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Selbstmanagement und Eigenverantwortung bei Diabetes aus psychologischer Sicht

Abstract zum Vortrag von Prof. Dr. Karin Lange, Hannover, im Rahmen der Pressekonferenz zum Deutschen Diabetiker Tag 2008.

Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene mit Typ-1-Diabetes

Unter dem Motto "Selbst bestimmtes Leben mit Diabetes ... für alle!?" findet der Deutsche Diabetiker Tag im Jahr 2008 in Kassel statt. Auf den ersten Blick jedoch scheinen sich Selbstbestimmung und Freiheit auf der einen Seite und die strukturierte und sorgfältige intensivierte Insulintherapie bei Typ-1-Diabetes auf der anderen Seite ebenso auszuschließen wie eine weitreichende Ernährungsumstellung und vermehrte Bewegung zur Behandlung des Typ-2-Diabetes.

Für diejenigen, die bereits als Kinder, Jugendliche oder junge Erwachsene an Typ-1-Diabetes erkrankten, bedeutete damals die unerwartete und oft dramatische Diagnose alles andere als eine selbstbestimmte Zukunft. Wie ist es vielen von ihnen und ihren Eltern trotzdem gelungen, den eigenen Lebensweg mit der chronischen Stoffwechselstörung erfolgreich zu gehen?

Die erste Weichenstellung fand in der Klinik während der ersten Diabetesschulung statt. Eine professionelle Schulung, die nicht nur Wissen vermittelt, sondern auch seelische Nöte auffängt, Mut macht, und von Beginn an auf eine eigenverantwortliche Therapie vorbereitet, ist unverzichtbar. Gefühle der Hilflosigkeit sollten dabei abgebaut und durch die Überzeugung "Wir schaffen es!" ersetzt werden. Hier sollte Familien und Diabetesteams trotz "DRG" und hohem Zeitdruck ausreichend Zeit zum Lernen gewährt werden. Oder sind durchschnittlich 30 Stunden Initialschulung zu viel, um auf ein hoffentlich 60 oder mehr Jahre währendes Leben mit Diabetes vorzubereiten? Aber auch für Menschen, die erst in höherem Alter an Diabetes erkranken gilt: bestmögliches Wissen und Selbstvertrauen von Anfang an!

Der zweite Schritt betrifft die sogenannte Akzeptanz des Diabetes. Häufig sind es Schuldgefühle, die es besonders schwer machen können, den Diabetes in die Routine des Alltags aufzunehmen. Sie sollten angesprochen und abgebaut werden. Ebenso schwierig wird es, wenn der Diabetes anscheinend die ganze Persönlichkeit überstrahlt und das Verhalten steuert. Gedanken wie: "Weil ich jetzt Diabetikerin bin, kann ich nicht mehr..." sollten kritisch überdacht und nach kreativen Lösungen gesucht werden. "Akzeptanz" des Diabetes bedeutet aber auch, nicht alles perfekt machen wollen, Kompromisse zu schließen und sich auch ehrlichen Ärger über schwankende Werte und Hypoglykämien zu unpassender Zeit zu erlauben.

Ein dritter Schritt auf dem Weg zum Selbstmanagement besteht darin, sich selbst realistische Ziele zu setzen. Jeder Mensch mit Diabetes verfügt über einen eigenen Stoffwechsel und eigene Möglichkeiten damit umzugehen. Als Mensch mit Typ-2-Diabetes und einem wenig aktiven Lebensstil schnell mal 20 Kilogramm Gewicht abzunehmen, das ist ein Traum, der uns in vielen (Frauen-) Zeitschriften vermittelt wird, er hat aber mit der biologischen Realität des menschlichen Körpers wenig zu tun. Ein realistischer erster Erfolg würde hier bedeuten, zunächst das Gewicht zu halten und körperlich aktiver und belastbarer zu werden. Erste kleine Erfolge motivieren zum Weitermachen. Misserfolge führen dagegen schnell zu Selbstzweifeln, depressiver Stimmung und Resignation. Ein maßgeschneiderter Therapieplan, der eigene Stärken und Vorlieben berücksichtigt, hat die höchsten Erfolgschancen.

Ein gutes und langes Leben mit Diabetes bedeutet auch, dass die Stoffwechselstörung nicht ständig im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit steht. Ein routinierter Ablauf, verlässliche Gewohnheiten und sicher auch der selbst gewählte Verzicht auf ungünstige Aktivitäten können dazu beitragen, dass der Diabetes "ruhig mitläuft", ohne im Alltag ständig bedacht werden zu müssen. Partner, die diese Routine mit tragen, ohne ständig zu fragen "Darfst Du das? Wie ist Dein Wert?" und trotzdem im Notfall wissen, wie sie richtig helfen können, sind eine wertvolle Stütze in einem selbstbestimmten Leben der ganzen Familie mit Diabetes.

Wie Menschen mit Diabetes und ihre Angehörigen diese Schritte angehen können, darüber soll im Vortrag "Selbstmanagement und Eigenverantwortung bei Diabetes" aus psychologischer Sicht berichtet werden.

zuletzt bearbeitet: 19.09.2008 nach oben

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