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Mit dem Rad durch die Sahara

Pressemitteilung: Bayer Vital GmbH

2000 Kilometer Wüstenwelten

Geri Winkler auf dem Wüsten-Highway am Wendekreis des Krebses Als erster Diabetiker hat Geri Winkler im Sommer 2006 den Mount Everest bestiegen. Auch danach hat er immer wieder neue Herausforderungen gesucht. Vor wenigen Wochen ist er erneut von seiner Heimatstadt Wien gestartet: Mit seiner Freundin Sylvia Alfery machte er sich auf, um mit dem Drahtesel quer durch die Sahara zu fahren.

Seit knapp zwei Jahren kreuzt eine fast durchgehende Asphaltstraße die heißeste Gegend der Erde. Grund genug für die beiden, die große Einsamkeit auf ihren Rädern zu erleben. Unmöglich für einen Diabetiker, der seinen Blutzuckerspiegel mehrmals täglich messen und mit Insulinzufuhr regulieren muss? "Bei so einer Tour kommt es nicht nur auf die sportliche Ausrüstung an", sagt Geri Winkler. Er verlässt sich bei seinem Blutzuckermessgerät auf ein System, das einfach zu bedienen ist und das nach dem Einlegen einer Sensorenscheibe für zehn Messungen bereit ist. Was sich im Himalaya bewährt hat, tut auch im Sandsturm gute Dienste.

Ausgangspunkt für die große Wüstentour war Agadir an der Atlantikküste Marokkos. Die aus vielen Berichten bekannten Schönheiten von Marokkos Bergwelt führten die beiden Abenteurer zunächst in die 2000 Meter hohe Bergwelt des Anti-Atlas - fast 300 Kilometer Umweg und wohl der schwierigste Teil der Reise. Die Straße verlief in steilen Kehren auf und ab, aber mit jedem Mal wurde die Aussicht auf Täler mit blühenden Mandelbäumen, Arganien und Blumen in verschiedenen Gelbtönen strahlender. Mächtige Wohnburgen, sogenannte Kasbahs, tauchten auf, steile Berghänge mit Terrassenfeldern, kleine Lehmhäuser klebten wie Adlerhorste an Felshängen, hin und wieder ein winziger Laden, in dem es Limonade und Kekse zu kaufen gab.

Geri Winkler und seine Freundin überquerten strampelnd und schiebend etliche Pässe, bis sie endlich den höchsten von ihnen, den Tizi Mlil, auf 1700 Meter Höhe erreichten. Die Sonne verzauberte bereits mit ihren letzten Strahlen die Berggipfel ringsum und warf lange Schatten ins Tal hinunter nach Tafraoute, ein kleiner Ort, den sie in vergnüglich rasender Abfahrt erreichten. Einige Tage durchstreiften sie die Bergwelt und die Schluchten des Anti-Atlas, verweilten in fruchtbaren, mit Palmen bewachsenen Oasen, begegneten festlich geschmückten Berberfrauen. Die steile Abfahrt in die Souss-Ebene führte sie zurück auf die Hauptroute in Richtung Sahara.

Die beiden hatten keine Eile. Nicht sportlicher Ehrgeiz hatte Geri Winkler und seine Freundin zu den Rädern greifen lassen, sondern das Wissen, dass diese fremde Lebenswelt mit einem einfachen Fortbewegungsmittel viel besser zu erleben ist. Zunächst blieben sie auf Nebenstraßen, die entlang der Küste durch idyllische Fischerdörfer führten. Erst in dem kleinen Küstenort Tarfaya spürten sie, dass sie hier in der großen Wüste waren. Sie fanden Unterkunft in einem Privathaus und staunten über die verschwenderische Innenausstattung, wirkten doch die Häuserzeilen wie versandete Ruinen. Nachdenklich schweiften die Blicke in die Ferne, nur wenige Seemeilen entfernt von der Urlaubsinsel Fuerteventura fühlten sie sich in einer anderen Welt.

Zeitig am Morgen brachen Geri Winkler und Sylvia Alfery zu ihrer ersten wirklichen Wüstenetappe auf. Auf mehr als 100 Kilometer nichts als Sand, Steine, Dünen und Dornengestrüpp, vereinzelt kreuzten Ziegen- und Kamelherden ihre in die Endlosigkeit verlaufende Route. Sie hingen ihren Gedanken nach, mussten nur darauf achten, dass sie nicht von entgegenkommenden LKWs durch ihren Sog von der Straße gefegt wurden. Freundliches Winken, Hupen, Blinken und anerkennende Gesten munterten sie auf.

