA-Präsident Prof. Dr. Karl-Ludwig Schulte.

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zuletzt bearbeitet: 13.03.2009 nach oben

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