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Weibliche Sexualität gehorcht nicht männlichen Regeln

Pressemitteilung: pressetext.austria

Experten kritisieren zu geringes Therapieangebot für Frauen mit Sex-Problemen

Während für männliche Sexualstörungen wie etwa Erektile Dysfunktion in der Zwischenzeit zahlreiche Medikamente bereits auf dem Markt sind, hat die Erforschung der weiblichen Sexualität eine vergleichsweise kurze Tradition. Das bedeutet auch, dass es nach wie vor nur sehr beschränkte Diagnose- und Behandlungsmöglichkeiten für Frauen mit sexuellen Fehlfunktionen gibt.

Beim 9. Kongress der Europäischen Gesellschaft für Sexualmedizin (ESSM) www.essm.org, der derzeit in Wien stattfindet, werden Aspekte der weiblichen sexuellen Gesundheit, Zusammenhänge zwischen sexuellen Problemen und chronischen Erkrankungen sowie die Notwendigkeit interdisziplinärer Betrachtung diskutiert.

"Tatsächlich werden erst seit wenigen Jahren sexuelle Funktionsstörungen bei Frauen wissenschaftlich untersucht und daher ist die Forschung um etliche Jahre hinten nach", erklärt Elia Bragagna, Leiterin der Sexualambulanz am Wiener Wilheminenspital, im pressetext-Interview. Allerdings gebe es starke Strömungen auf diesem Gebiet zu forschen. "Wir kommen in eine neue Zeit und das ist sehr erfreulich", meint die Medizinerin. Unterstützt werde dies natürlich auch durch das Interesse der Pharmaindustrie. Besonders Frauen, die unter Gewebestörungen, dem metabolischen Syndrom oder Diabetes mellitus leiden, würden davon profitieren.

Mit dem einfachen Verschreiben von Medikamenten oder Pflastern können aber nicht alle sexuelle Störungen geheilt oder behoben werden. Die Medizinerin, die auch eine eigene Sexualmedizinische Praxis leitet, sieht die Zukunft in einer genaueren Selektion der Therapien durch eine verbesserte Diagnose. "Unser größter Feind ist das soziale Umfeld und verbunden damit die tägliche Angst um den Verlust des Berufes." Diese Bedingungen, die immer schlimmer werden, tragen zur Lustfeindlichkeit bei. "In vielen Fällen ist das Gewebe völlig in Ordnung und hochwirksame Medikamente werden sinnlos verschrieben, weil sie nicht helfen können." Die Expertin fordere daher eine kritische Haltung zu Medikamenten. "Wenn der Erfolgsdruck auch die Sinnlichkeit, also einen Stress zur sexuellen Attraktivität umfasst, kann kein Mittel wirken." Darauf müssten die Ärzte in Zukunft genauer schauen, meint Bragagna.

"Da das erektile Gewebe bei der Frau ähnlich wie beim Mann funktioniert, können Erregungsstörungen auch mit ähnlichen Medikamenten behandelt werden", erklärt Bragagna. Für die Patientinnen würden neue Erkenntnisse und verbesserte Methoden neue Möglichkeiten bringen. Dazu gehören zum Beispiel auch neue Untersuchungen. "Gerade in diesem Bereich stehen wir erst am Beginn." Wie die Präsidentin des ESSM-Untersuchungskomitees für die Sexuelle Gesundheit von Frauen, Annamaria Giraldi, meint, suchen immer noch zu wenige Frauen medizinische Hilfe auf.

Ein weiteres Manko sieht Giraldi auch darin, dass die meisten Mediziner dazu tendieren, Patientinnen nicht über deren sexuelle Gesundheit zu befragen. "Der allgemeine physische und psychische Gesundheitszustand eines Menschen wirkt sich auf die sexuelle Gesundheit aus. Deshalb ist auch der Einfluss von Erkrankungen auf die weibliche Sexualität ein großes Thema in der sexualmedizinischen Forschung", erklärt die Wissenschaftlerin. Chronische Erkrankungen sind unter anderem Ursachen für sexuelle Fehlfunktionen von Frauen.

Einen signifikanten Einfluss auf die Sexualität von Frauen haben auch Schwangerschaft und Geburt, wie neueste Daten zeigen. "Wenn wir die Ursachen für diese Zusammenhänge besser untersucht haben und die Frauen entsprechend beraten, können wir die sexuelle Gesundheit auch in diesen Perioden noch verbessern", hofft Giraldi.

Veröffentlicht mit freundlicher Genehmigung von pressetext.deutschland.

zuletzt bearbeitet: 04.12.2006 nach oben

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