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Forschung gegen Fettsucht:

Pressemitteilung: Universität Hohenheim

Universität Hohenheim ist Mitbegründerin des nationalen Kompetenznetz Adipositas

In dem neuen nationalen Kompetenznetz Adipositas ist Baden-Württemberg mit der Ernährungsmedizin der Universität Hohenheim vertreten in Kooperation mit Fachkollegen der Universitäten Tübingen und Heidelberg, sowie dem Klinikum Stuttgart. Zur Auftaktveranstaltung trafen sich insgesamt acht Forschungsverbunde aus dem Bundesgebiet.

Zusammen mit ihnen betreibt die Universität Hohenheim Grundlagenforschung zur Adipositas und entwickelt im Verbund neue Therapieansätze. Das Forschungsprojekt ist auf 12 Jahre angelegt, für die dreijährige Anschubphase stellt das Bundesforschungsministerium insgesamt acht Millionen Euro. Ermöglicht wurde dieser Erfolg durch den konsequenten Ausbau der Ernährungsmedizin durch das Land Baden-Württemberg, wie der Rektor der Universität Hohenheim, Prof. Dr. Hans-Peter Liebig betont.

Jeder fünfte Mensch in Deutschland leidet heute an Adipositas, sprich: krankhaftem Übergewicht mit weitreichenden sozialen und medizinischen Folgen. Das Problem beginnt meist schon im Kindesalter: Bundesweit sind bereits zehn Prozent aller Kinder adipös.

Die Folgen sind weitreichend: Fast zwei Drittel erleben Stoffwechselveränderungen mit stark erhöhtem Risiko für Bluthochdruck, Herzinfarkte oder Schlaganfall. Andere Symptome sind erhöhtes Krebsrisiko, Gelenkbeschwerden und Depressionen. Gleichzeitig beklagen Betroffene den Verlust an Lebensqualität. Soziale Folgen wie Isolation im Beruf und das Auflösen von sozialen Bindungen bestätigt auch die Praxiserfahrung von Prof. Dr. med. Stephan Bischoff, Direktor des Instituts für Ernährungsmedizin der Universität Hohenheim.

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Von der Grundlagenforschung bis zur Therapie: das neue Kompetenznetz Adipositas

Mit dem neuen Kompetenzwerk Adipositas will die Bundesregierung nun Schub in die lange vernachlässigte Forschung bringen. 12 Jahre sollen bundesweit ausgewählte Forschungseinrichtungen eng vernetzt zusammenarbeiten. Der Auftrag reicht von Grundlagenforschung über Prävention bis zur Therapie. Die dreijährige Anschubphase finanziert das Bundesministerium für Bildung und Forschung mit 7,5 Millionen Euro und zusätzlichem Strukturgeld.

Zum Start umfasst das Kompetenznetz insgesamt acht Forschungseinrichtungen, die sich gegenüber 20 Konkurrenten in der engeren Wahl durchgesetzt hatten. Dabei hatte sich der von der Universität Hohenheim koordinierte Forschungsverbund als einziger Verbund Baden-Württembergs behauptet.

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Neuer Forschungsansatz aus dem gemeinsamen Zentrum für Ernährungsmedizin der Universitäten Hohenheim und Tübingen

Innerhalb dieses Netzwerkes verfolgt die Universität Hohenheim eine neue Forschungsrichtung, die mittelfristig Hoffnung auf neue Therapieansätze gibt. "Bislang wissen wir, dass das Essverhalten über das Gehirn und durch Hormone aus dem Fettgewebe beeinflusst wird. Wir haben Hinweise, dass auch der Magen-Darm-Trakt an der Steuerung der Gewichtszunahme beteiligt ist", erklärt Prof. Dr. med. Bischoff.

Neben Appetitzüglern, die das Essverhalten über das Gehirn bremsen sollen, könnte eine künftige Generation von Medikamenten auch über den Magen-Darm-Trakt wirken. "Bis zur Anwendung ist es allerdings noch ein weiter Weg", bremst der Ernährungsmediziner übereilte Hoffnungen. "Allerdings werden wir parallel zur Grundlagenforschung auch an der Therapie arbeiten und ausgewählte Patienten gleich mit einbeziehen."

