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Schon viele Vorgänge im Fettgewebe enträtselt

Pressemitteilung: Universität Ulm

Wissenschaftspreis der Stadt Ulm für Professor Martin Wabitsch

Professor Martin Wabitsch, 45, Leiter der Sektion Pädiatrische Endokrinologie und Diabetologie im Universitätsklinikum Ulm, ist am Montag mit dem Wissenschaftspreis der Stadt Ulm ausgezeichnet worden. Der Kinderarzt und international anerkannte Forscher auf dem Gebiet der Hormonerkrankungen bei Kindern und Jugendlichen erhielt den mit 5000 Euro dotierten Preis für seine Forschungsarbeit zum Thema "Charakterisierung der Folgestörungen einer vermehrten Fettmasse im Kindesalter". Er betrachtet die ihm Rahmen der traditionellen Schwörfeier vorgenommene Ehrung durch Oberbürgermeister Ivo Gönner aber auch als Auszeichnung für sein gesamtes Forschungswerk.

"Über diesen Preis freue ich mich ganz besonders", sagt der in Geislingen/Steige geborene und für seine Arbeiten bereits mehrfach ausgezeichnete Wissenschaftler, der in Berlin, Baltimore und Ulm studiert sowie in Ulm bei dem weltweit renommierten Mediziner und ehemaligen Uni-Rektor Professor Ernst Friedrich Pfeiffer mit "summa cum laude" promoviert hat. "Zum einen, weil ich Ulm und seine Universität seit 1985 als meinen Lebensmittelpunkt betrachte, zum anderen, weil ich mich schon als Doktorand mit der Biologie des Fettgewebes beschäftigt habe." Seinerzeit noch vielfach belächelt und von spöttischen bis abfälligen Kommentaren ("das ist doch kein Thema") begleitet, wie sich Wabitsch erinnert.

Aber: "Das hat sich komplett geändert", freut sich der Adipositas-Forscher. Heute zähle das Fettgewebe mit seinen Hormon- und Stoffwechselaufgaben zu den "großen Themen der Wissenschaft". Nicht zuletzt der in diesem Zusammenhang zu sehenden Volkskrankheiten wegen, allen voran Diabetes Typ 2. "Natürlich sind in dieser Zeit viele neue Erkenntnisse gewonnen worden", erklärt Professor Wabitsch. Darunter Anfang der 90er-Jahre in den USA die Entdeckung des Sättigungshormons Leptin, zunächst bei der Maus, dann beim Menschen.

"Wir waren aber unter den Ersten, die dessen Regulation untersucht haben, hatten dazu mit unseren Kulturen humaner Fettzellen beste Voraussetzungen", betont der engagierte Forscher, spricht von einem "entscheidenden Durchbruch vor rund zehn Jahren". Seither seien weltweit mehr als 100 Hormone entdeckt worden, die vom Fettgewebe produziert würden. Insofern, erklärt Martin Wabitsch, sei die Fettzelle nicht nur als Energiespeicher zu sehen, sondern als "klassische Drüse". Das Fettgewebe als Hormone bildendes Organ also, das zahlreiche hoch aktive Botenstoffe in die Blutbahn freigebe.

Und diese Botenstoffe kommunizieren Wabitsch zufolge mit dem Gehirn, der Leber, der Bauchspeicheldrüse und anderen Organen. "Auf dieser Basis verstehen wir heute das Übergewicht aus einer völlig anderen Sicht", macht der Wissenschaftler deutlich. Das Körpergewicht sei mithin primär biologisch reguliert, längst nicht so stark vom Willen abhängig wie bislang angenommen. Der kürzlich vorgestellte nationale Aktionsplan gegen das "Problem Übergewicht" in Deutschland werde deshalb nicht ausreichen, befürchtet der Ulmer Mediziner. "Dazu sind die biologischen Grundlagen der Körpergewichtsregulation zu wenig berücksichtigt."

Eine der zentralen Fragen, mit denen sich seine Forschungsgruppe beschäftigt: Herauszufinden, was die Freisetzung von Stoffen aus den Zellen beeinflusst, letztendlich die Aufklärung des Rätsels: Wie wird die Drüse "Fettzelle" gesteuert? Klar scheine zumindest, so Wabitsch, dass dafür nicht ein einzelner Faktor verantwortlich sei. "Bekannt ist bisher nur, dass die Zellen ihre Sekretion verändern, wenn sie gegen Insulin resistent werden", berichtet er und ergänzt: "Im Rahmen eines Typ-2-Diabetes, der sich stets auf Grundlage einer Insulinresistenz entwickelt, ändern sich auch die Eigenschaften der Fettzellen."

Gelänge es, diese Vorgänge im Detail zu verstehen, vermutet Professor Martin Wabitsch, "würden sich neue therapeutische Möglichkeiten auftun". Interessant wäre es, die Sekretion von Fettzellen durch Medikamente so zu beeinflussen, dass sie statt schädlichen nützliche Faktoren abgeben. "Ein enorm spannendes Gebiet" jedenfalls für den in vielen Gremien und Expertengruppen auch in den USA gefragten Wissenschaftler, der überzeugt ist: "An Aufmerksamkeit und Wertschätzung zumindest unter Wissenschaftlern und Ärzten wird es dem Fettgewebe künftig nicht mangeln."

Diese Pressemitteilung wurde über den - idw - versandt.

zuletzt bearbeitet: 21.07.2008 nach oben

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