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Insulinpumpentherapie, für wen und warum?

Abstract zum Vortrag von Dr. Dr. med. Wulf Quester, Bad Oeynhausen, im Rahmen der Pressekonferenz zum Deutschen Diabetiker Tag 2008.

Typ-1-Diabetiker profitieren besonders von einer Insulinpumpentherapie

Der Verlauf der Diabeteserkrankung und ihrer Folgekomplikationen hängt wesentlich von der Qualität der Stoffwechseleinstellung des Patienten ab. Dies wurde in zahlreichen Studien nachgewiesen. Im Vergleich mit einer konventionellen Insulintherapie (CT) ergeben sich klare Vorteile für eine intensivierte konventionelle Insulintherapie (ICT) oder eine Insulinpumpentherapie (CSII, kontinuierliche subkutane Insulin-Infusion). Im Gegensatz zu einer Insulininjektion mittels einer Insulinspritze oder eines Pens wird durch die Insulinpumpe das Insulin kontinuierlich ins Unterhautfettgewebe abgegeben. Eine Insulinpumpe besteht aus dem Pumpengehäuse mit Motor und Insulinreservoir und dem Insulinkatheter. Dieser wird in das Unterhautfettgewebe eingestochen und muss täglich gewechselt werden.

Der Motor der Insulinpumpe drückt das Insulin mit einer individuell programmierbaren Flussrate (Basalrate) aus dem Pumpenreservoir durch ein Schlauchsystem in das Unterhautfettgewebe. Zu den Mahlzeiten kann das zusätzlich benötigte Insulin von der Pumpe abgerufen werden (prandiales Insulin). Ein Aufziehen und separates Spritzen von prandial benötigtem Insulin ist daher nicht mehr notwendig.

Seit 1977 wird die Insulinpumpentherapie angewendet. Die heute eingesetzten modernen Insulinpumpen sind klein, handlich und menügesteuert. Zumeist bieten sie die Möglichkeit, die Basalrate stündlich zu ändern, mehrere Basalraten-Profile zu programmieren und zwischen mehreren Mahlzeiten-Boli zu wählen (Einfachbolus, verzögerte Insulinabgaben). Wichtig zu wissen ist, dass eine Insulinpumpe keine eigenen Entscheidungen treffen kann, sondern vom Anwender situationsgerecht gesteuert werden muss. Das Erlernen dieser Fähigkeiten bedarf einer gründlichen Schulung der Patienten in darauf spezialisierten Diabeteseinrichtungen. Erst dann ist die Insulinpumpentherapie genau so sicher wie jede andere Form der Insulinsubstitution.

Die entscheidende Überlegenheit der Insulinpumpentherapie beruht auf der Tatsache, dass sich hierbei die basale Insulinsubstitution vollständig von der mahlzeitenbezogenen (prandialen) Insulinsubstitution trennen und steuern lässt. Die Insulinpumpentherapie ist somit für Patienten mit komplettem Insulinmangel und speziellen Einstellungsproblemen die ideale Behandlungsart.
Die Kosten für die Insulinpumpentherapie sind allerdings heute noch deutlich höher als die Kosten für eine intensivierte Insulintherapie (Anschaffungspreis der Pumpe, Verbrauchsmaterial wie z. B. Insulinkatheter).

Von der Insulinpumpentherapie profitieren insbesondere Menschen mit Typ-1-Diabetes und mit ausgeprägten Stoffwechselschwankungen, schlecht beeinflussbaren hohen morgendlichen Nüchternwerten (Dawn-Phänomen), nächtlichen Hypoglykämien oder Unterzuckerungen bei körperlicher Belastung sowie Hypoglykämiewahrnehmungsstörungen. Weiterhin erleichtert eine Insulinpumpe die Stoffwechselführung bei Typ-1-Diabetes und Schichtarbeit, anderen Formen von stark wechselnder körperlicher Aktivität sowie während der Schwangerschaft.

Seit 1979 werden auch Kinder mit der Insulinpumpentherapie behandelt. Eine solche Therapieform für Kleinkinder, die ihre Insulinbehandlung ja nicht selbst führen können, ist besonders geeignet, die gesamte Familie zu entlasten. Selbst die Kleinsten tolerieren diese Behandlung problemlos und sind in ihrem Bewegungsdrang nicht durch die Pumpe beeinträchtigt. Inzwischen ist die Insulinpumpentherapie die erste Wahl bei der Insulinbehandlung von Kleinkindern. Auch bei der oft schwierigen Behandlung von Jugendlichen bietet die Pumpenbehandlung wegen ihrer großen Akzeptanz in dieser Altersklasse viele Vorteile.

Die Verordnung von Insulinpumpen erfolgt in Deutschland durch Diabetologen, die patientenindividuelle Begründungen in einem Gutachten zusammenfassen. In der Regel erfolgt eine weitere Prüfung der Indikation durch den Medizinischen Dienst der Krankenkassen.

In Deutschland kümmert sich die Arbeitsgemeinschaft diabetologische Technologie (AGDT, Insulinpumpentherapie / Glukosemonitoring) innerhalb der Deutschen Diabetes-Gesellschaft um alle Belange einer Insulinpumpentherapie.

zuletzt bearbeitet: 19.09.2008 nach oben

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