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Zu viele Kalorien, zu wenig Bewegung - und kein gesellschaftliches Konzept

Den Grund für die zunehmende Fettsucht sieht Prof. Dr. Bischoff in mehr als einer Ursache: "In unserer Gesellschaft gibt es keinen Mangel an Kalorien. Wertvolles, gutes Essen ist teuer - kalorienreiche Nahrung nicht. Selbst Menschen, die nicht wohlhabend sind, haben deshalb Zugang zu Kalorien im Überfluss." Zusätzlich habe der Mensch die Bewegung im Alltag abgeschafft: "Mit Rolltreppen und Autos haben wir den Alltag so umgestaltet, dass ich mich nicht mehr automatisch bewegen muss, sondern nur noch freiwillig im Fitness-Studio."

Gleichzeitig sei das Problem lange vernachlässigt worden: "Bislang gab es keine flächendeckenden Programme wie zum Beispiel bei Diabetes. Erfolgreiche Konzepte gibt es, sie sind bislang aber nur sehr lokal getestet worden." Erst in jüngster Zeit gäbe es Ansätze in der Prävention, die Prof. Dr. med. Bischoff sehr positiv beurteilt: "In Baden-Württemberg ist Adipositas-Prävention nun ein Teil des Kinderland-Konzeptes, bei dem bereits im Kindergarten auf die Kinder zugegangen wird."

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Erfolg für forschungspolitische Weichenstellung in Baden-Württemberg

"Seitens der Landesregierung wurde die zunehmende gesellschaftliche Bedeutung der Ernährungsmedizin frühzeitig erkannt und entsprechend gefördert", lobte Prof. Dr. Liebig. Über Zielvereinbarung habe das Land die Zahl der Professuren in diesem Forschungssegment mehr als verdoppelt. Gleichzeitig hätten sich die Universitäten Hohenheim und Tübingen und die Uniklinik Tübingen über zwei Hochschulverbunde vor allem im Bereich der Ernährungsmedizin intensiv vernetzt.

Erst im vergangenen Sommer hatten sich Wissenschaftler aus Hohenheim und Tübingen zum gemeinsamen Zentrum für Ernährungsmedizin zusammengeschlossen. Gefördert wird der neue Zusammenschluss durch einen Forschungsfond von drei Millionen Euro für drei Jahre, den Wissenschaftsministerium Baden-Württemberg mit beiden Universitäten gemeinsam finanzieren.

"Der Zuschlag für die Universität Hohenheim und ihren Forschungspartnern zeigt, dass es sich um lohnende Investitionen handelt, die nun erste Früchte tragen", ressumierte Rektor Prof. Dr. Liebig.

Hintergrund Kompetenznetz Adipositas
Aufbauend auf der Erfahrung der "Kompetenznetze für die Medizin" beabsichtigt das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) durch die Förderung von national angelegten "Krankheitsbezogenen Kompetenznetzen" die Vernetzung herausragender Akteure in Forschung und Versorgung zu gesundheitspolitisch wichtigen Krankheitsbildern weiter zu entwickeln und auszubauen. Des Weiteren soll die Effizienz und die Interdisziplinarität der klinischen Forschung gefördert und das nationale Forschungsprofil in der Gesundheitsforschung gestärkt werden. Die besten Einrichtungen der Forschung und Versorgung können unter Beteiligung von Partnern aus der Wirtschaft ihre Kompetenz und Infrastruktur in diese Netze einbringen, mit dem Ziel die zerstreuten Kapazitäten in exzellenten Forschungsansätzen zusammenzuführen. Durch eine Förderung von bis zu vier Perioden von jeweils drei Jahren sollen die Ergebnisse der Förderung nachhaltig aufgebaut und gesichert werden.

Diese Pressemitteilung wurde über den - idw - versandt.

zuletzt bearbeitet: 14.03.2008 nach oben

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