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Ernährung und Diabetes-Screening während der Schwangerschaft

Abstract zum Vortrag von Dr. rer. nat. Ulrike Amann-Gassner im Rahmen der ersten Pressekonferenz zur 43. DDG-Jahrestagung am 29.04.2008 in München.

Wie schützen werdende Mütter sich und ihre Kinder?

Dr. rer. nat. Ulrike Amann-Gassner Nach den Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung ist die Ernährung in der Schwangerschaft gekennzeichnet durch einen nur unwesentlich höheren Mehrbedarf an Energie von 255 kcal pro Tag ab dem 4. Schwangerschaftsmonat (das entspricht in etwa einem Käsebrot oder einem Joghurt mit Müsli und Obst). Im Vergleich dazu ist der Bedarf an einigen essenziellen Nährstoffen um bis zu 100 % erhöht (z.B. Eisen). Folsäure sollte unbedingt in einer Menge von 400 µg/d bereits vor der Schwangerschaft bei Frauen in gebärfähigem Alter mit Kinderwunsch bzw. ohne ausreichenden Konzeptionsschutz zur Vermeidung von Neuralrohrdefekten supplementiert werden. Auch Jod gehört auf alle Fälle zu den Nährstoffen, die unbedingt zusätzlich zu einer ausgewogenen Ernährung mit Jodid-Tabletten während der Schwangerschaft ergänzt werden müssen. Eisen und Magnesium sollten nur nach Indikation und individuell supplementiert werden.

Aber nicht nur eine inadäquate Nährstoffzufuhr, sondern insbesondere ein erhöhtes Vorschwangerschaftsgewicht und eine starke Gewichtszunahme während der Schwangerschaft sind eindeutig assoziiert mit Risiken für Mutter und Kind. Neben der Gefahr, ein makrosomes Kind (≥ 4000 g) zu gebären, bedeutet dies auch ein erhöhtes Risiko für peri- und postnatale (d.h. vor- und nachgeburtliche) Komplikationen, wie Kaiserschnitt, Gestationsdiabetes, Infektionen, Präeklampsie für die Mutter sowie erhöhte perinatale Mortalität und eine Prädisposition für Adipositas im Erwachsenenalter für das Neugeborene. Insbesondere scheint die Ernährungsweise während der Schwangerschaft die Nahrungsaufnahme, die Fettgewebsentwicklung und eine Prädisposition für Adipositas im späteren Leben zu "programmieren". Die Theorie des sogenannten "fetal programming" geht davon aus, dass bereits im Mutterleib eine Programmierung von späteren Erkrankungen erfolgt.

Gestationsdiabetes (GDM) ist neben der Präeklampsie eine der schwerwiegendsten medizinischen Komplikationen, die während einer Schwangerschaft auftreten können.

Gestationsdiabetes ist definiert als eine Glukosetoleranzstörung, die erstmalig während der Schwangerschaft auftritt oder diagnostiziert wird. Dabei kann es sich sowohl um die Erstmanifestation eines Typ-1- oder Typ-2-Diabetes mellitus oder anderer spezifischer Formen einer Glukosetoleranzstörung während der Schwangerschaft handeln als auch um einen präkonzeptionell (d. h. vor der Schwangerschaft) bestehenden, aber bisher noch nicht diagnostizierten Diabetes mellitus.

Ein unbehandelter GDM kann sowohl bei der Schwangeren als auch beim Ungeborenen zu vielfältigen Komplikationen führen (erhöhte Kaiserschnittrate, Makrosomie mit nachfolgenden Geburtskomplikationen, erhöhte Fehlbildungsrate, erhöhtes Risiko für einen manifesten Diabetes nach der Entbindung) bis hin zum fötalen Tod. Um diese Komplikationen zu vermeiden, ist es deshalb unbedingt notwendig, jede Hyperglykämie (d.h. erhöhte Blutzuckerwerte) während einer Schwangerschaft zu diagnostizieren und zu therapieren.

Erste Studien haben gezeigt, dass eine Ernährungstherapie in Kombination mit körperlicher Aktivität und regelmäßigen Blutzuckerselbstkontrollen nicht nur eine sinnvolle Maßnahme zur Vermeidung des GDM darstellt, sondern auch die wichtigste Therapiemaßnahme bei manifestem GDM ist.

Nach Auswertung der aktuellen Datenlage und eigener klinischer Erfahrungen können für Frauen mit GDM derzeit folgende Ernährungsempfehlungen gegeben werden:

Zusätzlich sollten übergewichtige und adipöse Frauen mit GDM folgende Verhaltensregeln berücksichtigen:

(Es gilt das gesprochene Wort!)

Bildunterschrift: Dr. rer. nat. Ulrike Amann-Gassner, Wissenschaftliche Mitarbeiterin Else Kröner-Fresezin der TU München.
Bildquelle: Deutsche Diabetes-Gesellschaft (DDG)

Referenzen

  • U. Amann-Gassner, H. Hauner: Möglichkeiten der Ernährungstherapie bei übergewichtigen schwangeren Frauen. Adipositas 2007; 1: 17-24.
  • U. Amann-Gassner, H. Hauner: Ernährungstherapie bei Gestationsdiabetes. DMW-Schwerpunktheft 2008 anlässlich der. 43. Jahrestagung der Deutschen Diabetes-Gesellschaft. Im Druck.

zuletzt bearbeitet: 29.04.2008 nach oben

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Dr. phil. Axel Hirsch

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