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Aktuelle Zahlen zu Häufigkeit und Kosten des Diabetes Typ 2:

Abstract zum Vortrag von Professor Dr. med. Hans Hauner im Rahmen der ersten Pressekonferenz zur 43. DDG-Jahrestagung am 29.04.2008 in München.

Was ist notwendig, um den Anstieg zu verhindern?

Professor Dr. med. Hans Hauner Seit Jahrzehnten wird auch in Deutschland eine Zunahme des Diabetes mellitus beobachtet. Dies gilt für beide Hauptformen, Typ-1- und Typ-2-Diabetes, gleichermaßen. Quantitativ ist der Anstieg des Typ-2-Diabetes besonders alarmierend, da diese Diabetesform für 90 % aller Erkrankungsfälle verantwortlich ist. Derzeit sind in Deutschland mehr als 8 % aller Bundesbürger oder 7 Millionen Menschen wegen eines Diabetes mellitus in ärztlicher Behandlung. Pro Jahr wächst die Zahl der Betroffenen um etwa 5 %, ohne dass bislang eine Trendwende absehbar wäre.

Da die chronische Blutzuckererhöhung (Hyperglykämie), die den Diabetes auszeichnet, auf Dauer viele Organe des Körpers in Mitleidenschaft zieht und Diabetespatienten in der Regel viele Begleitrisikofaktoren aufweisen, sind damit hohe Kosten für das Gesundheitssystem verbunden. Nach einer aktuellen Auswertung verursacht der Diabetes im Durchschnitt jährliche Exzesskosten von knapp 2.600 Euro pro Person.

Trotz aller Kostendämpfungsmaßnahmen sind die Ausgaben für diese Krankheit vor allem wegen der wachsenden Zahl der Betroffenen überproportional gestiegen, sodass der Diabetes mellitus heute die teuerste chronische Erkrankung überhaupt darstellt und das deutsche Gesundheitssystem mit ca. 18 Mrd. Euro pro Jahr belastet.

Mehr als drei Viertel dieser Mittel müssen für die Behandlung der im Grunde vermeidbaren Folgeerkrankungen aufgebracht werden, die eigentlichen Behandlungskosten sind im Vergleich dazu moderat, obwohl auch hier vor allem die Medikamentenkosten steigen. Auffällig ist die große Heterogenität der Exzesskosten, da z.B. nur 15 % der Patienten für 60 % der Gesamtausgaben verantwortlich sind, so dass sich daraus die Forderung nach stärker differenzierten, individualisierten Therapieprogrammen statt eines einzigen Schulungs- und Behandlungsprogramms (DMPs) für alle ableitet.

Die Herausforderungen, die sich daraus für das deutsche Gesundheitssystem ergeben, sind zweierlei: Es ist dringend ein flächendeckendes und krankenkassenübergreifendes Konzept zur Primärprävention des Typ-2-Diabetes erforderlich, deren Realisierbarkeit durch mehrere wissenschaftliche Studien inzwischen gut belegt ist. Zum anderen müssen die Bemühungen intensiviert werden, durch eine konsequente Therapie der Hyperglykämie und begleitender Risikofaktoren wie Bluthochdruck, Fettstoffwechselstörungen und Adipositas die Entstehung der diabetischen Folgeschäden zu vermeiden.

(Es gilt das gesprochene Wort!)

Bildunterschrift: Professor Dr. med. Hans Hauner, Tagungspräsident und Direktor des Else Kröner-Fresenius-Zentrums für Ernährungsmedizin der TU München.
Bildquelle: Deutsche Diabetes-Gesellschaft (DDG)

zuletzt bearbeitet: 29.04.2008 nach oben

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