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Telemedizinische Betreuung erstmals auch für Diabetes-Patienten

Pressemitteilung: TAUNUS BKK und PHTS Telemedizin GmbH

Taunus BKK weitet Zusammenarbeit mit PHTS Telemedizin aus

Die TAUNUS Betriebskrankenkasse (BKK) stellt zusammen mit PHTS Telemedizin auf der internationalen Medizinmesse Medica in Düsseldorf erstmals ihr telemedizinisches Betreuungsprogramm im Rahmen eines Vertrages zur integrierten Versorgung für Diabetiker vor. In Zusammenarbeit mit dem Institut für Diabetes "Gerhard Katsch" Karlsburg ist das telemedizinische Betreuungsprogramm Diabetiva® zunächst auf Mecklenburg-Vorpommern, Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt begrenzt. Ziel ist allerdings eine flächendeckende Versorgung in ganz Deutschland.

Nach den positiven Erfahrungen der TAUNUS BKK mit der telemedizinischen Versorgung von Patienten mit chronischer Herzinsuffizienz, soll sich nun auch die Betreuung von Diabetikern deutlich verbessern. Ziel dabei ist es, schwerwiegenden Folgeerkrankungen wie Herzinfarkt, Schlaganfall oder diabetischem Fuß vorzubeugen.

Gerade bei Diabetes ist der Umgang der Patienten mit ihrer chronischen Erkrankung entscheidend für den Verlauf. Zwischen Arzt und Patient vereinbarte Therapievorgaben müssen eingehalten werden und ggf. sind die Lebensgewohnheiten zu ändern. "Fakt ist, dass Spätschäden vermieden oder zumindest hinausgeschoben werden könnten, wenn es gelänge, Diabetiker frühzeitiger zu erkennen, sie so zu schulen, dass sie mit ihrer Krankheit richtig umgehen, ihr Krankheitsverständnis zu fördern und durch konsequente Therapie den Blutzuckerspiegel und den Blutdruck in den Normbereich zurückzuführen", erklärt Prof. F. Arnold Gries, ehemals Leiter des Diabetes-Forschungsinstitutes an der Universität Düsseldorf und Mitglied des medizinischen Beirates von PHTS Telemedizin. Obgleich überaus wichtig, ist dies im Alltag für die Patienten nicht immer einfach. Sie fühlen sich mit der Umsetzung der Behandlungsempfehlungen oftmals überfordert. Hier unterstützt das telemedizinische Betreuungsprogramm und trägt zu einer besseren Compliance bei.

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Telemedizinische Betreuung für Diabetiker

In der Praxis funktioniert die Versorgung für die Patienten sehr einfach: Zunächst wird in der Arztpraxis ein Diabetes-Langzeitmessgerät angelegt, mit dem über einen Zeitraum von 72 Stunden die Blutzuckerwerte aufgezeichnet werden. Während dieses Zeitraums muss der Patient in vorgefertigten Formularen seine Lebensgewohnheiten dokumentieren: Nahrungsaufnahme, Insulingabe, Bewegung. Diese Daten werden von dem Facharzt an das telemedizinisch gestützte und damit ambulant einsetzbare interaktive Beratungsprogramm KADIS® (Karlsburger Diabetes-Management System) weitergeleitet. Dort werden Informationen ausgewertet und die optimale Diabetes-Einstellung für den jeweiligen Patienten wird computergestützt erstellt. Die Analyse wird dann wieder dem behandelnden Arzt zur Verfügung gestellt, der mit dem Patienten die Therapie festlegt. Diese Langzeitmessung erfolgt einmal jährlich.

Für eine optimale Therapie erhalten die Patienten ein Blutzuckermessgerät von PHTS Telemedizin, mit dem sie regelmäßig ihre Blutzuckerwerte ganz leicht und jederzeit per Telefon an das Telemedizinische Zentrum in Düsseldorf übermitteln können. Bei multimorbiden Patienten werden dort auch regelmäßig EKGs ausgewertet. Das Telemedizinische Zentrum ist rund um die Uhr an 365 Tagen im Jahr mit Ärzten und medizinischem Fachpersonal besetzt.

All diese Daten werden von PHTS Telemedizin in einer elektronischen Patientenakte erfasst. Über die Plattform "Medical Record Online" (MROL) sind alle behandelnden Ärzte eines Patienten miteinander vernetzt, alle können auf die übermittelten Werte zugreifen und sich schnell und umfassend über den Krankheitsverlauf informieren. Darüber hinaus ermöglicht MROL Auswertungen des Krankheitsverlaufes. Fragen wie "Wie entwickelt sich der Blutzucker während der Tages- und Nachtzeit?" oder "Wie verändert er sich infolge der gewählten Therapie?" werden beantwortet.

Studien aus dem Institut für Diabetes Karlsburg belegen, dass der Blutzuckerwert (HbA1c-Wert) innerhalb von nur drei Monaten durch die telemedizinisch gestützte Behandlung signifikant verbessert werden kann. Wird der HbA1c-Wert um rund einen Punkt vermindert, sinkt damit das Risiko für das Auftreten diabetesspezifischer Folgeerkrankungen um bis zu 60 Prozent. "Es ist an der Zeit, dass die Möglichkeiten der telemedizinischen Betreuung auch Patienten mit Diabetes zugänglich gemacht werden. Die technischen Möglichkeiten der Telemedizin sind längst soweit und auch die Vorteile einer effektiveren Behandlung sind im Bereich Herzerkrankungen dokumentiert", erklärt Udo Sennlaub, Vorstand der Taunus BKK Vorstand der Taunus BKK. "Wir gehen davon aus, dass sich diese auch für Diabetes einstellen werden und sich die Lebensqualität der Diabetiker nachhaltig verbessert."

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Volkskrankheit Diabetes

Diabetes hat sich in den vergangenen Jahrzehnten zu einer Volkskrankheit mit epidemischen Ausmaßen entwickelt. 1997 gab es weltweit 130 Millionen Diabetiker. Allein in Deutschland sind es gegenwärtig zwischen sechs bis acht Millionen Erkrankten - mit weiterhin steigender Tendenz. Die Erkrankung selbst führt zur Einschränkungen im täglichen Leben. Wird sie zu spät erkannt und nicht richtig behandelt, können gravierende Folgeerkrankungen eintreten, die nach einer "Costs of diabetes in Europe"-Studie für Typ-2-Diabetes dramatische Ausmaße annehmen: Alle 19 Minuten eine Amputation, alle 90 Minuten eine Erblindung, alle 60 Minuten eine neue Dialysebehandlung und alle sieben bis acht Minuten ein kardiovaskuläres Ereignis wie zum Beispiel ein Herzinfarkt. Das Risiko, einen Herzinfarkt zu erleiden, ist für Diabetiker vier- bis sechsmal höher als bei Männer und Frauen ohne Diabetes. Auch sind die Überlebenschancen von Diabetikern bei einem Herzinfarkt um ein Vielfaches geringer.

zuletzt bearbeitet: 14.11.2006 nach oben

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