Südlich von Tarfaya passierten sie die Grenze zur Westsahara und bewegten sich nun in einem Gebiet, das vor kurzem noch heftig umkämpft war. Eigener Staat oder nicht, eine Volksabstimmung soll diese Frage klären. Niemand weiß, wann diese stattfinden soll. Derzeit wird das Land der Saharawis von Marokko verwaltet.

Nur wenige Orte waren auf den nächsten 1000 Kilometer zu erwarten - eine fast menschenleere Welt, Felsschluchten, Sanddünen in allen Farbschattierungen, so weit das Auge reichte, und immer wieder der Blick auf die schroffe, von Schiffswracks übersäte Steilküste. Unterwegs bezogen die Radfahrer in Abstellräumen und Hinterzimmern der spärlichen Tankstellen Quartier. Abwechslung boten die wenigen Orte mit buntem Basar-Treiben: Marktschreier und Wunderheiler von Menschentrauben umringt.

Nach einigen Tagen erreichten sie die erste Stadt in Mauretanien, Nouahdhibou. Sie bogen mitten im Gewühl in einen sauberen, freundlich angelegten Campingplatz ein und spülten Schweiß und Staub mit Wasser und Limonade hinunter. Es war eine völlig andere Welt: fremde Gerüche, Farben und Geräusche, das Straßenbild ein kunstvolles Flickwerk von allem. Stolz trugen die Männer ihre weißen oder hellblauen wallenden Umhänge.

Dann 500 Kilometer ohne Siedlung, hin und wieder ein paar Zelte. "Auberge" und "Restaurant" stand verheißungsvoll auf den Papptafeln. Viel mehr als altes Brot und eine auf einem Riesentablett servierte Sardinenbüchse gab es hier aber nicht. Der Wunsch nach Gabeln rief Schmunzeln hervor.

Der feine Muschelsand knirschte unter den Rändern, als die beiden Abenteurer Mauretaniens Hauptstadt Nouakchott erreichten, eine sandige Wüstenstadt mit Höllenverkehr! Die Einwohner klatschten und hupten begeistert zur Begrüßung. Einige drängten sie gnadenlos vom Asphalt in den Sandstreifen. Südlich von Nouakchott wurde die Welt belebter, die Landschaft lieblicher: zart rosa Dünen, grüne Sträucher und Bäume, anmutige Dörfer. Die Kinder riefen freundlich "Monsieur, Madame, ça va?".

Am letzten Tag in der Wüste kam plötzlich starker Wind auf, der den Sand über die auf- und abschlängelnde rissige Straße peitschte. Im Nu füllten sich die großen Schlaglöcher und wurden zur Gefahr. Bald schon betrug die Sicht nur wenige Meter, entgegenkommende Fahrzeuge nebelten die beiden Radfahrer zusätzlich mit heißem Sand ein, so dass sie sich für einige Augenblicke im Blindflug fortbewegten. Der Sturm tobte bald so heftig, dass sie Mühe hatten, ihre Räder auf der Straße zu halten.

Und dann war es mit einem Mal vorbei. Die Tour durch die größte Wüste der Welt endete nach fast 2000 Kilometern. Geri Winkler und seine Freundin standen am Ufer des Senegal-Flusses. Sie setzten mit der Fähre hinüber in den gleichnamigen Staat - alles grün und belebt. Sie waren in Schwarzafrika. Wenige Tage später erreichten sie Senegals Hauptstadt Dakar, Endpunkt der berühmten Rallye Paris-Dakar und auch Ziel des 40-tägigen Radabenteuers.

Die ungewöhnliche Reise wird für Geri Winkler nicht die letzte sein. Noch hat er allerdings nicht verraten, von welchem Winkel der Erde er sich beim nächsten Mal meldet.

Über Geri Winkler

Geri Winkler wurde 1956 in Wien geboren und ist seit 24 Jahren Typ-1-Diabetiker. Seine Leidenschaft gilt dem Erleben fremder Länder, Kulturen und Gemeinschaften. Am liebsten erschließt er sich diese Welten zu Fuß oder mit dem Fahrrad. Am 20. Mai 2006 erreichte er den 8850 Meter hohen Gipfel des Mount Everest. Es war der längste Aufstieg aller Zeiten, denn Geri Winkler begann seine Besteigung am tiefstgelegen Punkt dieser Erde, am Ufer des Toten Meeres in Jordanien - 411 Meter unter dem Meeresspiegel. Solo, mit dem Fahrrad und letztlich zu Fuß erreichte er in fünf Monaten die Basis des höchsten Berges der Erde, dessen Gipfel er dann gemeinsam mit einer amerikanischen Expedition bestieg.

Bildunterschrift: Geri Winkler
Bildquelle: Bayer Vital GmbH

zuletzt bearbeitet: 05.06.2008 nach oben

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