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Diabetes-Management Patienten-Aktivierung als Schlüssel für mehr Kosteneffizienz

Pressemitteilung: Roche Diagnostics GmbH

Blutzucker-Selbstkontrolle: Der Patient als Leistungsempfänger und Leistungserbringer

Die Zahl der Menschen mit Diabetes Typ 2 steigt seit Jahren drastisch an. Um die damit drohende Kostenlawine einzudämmen, plädieren Gesundheitsökonomen für die Stärkung ganzheitlicher Therapieregime. Die Diabetes-Experten bei den Elmauer Gesprächen 2008 sind sich einig, dass die Patienten-Aktivierung zu regelmäßiger Blutzucker-Selbstkontrolle und zuverlässiger Dokumentation zentrale Elemente eines solchen ganzheitlichen Diabetes-Managements sind.

Steigende Ausgaben für die Behandlung von Volkskrankheiten wie Diabetes Typ 2 setzen das deutsche Gesundheitswesen unter Kostendruck und stellen es vor grofle Herausforderungen. Die Einrichtung des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit (IQWiG) zur Nutzenbewertung medizinischer Leistungen ist auch vor diesem Hintergrund zu verstehen. Mit der jüngsten Gesundheitsreform (GKV-WSG) wurde die Aufgabe des IQWiG um eine Kosten-Nutzen-Bewertung erweitert.

Den ersten Entwurf dieses Methodenpapiers empfindet der Gesundheitsökonom Professor Jürgen Wasem von der Universität Duisburg-Essen allerdings als enttäuschend: "Das Papier wird unter anderem den internationalen Standards der Gesundheitsökonomie nicht gerecht, die der Gesetzgeber aus gutem Grund vorgegeben hat", erklärt Wasem bei den Elmauer Gesprächen vom 29. Februar bis 2. März 2008 in Elmau.

Für eine Kosten-Nutzen-Bewertung verlangt das IQWiG endpunktorientierte randomisierte kontrollierte Studien (RCT), wohingegen Gesundheitsökonomen dafür plädieren, auch die Versorgungsrealität der Patienten in die Entscheidung über die Kostenerstattung für bestimmte Therapiemethoden einzubeziehen. Vor diesem Hintergrund bleiben die Ergebnisse der aktuell beim IQWiG vorbereiteten Nutzenbewertung der Blutzucker- und Urinzucker-Selbstkontrolle abzuwarten.

Blutzucker-Selbstkontrolle: Der Patient als Leistungsempfänger und Leistungserbringer

Die Versorgungsrealität von Menschen mit Diabetes kann der Arzt im Alltag gut durch die Analyse eines sorgfältig geführten Diabetestagebuchs einschätzen, wie Dr. Dietrich Franke, Allgemeinmediziner mit einer Internistischen Praxis in Pforzheim, berichtet: "Eine EKG-Kurve sagt mehr, als dass das Herz schlägt, genauso kann man dem Diabetestagebuch mehr entnehmen als nur die Höhe des Blutzuckers. Der geübte Behandler kann darin lesen, wie gut ein Therapieregime zu dem Patienten und seinen Lebensbedingungen passt."

Allerdings stimmen die Eintragungen im Diabetestagebuch nicht immer mit den gespeicherten Daten des Blutzuckermesssystems überein: Nach Frankes Beobachtung können manche Patienten die Blutzuckermessung und die sofortige Dokumentation nicht in ihren Alltag integrieren. Eine sinnvolle Ergänzung zum Diabetestagebuch bietet daher die Analyse der im Messgerät gespeicherten Blutzuckerwerte - zum Beispiel mit einem Daten-Management-System wie Accu-Chek Smart Pix 2.0, das die Daten grafisch anhand anschaulicher Tagesprofile visualisiert. "Damit fällt es dem Hausarzt leichter die Daten zu interpretieren, schnell Muster und Problembereiche zu erkennen und die Therapie entsprechend des Lebensstils des Patienten zu optimieren", erklärt Franke.

Patienten-Empowerment: Mit Blutzucker-Selbstkontrolle den Kostenhebel umlegen

Auch Professor Stephan Martin, Ärztlicher Direktor des Westdeutschen Diabetes- und Gesundheitszentrums, Sana Kliniken Düsseldorf, weist eindringlich darauf hin, dass die Therapie des Diabetes nur durch die Aktivierung des Patienten erfolgreich - und durch die Vermeidung kostenintensiver Folgeerkrankungen - auch wirtschaftlich sein kann: "Wichtig ist es, den Patienten aktiv in die Therapie einzubeziehen und ihm so zu veranschaulichen, wie sich sein Blutzuckerspiegel je nach Verhalten verändert."

Da Patienten nur durch eigenes Erleben die Auswirkung des Verzehrs bestimmter Nahrungsmittel oder Verhaltensweisen einschätzen können und ihren Lebensstil entsprechend ändern, fordert Martin einen breiteren Einsatz der ereignisgesteuerten Blutzucker-Selbstkontrolle. Denn: Einen Zusammenhang zwischen regelmäßiger Blutzucker-Selbstkontrolle und geringeren Mortalitäts- und Morbiditätsraten bei Menschen mit Diabetes Typ 2 [1] hatte im Jahr 2006 erstmals die ROSSO-Studie nachgewiesen.

Aktuell leitet Martin im Rahmen der EigenInitiative der Stiftung "Motivation zur Lebensstil-Änderung - Chance bei Diabetes" eine Praxisstudie, die einen positiven Effekt des ganzheitlichen Diabetes-Managements mit regelmäßiger Blutzucker-Selbstkontrolle auf den Lebensstil und die Lebensqualität von Menschen mit Diabetes Typ 2 wissenschaftlich belegen soll.

Quelle:
[1] Martin et al.: Retrolective Study Self-Monitoring of Blood Glucose in type-2 Diabetes and longterm Outcome: an epidemiological Cohort Study, Diabetologia 49; 2 (2006): 271-278.

zuletzt bearbeitet: 17.03.2008 nach oben

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