Das unabhängige Diabetes-Portal DiabSite

Home > Aktuelles > Diabetes-Nachrichten > Archive > 2007 > 070426b

Regierungen zum Kampf gegen größte Epidemie aller Zeiten aufgerufen

Neuer Konsens der IDF zur Vorbeugung von Diabetes veröffentlicht

Die Diabetes-Pandemie droht, das globale Gesundheitssystem zu überfordern. Die Internationale Diabetes Föderation (IDF) hat heute eine neue Konsenserklärung zur Prävention von Diabetes präsentiert, die in der Maiausgabe von "Diabetic Medicine" veröffentlicht wird. Die Erklärung folgt auf eine Resolution der UN-Hauptversammlung im Dezember 2006, die zum gemeinsamen internationalen Handeln aufruft.

"Die UN-Resolution stellt einen Riesenschritt im Kampf gegen die größte Epidemie der Menschheitsgeschichte dar. Diabetes ist für beinahe 4 Millionen Todesfälle jährlich verantwortlich. "Mit derzeit 246 Millionen Diabeteskranken und voraussichtlich 380 Millionen bis 2025 ist Diabetes auf dem besten Wege, die nationale Wirtschaft zahlreicher Länder in den Bankrott zu treiben", so Prof. Paul Zimmet, Leiter des Internationalen Diabetes Instituts und Koautor der Konsenserklärung. "Dem Typ-2-Diabetes kann vorgebeugt werden, es bedarf jedoch enormen politischen Willens seitens der Regierungen, um dies zu realisieren. Erreicht werden kann dies durch Schaffung eines Umfeldes, das dem Einzelnen Änderungen bei seiner Lebensweise ermöglicht. Deshalb fordern wir alle Länder auf, die UN-Resolution zu unterstützen und die gesamte Bevölkerung bei der Ausarbeitung und Umsetzung nationaler Pläne zur Prävention von Diabetes ins Visier zu nehmen."

Der neue IDF-Konsens empfiehlt eine Identifizierung aller Personen mit hohem Risiko an Typ-2-Diabetes zu erkranken mittels opportunistischem Screening durch Ärzte, Krankenpflegepersonal, Apotheker sowie durch Selbst-Screening.

Prof. Sir George Alberti, Ex-Präsident der IDF und Koautor des neuen IDF-Konsenses äußerte sich dazu: "Es gibt eine Fülle von Beweisen aus Studien in den USA, Finnland, China, Indien und Japan, dass ein Wandel der Lebensweise (Erzielung eines gesunden Körpergewichts und körperliche Betätigung) eine Erkrankung an Typ-2-Diabetes bei hochgefährdeten Personen verhindern kann. Der neue IDF-Konsens tritt dafür ein, dass dies zur ersten Intervention für alle Typ-2-Diabetes-Risikogruppen wird, gefolgt von einer Schwerpunktsetzung auf Gesundheitsstrategien für die Bevölkerung."

Neben dem Bedarf an Änderungen bei der Lebensweise sieht die IDF einflussreiche Umweltkräfte als ausschlaggebende problematische Faktoren für Verhaltens-, Ernährungs- und Bewegungsmuster der Gesellschaft.

"Unsere Regierungsbehörden haben möglicherweise unbewusst zu dieser Epidemie beigetragen, indem sie Bauunternehmern erlaubt haben, Nährboden für urbane Sozialprobleme zu schaffen", so Prof. Avi Friedman, Professor für Architektur an der McGill Universität in Montreal. "Die Ausuferung des Ballungsraumes bildet einen wesentlichen Bestandteil der neuen Stadtentwicklung ohne Rücksicht auf Gebäudedesign, Gehsteige, Radfahrerwege, öffentliche Verkehrsmittel, Spielwiesen sowie freundliche Sportbereiche. All dies sind grundlegende und lebensnotwendige Voraussetzungen für Personen, die gesund leben und fit bleiben wollen."

Die nationalen Pläne zur Prävention von Diabetes bedürfen daher koordinierter politischer und gesetzlicher Änderungen auf allen Sektoren, einschließlich Gesundheitswesen, Schulwesen, Sport und Landwirtschaft, wie auch die Bildung strategischer Partnerschaften. Dabei muss auf kulturelle Sensitivität sowie die Mobilisierung aller Gesellschaftssektoren geachtet werden.

"Diabetes ist bereits zu einer massiven sozialen Belastung geworden. Nun liegt es an den Politikern zu entscheiden, ob sie weiterhin enorme Geldsummen für akute Therapien und Medikamente aufwenden oder in Präventivmaßnahmen für gezielte Änderungen der Lebensweise in der gesamten Bevölkerung investieren", so Prof. Alberti.

"Was Regierungen weltweit benötigen, ist eine Kyoto-ähnliche Konvention für die Prävention und das Management von Diabetes. Nur so können wir verhindern, dass dieses Problem in eine Katastrophe ausufert", folgerte Prof. Zimmet.

nach oben

Redaktionelle Hinweise

Die Internationale Diabetes Föderation (IDF) ist globaler Fürsprecher von über 240 Millionen Diabetes-Patienten weltweit. Sie vertritt 200 Diabetes-Verbände in über 150 Ländern. Das Ziel der IDF ist, die Behandlung, Vorbeugung und Heilung von Diabetes weltweit voranzutreiben. Die IDF ist eine NGO und unterhält offizielle Beziehungen zur Weltgesundheitsorganisation.

Über Diabetes

Jährlich erkranken 7 Millionen Personen an Diabetes. Die höchste Zunahme bei Neuerkrankungen an Typ-2-Diabetes verzeichnen Bevölkerungen mit rapiden und einschneidenden Änderungen ihrer Lebensweise. Dies stellt die wichtige Rolle von Lifestyle-Faktoren heraus sowie das Potenzial dieser globalen Epidemie Einhalt zu gebieten. Personen mit Typ-2-Diabetes weisen ein zwei- bis vierfach höheres Risiko auf, an einer Herz-Kreislauf-Erkrankung (CVD) zu erkranken und 80 % der Diabetespatienten sterben an deren Folgen. Vorzeitige Mortalität infolge von Diabetes führt zu einem geschätzten Verlust von 12-14 Lebensjahren. Auf eine Person mit Diabetes entfallen 2-5-mal höhere Gesundheitskosten als auf Personen ohne Diabetes. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) geht davon aus, dass bis zu 15 % des jährlichen Gesundheitsbudgets für diabetesbedingte Erkrankungen aufgewendet werden (www.idf.org).

Überzeugende Beweise liegen dafür vor, dass eine gute Kontrolle des Blutzuckerspiegels sowie entsprechendes Management von Bluthochdruck und Fettprofil (Blutfette) die Progression in Richtung bzw. von Typ-2-Diabetes verlangsamen und das Risiko von auftretenden Komplikationen (z. B. Herz-Kreislauf-Erkrankung, Augen- und Nierenleiden) bei Diabetespatienten beträchtlich verringern können.

zuletzt bearbeitet: 26.04.2007 nach oben

Unterstützer der DiabSite:

Lasar Liepins

Lasar Liepins

Weitere Angebote:

Diabetes- und weitere Infos in Fremdsprachen

Angesichts der vielen Flüchtlinge zeigt DiabSite, wo es Diabetes- und weitere Gesundheitsinfos auf Arabisch, Persisch, Russisch etc. gibt.