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Zielwerte kennen und die Bedeutung verstehen

Abstract zum Vortrag von Prof. Dr. med. Thomas Haak im Rahmen der Pressekonferenz "Gesünder unter 7" am 23. Oktober 2008 in Berlin.

HbA1c unter 7 Prozent halten

Prof. Thomas Haak Der Diabetes mellitus ist eine gesundheitspolitische, aber auch volkswirtschaftliche Herausforderung in Deutschland. Mehr als 6,5 Millionen Menschen sind hiervon betroffen. Die Dunkelziffer erscheint deutlich höher, so dass an manchen Stellen auch von 10 Millionen betroffenen Personen gesprochen wird. Mehr als 90 % aller Menschen mit Diabetes haben einen Typ-2-Diabetes, der durch Verlust der Insulinwirkung gekennzeichnet ist. Die übrigen Patienten haben einen Typ-1-Diabetes mellitus, bei dem das Hormon Insulin fehlt. Beide Diabetesformen führen zu einem Anstieg des Blutzuckers, der neben den Akutkomplikationen, wie Hypoglykämie oder diabetisches Koma, durch Langzeitschäden gekennzeichnet ist. Um Schäden zu vermeiden, gilt es, den Blutzucker normnah einzustellen.

Die Güte der Einstellung wird an der Messung des Nüchternblutzuckers, der Blutzuckeranstiege nach Mahlzeiten und dem sogenannten Langzeitblutzuckerwert, dem HbA1c, beurteilt. Der HbA1c-Wert repräsentiert den Anteil des roten Blutfarbstoffes (Hämoglobin), der durch Traubenzucker verzuckert ist. Beim Gesunden liegen diese Werte in der Regel unter 6 %. Die Behandler und Patienten befinden sich in einem gewissen Dilemma. Je niedriger der Blutzucker eingestellt ist, desto geringer ist die Progression von Folgeschäden. Allerdings steigt mit der Schärfe der Einstellung auch die Anzahl von unerwünschten Unterzuckerungen.

Daher gilt es einen guten Mittelweg zu finden zwischen einer guten Blutzuckereinstellung und der Vermeidung von Folgeschäden und der Häufigkeit von Unterzuckerungen. Im Vordergrund steht selbstverständlich, dass die Lebensqualität erhalten bleibt, d.h. dass Menschen mit Diabetes ihr Leben so weiter führen können, wie sie es auch gekonnt hätten, wenn der Diabetes nicht aufgetreten wäre. Folgt man daher den Therapieempfehlungen der Deutschen Diabetes Gesellschaft, die als medizinische Fachgesellschaft für die Richtigkeit in der Medizin steht, so sollten in Kenntnis der neuesten Daten folgende Punkte beachtet werden:

Die Sicherheit der Blutzuckereinstellung und die Vermeidung von Unterzuckerungen stellt ein wichtiges Grundprinzip dar. Aus diesem Grunde sollte bei Typ-2-Diabetes die Mehrfachkombination von oralen Antidiabetika vermieden werden, da diese vermutlich mit einer höheren Rate an Unterzuckerungen einhergeht. Gerade bei Patienten mit Herz- Kreislauf-Erkrankungen oder mit sehr hohen Blutzuckerausgangswerten sollte die Blutzuckerabsenkung vorsichtig erfolgen. Als Zielwert ist bei länger bestehendem Diabetes ein HbA1c-Wert unter 7 % anzustreben. Nur bei sehr kurzer Diabeteslaufzeit und ansonsten gesunden Patienten kann auch eine HbA1c-Normalisierung angestrebt werden. Lässt man dann die übrigen Ziele einer guten metabolischen Kontrolle nicht außer Acht und kümmert sich auch um Blutdruck, Blutfette und einen adäquaten Lebensstil, dann können die Patienten lange und mit Freude leben. Zusammengefasst empfiehlt es sich daher, auf einen guten Blutzucker zu achten und den HbA1c-Wert unter 7 % zu halten.

Bildunterschrift: Prof. Dr. med. Thomas Haak, Diabetes-Klinik Bad Mergentheim
Bildquelle: Sanofi-Aventis Deutschland GmbH

zuletzt bearbeitet: 24.10.2008 nach oben

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