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Neuer Professor für Nierenerkrankungen beginnt Arbeit in Halle

Nierenschäden durch Diabetes und Bluthochdruck nehmen weiter zu

Professor Dr. Matthias Girndt ist neuer Direktor der halleschen Universitätsklinik und Poliklinik für Innere Medizin des Universitätsklinikums Halle (Saale) und Professor für Nephrologie der Medizinischen Fakultät der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. Er tritt zum 1. September 2008 die Nachfolge von Professor Dr. Bernd Osten an, der in den Ruhestand geht.

Die Nephrologie ist die Nierenheilkunde im Bereich der Inneren Medizin. Sie beschäftigt sich vorrangig mit entzündlichen Krankheiten der Nieren und den Folgeschäden von Volkskrankheiten wie der Zuckerkrankheit (Diabetes) oder dem Bluthochdruck an den Nieren. Die Schäden durch Diabetes oder Bluthochdruck sind häufig und nehmen ständig weiter zu. Ursachen hierfür sind die Alterung der Gesellschaft, die Zunahme von Übergewicht und Bewegungsmangel und auch das an sich ja erfreuliche längere Überleben von Menschen mit Zuckerkranheit. "Somit ist die Nephrologie ein Fach mit zunehmender Bedeutung aufgrund wachsender Patientenzahlen", sagt der 43-Jährige.

Die Klinik für Innere Medizin II werde sich den Herausforderungen zunehmender Nierenschäden und ständig besserer Behandlungsmethoden vor dem Hintergrund knapper werdender Ressourcen stellen. "Wichtigstes Ziel unserer Arbeit ist die Verhinderung einer schweren Nierenschädigung, die nur noch durch regelmäßige Dialysebehandlung zu überleben ist." Gezielt sollen bereits Patienten mit frühen Stadien der Nierenkrankheit erkannt und optimal behandelt werden, damit sich die Nierenschädigung nicht weiter verschlechtert. "Dies ist nicht einfach, da die internistischen Nierenkrankheiten nicht schmerzen und dem Betroffenen oftmals lange Zeit gar nicht auffallen."

Von Vorteil sei hingegen, dass sich mit Blut- und Urinuntersuchungen sehr gut feststellen lässt, ob bereits ein Schaden aufgetreten ist. "War die endgültige Nierenschädigung doch unvermeidbar, so kann in der Mehrzahl der Fälle durch eine Nierentransplantation gegenüber der dauerhaften Dialysebehandlung ein Zugewinn an Lebensqualität und auch Überlebenszeit gewonnen werden." Dies allen hierfür geeigneten Patienten weiterhin zugänglich zu machen, ist ein wichtiges Ziel der nephrologischen Arbeit und der Kooperation mit der Universitätsklinik für Urologie.

Ein entscheidender wissenschaftlicher Schwerpunkt liegt in den kommenden Jahren im Bereich der Herz-Kreislauf-Forschung in Zusammenhang mit Nierenschäden. "Hier wird in Kooperation mit der Kardiologie und der Physiologie der Frage nachgegangen, warum Nierenkrankheit zu erheblichen Herz-Kreislauf-Veränderungen führt." Dass dies der Fall ist, zeigt sich an dem Beispiel eines 40-jährigen Mannes, der bei guter Gesundheit eine durchschnittliche Lebenserwartung von 35 Jahren hat. Leidet er jedoch an einer schweren Nierenkrankheit und muss regelmäßig zur Dialysebehandlung, so beträgt seine Lebenserwartung trotz technischem Ersatz der Nierenfunktion nur zwischen sieben und zehn Jahren. Grund hierfür ist eine übersteigerte Alterung und Verkalkung des Blutgefäßsystems, was zu Herzinfarkt, Schlaganfall und Durchblutungsstörungen der Beine führen kann.

Die wissenschaftlichen Arbeiten der vergangenen Jahre erbrachten Hinweise darauf, warum diese übersteigerte Gefäßalterung entsteht. "Wir wissen heute, dass das Immunsystem durch erhöhte Entzündungsaktivität hieran einen erheblichen Anteil hat", erklärt der Nephrologe, dessen Vater bereits auf dem Gebiet der Nierenheilkunde tätig war. Die Entzündungsaktivität ist eine Reaktion des Immunsystems auf eine auch unter Dialysebehandlung weiter bestehende leichte Vergiftung des Körpers mit Stoffen, die normalerweise durch die Nieren entfernt werden.

Zusammen mit Professor Girndt kommen mehrere wissenschaftliche Mitarbeiter seiner Homburger Arbeitsgruppe nach Halle, um hier die Arbeiten fortzusetzen und zusammen mit den Kollegen der hiesigen Fakultät eine Forschungsinitiative zu gründen, die herausfinden soll, wie chronisch Nierenkranke vor den Herz-Kreislauf-Risiken besser zu schützen sind: "Auf diese Weise erscheint es erreichbar, den Betroffenen in der Zukunft eine normalere Lebenserwartung und bessere Lebensqualität zu sichern."

Diese Pressemitteilung wurde über den - idw - versandt.

zuletzt bearbeitet: 29.08.2008 nach oben

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