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Deutscher Diabetiker Bund wird nicht gefragt!

Blutdrucksenkende Medikamente ohne Berücksichtigung von Diabetes-Patienten bewertet

Der DDB kritisiert die Vorgehensweise des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) bei der Bewertung des Nutzens blutdrucksenkender Medikamente. Für Menschen mit Diabetes ist die Behandlung eines zu hohen Blutdrucks außerordentlich wichtig. Deshalb sind für sie die Zielwerte sogar schärfer eingestellt als bei Menschen, die nicht an dieser chronischen Erkrankung leiden. Die Patientenorganisation wurde jedoch nicht in den Bewertungsprozess einbezogen, obwohl dies im Zuge der Gesundheitsreform gefordert ist verbunden mit dem Hinweis, auch in schon laufenden Verfahren die Beteiligung der Betroffenen deutlich zu erhöhen.

Als kritikwürdig betrachtet DDB-Vorsitzender Manfred Wölfert auch das Ergebnis des IQWiG-Berichtes, in dem blutdrucksenkende Medikamente aus der Gruppe der Diuretika favorisiert werden. Sie führen häufiger als andere Wirkstoffe zu höheren Blutzuckerwerten, das sagt auch der IQWiG-Bericht aus. Er sagt allerdings nichts darüber aus, dass für Menschen, die bereits Diabetes haben, die Diuretika nicht die Mittel der ersten Wahl sind, denn sie senken die Glukosetoleranz und steigern die Insulinresistenz, wirken sich also negativ auf die diabetesrelevanten Parameter aus und sind deshalb - zumindest als Monotherapie - nicht zu empfehlen.

Mit Unverständnis reagiert Wölfert auch darauf, dass laut IQWiG-Bericht unklar wäre, welche gesundheitliche Bedeutung die unter Diuretika festzustellenden Blutzuckererhöhungen haben: "Über die Folgen eines über lange Zeit erhöhten Blutzuckerspiegels, also letztendlich eines manifesten Diabetes gibt es leider keine Unklarheiten. Die Diabetes-Komplikationen sind bekannt, sie bilden eine Kammer des Schreckens: So erleiden in Deutschland pro Jahr 27.000 Menschen mit Diabetes einen Herzinfarkt und 44.000 einen Schlaganfall. Bluthochdruck in Verbindung mit Diabetes verursacht die Tatsache, dass 75 Prozent der Diabetiker eine Koronare Herzkrankheit haben und umgekehrt 75 Prozent der KHK-Patienten an einem manifesten oder noch unerkannten Diabetes leiden. Deshalb dürfen wir als Betroffene nicht außen vor bleiben, wenn über uns entschieden wird."

zuletzt bearbeitet: 12.03.2007 nach oben

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